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Porträt Thorsten Töpp
Avantgardist mit klassischen Wurzeln

Porträt Thorsten Töpp: Avantgardist mit klassischen Wurzeln
Thorsten Töpp ist Komponist, Musiker, Konzertveranstalter, Autor, Theater- und Hörspielmacher in Personalunion. FOTO: Dirk Grobelny
Duisburg. Der Duisburger Komponist, Musiker, Konzertveranstalter, Theater- und Hörspielmacher ist in der städtischen und in der freien Kulturszene zu Hause. Von Olaf Reifegerste

Es gibt nur wenige Künstler, die so vielseitig sind wie er: Thorsten Töpp ist Komponist, Musiker und Konzertveranstalter sowie Autor, Theater- und Hörspielmacher. Er liebt die Klassik gleichermaßen wie die Moderne. Und er ist in der städtischen, mehr noch aber in der freien Kulturszene zu Hause.

Töpp ist 1965 in Oberhausen geboren, ging dort zur Schule und absolvierte erst sein Abitur und dann seinen Zivildienst. Im Anschluss daran begann er ein Lehramtsstudium an der damaligen "Universität Gesamthochschule Duisburg" mit der Fächerkombination Schulmusik und Germanistik. Obendrauf setzte er später noch ein Philosophiestudium. Anfang der 1990er Jahre siedelte er nach Duisburg um - genauer gesagt nach Ruhrort. Später zog es ihn mit seiner Familie nach Duissern. Seit 2012 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Mülheim an der Ruhr. "Bis zum 13. Lebensjahr interessierte mich Musik überhaupt nicht", erzählt er rückblickend.

"Zu Hause gab es aber auch keinen wirklich kulturellen Nährboden dafür. Mein Opa arbeitete auf der Zeche und mein Vater war Automechaniker von Beruf." Dennoch keimte bei ihm langsam aber stetig so etwas wie musikalische Liebe zu Blues und Jazz auf. Muddy Waters und Rory Gallagher wurden ihm wichtig und Free Jazz bekam für ihn einen immer größer werdenden Stellenwert.

Zeitgleich lernte er klassische Konzertgitarre an der Musikschule in Oberhausen, später in Duisburg, baute Elektronik beim Musizieren ein und begann zunehmend sich mit Musikkompositionen zu beschäftigen. Ende der 1980er Jahre lernte er Bernhard Wambach, damals frischgebackener Hochschulprofessor der Folkwang Hochschule (Abteilung Duisburg) kennen. Dieser wiederum machte ihn auf Wolfgang Rihm aufmerksam.

Töpp wechselte zum Wintersemester 1996/97 an die Hochschule für Musik nach Karlsruhe in die Kompositionsklasse von Wolfgang Rihm. Doch statt Rihm in Karlsruhe zu begegnen, traf er dort auf Heiner Goebbels. Rihm hatte nämlich zeitgleich eine Residenz in Berlin und Goebbels war sein Vertreter vor Ort. "Goebbels war ein fantastischer Lehrer", schwärmt Töpp noch immer, "von ihm habe ich viel gelernt."

Seit 2000 veranstaltet Töpp zahlreiche Konzerte mit Neuer Musik, avanciertem Jazz, Improvisationen und elektronischer Musik. Er komponierte mehrere Musiktheaterproduktionen der Duisburger Akzente und für zahlreiche Persönlichkeiten der Neuen Musik, darunter Jörg Widmann, Bernhard Wambach, Dorothee Oberlinger und zuletzt für das Amsterdamer Trio "aXolot", das vor Kurzem in der St. Joseph Kirche auf dem Dellplatz ein viel beachtetes Konzert gab. Im kommenden September wird das renommierte Blockflötenensemble auf dem "Platzhirsch"-Festival zu hören sein.

Von 2009 bis 2011 gestaltete Töpp die Bereiche Neue Konzertmusik und Improvisation auf dem Traumzeitfestival. Mit dem damaligen künstlerischen Leiter Tim Isfort, aber auch mit André Meisner, Achim Kämper, Philippe Micol, Stefan Keune, Trilok Gurtu, Angelika Niescier und vielen anderen spielte er in unzähligen musikalischen Formationen. Mit Isfort wird er übrigens am 15. Mai auf dem diesjährigen Moers Festival zu erleben sein.

Seine neue Leidenschaft gilt dem Hörspiel. Unvergessen ist in diesem Zusammenhang seine Hörtheaterproduktion "Vergessene Häfen", die er eigens für die letztjährigen Duisburger Akzente konzipierte, schrieb, komponierte und in Szene setzte. Außergewöhnlich war aber auch die ebenfalls 2015 entstandene musikalische Erzählung "Die Regentrude" nach dem gleichnamigen Kunstmärchen von Theodor Storm, für die Töpp das Konzept lieferte, die Musik schrieb und die Textbearbeitung vornahm. Es war sein erstes Projekt mit Schülern, die mit dem Komponisten zugleich eine CD des Stückes einspielten. Die Premiere fand im Juni vergangenen Jahres an der Waldorfschule in Mülheim an der Ruhr statt. Neben seinem Engagement bei "Platzhirsch" ist Töpp seit geraumer Zeit auch im Ruhrorter Lokal Harmonie aktiv. So war er im letzten Sommer zusammen mit Achim Zepezauer sogenannter Ruhrort-Botschafter beim Festival für aktuelle Musik "Blurred Edges" in Hamburg.

Und demnächst begeben sich er, Rüdiger Eichholtz, Tim Isfort und André Meisner zu einem künstlerischen Gegenbesuch in die Duisburger Partnerstadt nach Vilnius. Im August erst war nämlich von dort das litauische Ensemble "In Albedo" zu Gast in Ruhrort.

Hier gastiert Thorsten Töpp Freitag, 4. März, in der St. Joseph Kirche in der Innenstadt. "Quasi una fantasia" heißt sein dortiges Programm, das die Wechselwirkung von Komposition und Improvisation beleuchtet. Dabei werden Renaissance-Musik, eigene Kompositionen und ein Jazzstück von Ralph Towner aufgeführt.

Quelle: RP
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