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Duisburg
Bauchtanz in der Dönerbude?

Duisburg. Das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung an der Universität Duisburg-Essen will eine Diskussion über die Kulturangebote für Migranten anstoßen, die von Klischees weg führt. Von Peter Klucken

Kulturelle Angebote für Migranten? Vor dem geistigen Auge steigen da Bilder von "Festen der Kulturen" oder multikulturellen Straßenfesten auf: Türken hinter Dönerständen, trommelnde Afrikaner, Bauchtanz. Eher folkloristische Einlagen, aber mit einem kulturellen Angebot hat das wenig zu tun. Und ältere Migranten werden meist gar nicht berücksichtigt. Eine Diskussion über dieses bislang wenig beachtete Thema innerhalb der Integrationsdebatten will nun das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Universität Duisburg-Essen (UDE) anstoßen.

Dialog auf Augenhöhe

"Es geht schließlich auch um die Anerkennung von Lebensleistungen", erklärt Dr. Ute Pascher vom RISP. Im Impulspapier "Kulturelle Angebote für ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW" fordern die Forscher des RISP einen Dialog auf Augenhöhe, zum Beispiel durch die Einrichtung von Runden Tischen, an denen neben kommunalen auch Migrantenselbstorganisationen Platz nehmen sollen.

In der Öffentlichkeit erschienen Migranten oft nur als Gruppe mit Problemen "Potenziale werden kaum gesehen", so Pascher. Zwar seien Schwierigkeiten vorhanden, mit denen ältere Menschen mit Migrationshintergrund häufiger zu kämpfen haben als andere Senioren. Die Arbeitsbedingungen und der niedrige Lohn als Gastarbeiter führen im Alter oft zu gesundheitlichen Problemen und kleinen Renten. Deshalb gehe es auch um die Finanzierung der Angebote. Dafür müssten Sponsoren gefunden werden, was bei der momentanen wirtschaftlichen Lage nicht einfach sein dürfte.

Lebensleistung anerkennen

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen, die einmal Gastarbeiter beschäftigten und deshalb als erste Ansprechpartner in den Sinn kämen, heute nicht mehr existieren oder in anderen Unternehmen aufgegangen sind. Auch Verständigungsprobleme gibt es. Doch gerade mit kulturellen Angeboten ließen sich diese überwinden. "Man denke nur an Chöre, in denen Lieder in verschiedenen Sprachen gesungen werden können", sagt Pascher. Aber, so die Soziologin, es dürfe nicht nur um Veranstaltungen gehen, bei denen zugewanderte Frauen und Männer mit Einheimischen zusammen kämen. Genauso wichtig seien Angebote von Migranten für Migranten, beispielsweise Dichterlesungen in den jeweiligen Sprachen. "Wenn Veranstaltungen sich nur an Migranten richten, wird das oftmals als Abschottung verurteilt", kritisiert sie.

Es sei wichtig, sich an den Bedürfnissen der älteren Zuwanderer zu orientieren. Dadurch könne den ehemaligen Gastarbeitern Anerkennung ihrer Lebensleistung gezollt werden. "Einem deutschen Senior würden wir ja auch zugestehen, nicht zu einem Hip-Hop-Konzert gehen zu wollen."

Quelle: RP
 
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