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Rp-Aktion Ballettpremiere Mit Scouts
Ballerinen in Wanderstiefeln

Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernimmt ihren erfolgreichen Ballettabend "b.17" mit der Choreographie "7" von Martin Schläpfer auf die siebte Sinfonie von Gustav Mahler in ihr Duisburger Haus. Von Ingo Hoddick und Peter Klucken (Scoutsstimmen)

Gustav Mahler war ein Getriebener, wie seine Frau Alma berichtete: "Oft sagte er: Ich bin dreifach heimatlos: als Böhme unter den Österreichern, als Österreicher unter den Deutschen und als Jude in der ganzen Welt. Überall ist man Eindringling, nirgends ,erwünscht'." In seinen Kompositionen suchte Mahler immer wieder künstlerische Auswege aus seinem Dilemma, am schlüssigsten in seiner 1908 in Prag uraufgeführten Sinfonie Nr. 7 e-Moll. Das ist sein heiterstes und zugleich vielschichtigstes und insofern anspruchsvollstes Werk, mehr ein Zustand als eine Entwicklung, eine Collage welche die ganze Welt umfasst. Drei Nachtstücke, das mittlere ein düsteres Scherzo, werden umrahmt von zwei übertrieben strahlenden Ecksätzen. Es gibt darin viele Märsche und sogar Herdenglocken, aber auch Gitarre und Mandoline.

Martin Schläpfer, erfolgreicher Ballettdirektor der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, machte daraus sein abendfüllendes Ballett "7" und somit dem Ballettabend. "b.17". Fast zwei Jahre nach der Uraufführung in Düsseldorf und kurz nach gefeierten Gastspielen in Moskau und Edinburgh wurde diese Produktion jetzt in das Duisburger Theater übernommen. Schläpfer zeigt Getriebene wie Mahler, weitet aber den Blick auf die ganze Menschheit und ihre Geschichte. Da kommen Existenzen in einer Welt an, die vielleicht eine neue Heimat sein könnte - da muss man nicht erst an die Flüchtlingskrise erinnern. Mahlers Vielfalt wird umgesetzt in eine Fülle kleiner Geschichten. Neben dem Spitzenschuh, Schläppchen und Barfuß tragen die 45 Tänzerinnen und Tänzer hier auch mal Wanderstiefel - weil sie unterwegs sind, aber auch als wollten sie sich fast gewaltsam verwurzeln. Humor und Hoffnung kommen nicht zu kurz, doch es sind eben Einsamkeit, Verlorenheit, Gewalt und Unfreiheit, die dieses Stück grundieren, an seinem Ende wird aus dem Kinderspiel "Reise nach Jerusalem" ein grausames Spiel um Ausgrenzung.

Das muss man erlebt haben, denn es zeigt zwingende Bilder zu einer starken Musik. Endgültig zum Muss wird das Ganze durch die Töne aus dem Orchestergraben, denn der Rheinopern-Kapellmeister Wen-Pin Chien lässt die Duisburger Philharmoniker ihre ganze enorme Mahler-Kompetenz ausspielen, meißelt diese Musik in ihrer ganzen Unerbittlichkeit heraus, lässt sie an den passenden Stellen auch erblühen. Das ist genau und präzise erfasst, nur manche plötzliche Kontraste könnten deutlicher sein und das Scherzo könnte noch etwas tänzerischer klingen.

Die nächsten Vorstellungen sind am 13. September, um 18.30 Uhr, am 19. und 25. September sowie am 10. und 19. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr. Karten unter Tel. 0203 / 283-62 100.

Quelle: RP
 
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