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Duisburg
Baborák-Ensemble in Ruhrort beklatscht

Duisburg. So viel Klangschönheit und Spielfreude war in der Haniel-Akademie selten zu erleben. Von Ingo Hoddick

Bei den zwei jährlichen Konzerten, welche die Duisburger Philharmoniker in der Ruhroter Haniel-Akademie veranstalten, gastierten schon viele vorzügliche Musiker. Doch so viel Klangschönheit und Spielfreude wie jetzt beim Baborák-Ensemble waren in diesem Auditorium selten zu erleben.

Der tschechische Weltklassehornist Radek Baborák, Duisburgs "Artist in Residence" (Gastkünstler) der laufenden Spielzeit, hatte drei befreundete Landsleute mitgebracht: Martina Bacová (Violine), Hana Baboráková (Violoncello) und Miroslav Sekera (Klavier). Der Pianist hatte 1984 im zarten Alter von neun Jahren einen Auftritt als kleiner Mozart in dem berühmten Film "Amadeus" des tschechischen Regisseurs Milos Forman, allerdings nur für 13 Sekunden. Auf dem Programm jetzt in Ruhrort standen sechs spannende und hörenswerte Raritäten, die dann auch heftig beklatscht wurden. Die vier Instrumente konzertierten dabei in fünf verschiedenen Kombinationen.

Eine besondere Entdeckung bot an diesem Abend das geistvolle Trio für Horn, Violine und Cello (1949) von Günter Raphael (1903-1960). Als so genannter "Halbjude" erteilten ihm die Nazis Berufsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er nicht mehr an seine glanzvolle Komponistenkarriere anknüpfen. Günter Raphael schlug sich danach durch, unter anderem in Duisburg als Professor am Konservatorium und als Kantor an St. Joseph. Unsere Stadt müsste eigentlich viel mehr zum Ort seiner Wiederentdeckung werden.

Das umfangreichste Werk war jenes Trio B-Dur für Violine, Horn und Klavier, in dem Carl Reinecke mit über 80 Jahren den Geist von Robert Schumann in das frühe 20. Jahrhundert hinüber rettete, als wäre das eine ganz frische Erfindung. Bei Haniel gab es natürlich auch eine Zugabe, in der alle Vier als sechste Kombination dann doch noch zusammen auftraten, mit einem gelungenen Arrangement der pfiffigen "Hommage à Edith Piaf" von Francis Poulenc.

Im nächsten Haniel Akademie-Konzert am 13. Dezember entführt das Harfen-Quartett "Arparlando" in "Winternächte", unter anderem mit romantischen Weisen aus Peter Tschaikowskys Ballett "Der Nussknacker" und Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel".

Quelle: RP
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