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Duisburg
Baumfällen ist auch Frauensache

Duisburg: Baumfällen ist auch Frauensache
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Vor zwei Jahren hat Nadine Gottschalk ihre Ausbildung zur Forstwirtin bei der Stadt Duisburg abgeschlossen. Zusammen mit ihren Kollegen bewirtschaftet sie seitdem über 1400 Hektar Waldgebiet. Von Jan Luhrenberg

Forstwirt in Duisburg zu sein bedeutet viel Arbeit und viel Verantwortung für Bäume und Pflanzen vieler Arten: Rund 2500 Hektar Wald befinden sich innerhalb der Stadtgrenzen. Nadine Gottschalk hat vor zwei Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seitdem als Forstwirtin im Forsthaus Wambachsee an der Sechs-Seen-Platte.

Gottschalk ist gemeinsam mit fünf anderen Mitarbeitern und dem Förster für den Waldbestand im Süden der Stadt verantwortlich. Zu ihrem Gebiet zählen knapp 1450 Hektar städtische Waldflächen, die sechs Prozent des gesamten Stadtgebietes ausmachen. "Wir sind bis an die Stadtgrenze von Moers zuständig", so die 29-jährige Forstwirtin. Ergänzt wird das Forsthaus am Wambachsee von einem zweiten Standort am Rehweg, an dem vier Mitarbeiter für die Bewirtschaftung des nördlichen Waldes sorgen. Die wichtigste Tätigkeit von Gottschalk ist das Fällen von Bäumen - in der Fachsprache "durchforsten" genannt. In einem regelmäßigen Abstand von drei bis fünf Jahren werden Pflanzen und Bäume aus dem Wald entfernt. "So sorgen wir dafür, dass die guten und stabilen Bäume gefördert werden", erklärt die Forstwirtin. "Gleichzeitig wird so die Qualität des Bestandes sichergestellt, so dass auch das Produkt Holz qualitativ hochwertig ist."

Denn die gefällten Bäume sind wichtiger Rohstoff für die Industrie. Nach dem Durchforsten wird das Holz zunächst an Sammelstellen gelagert, bis ein Lkw die Stämme und Äste in die Holzverarbeitung bringt. "Sehr gute Stämme kommen in die Furnierverarbeitung", sagt Gottschalk. "Aus ihnen werden dann große Bretter herausgeschnitten, aus denen Möbel entstehen." Diese hochwertigen Bäume werden einmal im Jahr ausfindig gemacht, und zwar im Januar. Der Winter ist trotz der kalten Temperaturen die Hauptsaison der Forstwirtschaft, speziell der Fällarbeiten. "Solange der Wagen noch durchkommt, fällen wir auch bei Schnee", so die 29-jährige. Die Hauptschlagzeit - die Zeit, in der am meisten Bäume aus dem Wald entfernt werden - ist von Anfang Oktober bis Ende März. "In diesem Zeitraum ist die Vogelschutzzeit vorbei und wir geraten nicht in Gefahr, Nester zu zerstören", so die Forstwirtin.

Im Sommer seien die Temperaturen viel zu heiß, um anstrengende Fällarbeiten durchzuführen. Zu dieser Jahreszeit stehen andere Tätigkeiten auf der Agenda, unter anderem die Jungbestandspflege oder die Gestaltung und Pflege von Wegerändern. Werden Bäume aus dem Wald entfernt, gilt es, Neubestand zu pflanzen. Sonst besteht die Gefahr, dass das anfällige Ökosystem Wald gefährdet wird. Dabei werden immer mehr Bäume oder Pflanzen neu gepflanzt als weggenommen wurden. "Pro gefällten Baum pflanzen wir mindestens drei Neue", sagt die Forstwirtin.

Tote oder ungesunde Bäume werden zudem aus dem Waldgebiet beseitigt. Der schlechte Zustand eines Baumes kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Käferbefall, Frost oder Sturmböen. "Häufig vertrocknen Bäume, da sie an ihrem Standort schlicht nicht überleben können", erklärt Gottschalk.

Auch die Pflege der Pflanzenfläche gehört zum Aufgabengebiet von Nadine Gottschalk. Vor allem entfernt sie Nebenbewuchs, damit Bäume eine größere Überlebenschance haben. Zur Pflege gehört aber auch der Schutz vor Rehwild. So werden bestimmte Waldgebiete eingezäunt. "Einmal im Jahr findet auch eine professionelle Wildjagd statt", so die 29-jährige. "Aber nicht an der Sechs-Seen-Platte. Da ist das Besucheraufkommen zu groß."

Im Vergleich zu anderen städtischen Berufen hat der Forstwirt in den Augen von Gottschalk ein Alleinstellungsmerkmal: "Man arbeitet immer draußen und kann sich körperlich auslasten." Als einzige Frau in Duisburg wünscht sie sich mehr Kolleginnen, die ihrem Vorbild folgen. "Es ist kein reiner Männerberuf mehr", so die 29-jährige. "Wir haben viele Maschinen zur Hand, die uns bei der körperlichen Arbeit helfen." Zwar konnte das Forsthaus schon einige weibliche Praktikanten begrüßen. Aber viele von ihnen entschließen sich im Anschluss für ein Studium der Forstwirtschaft und übernehmen zukünftig die Aufgaben eines Försters.

Quelle: RP
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