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Duisburg
Bazon Brock schult in der Küppersmühle

Duisburg: Bazon Brock schult in der Küppersmühle
Der bekannte Kunstvermittler Bazon Brock "schulte" ebenso redegewandt wie unterhaltsam eine große Besuchergruppe im Museum Küppersmühle. FOTO: andreas probst
Duisburg. "Nicht so rentnern!" Die große Besuchergruppe bewegt sich nur langsam durch das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM), und Bazon Brock (81) treibt zu mehr Aufmerksamkeit. Der bekannte Kunstvermittler macht seit fast 50 Jahren seine "Besucherschule". "Ich begrüße sie als Vertreter der gesamten Menschheit!" Die deutschen Dichter um Novalis forderten um 1800, die Welt zu "romantisieren", das heißt die Grenze zwischen Alltag und Universum aufzuheben, zum Beispiel wenn man in der Suppe rührt und darin die gleichen Strukturen sieht wie die Spiralnebel am Himmel. Das ist laut Bazon Brock der Schlüssel zum Verständnis von Kunst, insbesondere bei dem prominenten österreichischen Künstler Erwin Wurm, dessen Werke das MKM noch bis zum 3. September zeigt. "Dies ist die beste aller Wurm-Ausstellungen", so Brock: "Ich darf das sagen, ich habe sie alle gesehen." Wurm studierte um 1980 bei Brock, und der Lehrer findet seine Aussagen von damals fast wörtlich in der Kunst des Schülers wieder. Zum Beispiel kommentiert er den Hemdsärmel, der an einer Holzwand hängt und in den man durch ein Loch auf der anderen Seite blind hineingreifen kann, mit: "Das ist unsere Achselhöhlenforschung!" Tatsächlich sei in der Renaissance erstmals unter ausgestreckten Armen die menschliche Achselhöhle dargestellt worden.

Der Vorname "Bazon" stammt von Brocks Lateinlehrer, er bedeutet auf Griechisch "Schwätzer". Seine "Besucherschule" bietet eine eigentümliche Mischung aus wertvollen Hinweisen und eitler Selbstdarstellung, zum Glück temperiert mit einer ordentlichen Portion Humor. Kostprobe: "Die Assistenten von Adorno haben alle geraucht wie die Schlote. Ich sagte zu einem: ,Wieso rauchen Sie als Philosoph noch? Sie können so viele Zigaretten rauchen, wie Sie wollen - nur eine nicht, die nächste! 'Da hat er sofort damit aufgehört."

Am Ende fragte sich eine Besucherin: "Ist er nun ein Scharlatan oder nicht?" Ihr Begleiter fragte zurück: "Der Wurm oder der Brock?"

(hod)
 
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