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Duisburg
Bei Abgaben nicht wettbewerbsfähig

Duisburg: Bei Abgaben nicht wettbewerbsfähig
Der Sprecher der regionalen Wirtschaft, Heinz Lison (M), Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz (l. ) und Matthias Heidmeier, Geschäftsführer Kommunikation (r.), stellten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor. FOTO: Unternehmerverband
Duisburg. Unternehmen sind zwar überwiegend mit der konjunkturellen Entwicklung zufrieden. Zugleich aber gibt es eine Investitionsschwäche, die dem nötigen Wachstum entgegenwirkt.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände des Ruhrgebiets sowie des hiesigen Unternehmerverbandes, an der insgesamt 300 Unternehmen aus der Region, darunter 86 Mitgliedsunternehmen des Unternehmerverbandes, teilgenommen haben, zeigt "Licht und Schatten". Geschäftslage und Geschäftserwartungen sind zwar grundsätzlich positiv, doch die mangelnde wirtschaftliche Dynamik der Region bereitet den Unternehmern zunehmend Sorge.

"Der große Wehrmutstropfen sind die zu geringen Investitionen. Sie gehen sogar zurück. Damit stagniert die Region und vor allem die Arbeitslosigkeit", erläutert der Sprecher der regionalen Wirtschaft des Unternehmerverbandes, Heinz Lison. Die Wachstumsschwäche des Ruhrgebiets sei vor allem eine Investitionsschwäche. "Wir brauchen eine Willkommenskultur für Investitionen", so Lison.

Die Arbeitslosigkeit sei in der Region deswegen nach wie vor viel zu hoch (aktuell in Duisburg: 12,9 Prozent, Oberhausen 11,3, Mülheim 8,3 und Kreis Wesel 7). "So lange die Arbeitslosigkeit bei uns so ist wie sie ist, werden wir die wirtschaftliche Lage insgesamt nicht als gut bezeichnen können", erklärt Lison. Er weist darauf hin, dass die Unternehmen trotzdem ihre Anstrengungen auf dem Arbeitsmarkt weiter intensivieren. "Die Zahlen zeigen, dass unsere Mitgliedsunternehmen Beschäftigung aufbauen."

Auch wenn 65 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als befriedigend bzw. gleichbleibend gut bezeichnen: Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage 2015 haben sich alle abgefragten Parameter verschlechtert. "Nicht viel, aber die positiven Rückmeldungen gehen zurück. Das sind natürlich keine guten Signale", sagt Lison. Ihn treibt vor allem um, dass die Metall- und Elektroindustrie der Gesamtwirtschaft weiter hinterherhinkt. "Alle zurückgemeldeten Parameter wie Geschäftslage, Umsätze, Erträge, Investitionen und Auftragslage stagnieren oder sind sogar zurückgegangen." Bei den Konjunkturprognosen überwiegen branchenübergreifend bei fast allen Parametern die Positivmeldungen: 67 Prozent der befragten Unternehmen rechnen für die nächsten sechs Monate mit gleichbleibend guten oder besseren Geschäften. Gleiches gilt für Umsatz- und Ertragserwartungen sowie Inlands-Aufträge. Impulse aus dem Ausland erwarten dagegen nur 49 Prozent der Unternehmen. Auch die Investitionsneigung der Unternehmen stagniert, 17 Prozent der Unternehmen müssen sich sogar einschränken.

Deutlich pessimistischer sind die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie: Nur 42 Prozent rechnen mit allgemein besseren oder gleichbleibend guten Geschäften. Impulse werden auch nicht durch steigende Auftragszahlen aus dem In- oder Ausland erwartet. Dementsprechend fallen auch die Prognosen für Erträge und Umsätze aus, hier dominieren die Negativrückmeldungen.

Stabil günstig bleiben die Perspektiven für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Gesamtwirtschaft. In der Metall- und Elektroindustrie bleibt der Beschäftigungssaldo von Ab- bzw. Aufbau dagegen leicht im Minus. "Seit 2011 rutscht die Metall- und Elektroindustrie im Ruhrgebiet einer Krise immer näher. Während die Gesamtwirtschaft immer noch im befriedigenden Bereich liegt, bleibt in der M+E Industrie die Hoffnung, dass endlich eine Bodenbildung erreicht ist", sagt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Insbesondere die Industrie brauche deswegen mehr Rückenwind von der Politik. "Wer glaubt, dass Industrie etwas von gestern sei, der täuscht sich gewaltig. Die moderne Industrie hat Zukunft. Sie muss aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen am Standort vorfinden", sagt Schmitz. Dazu gehöre zu allererst ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Ruhrgebiet. Es schrecke Investoren ab, dass sich das Ruhrgebiet nach wie vor nicht als Metropolregion begreife. Das Kirchturmdenken sei immer noch nicht überwunden. "Keine Ruhrgebiets-Kommune kann ihre Probleme alleine lösen. Die Politik muss endlich aufwachen", so Heinz Lison. Nicht wettbewerbsfähig sei die Region bei der Steuer- und Abgabenlast, die bundesweit am höchsten sei. Auch die Ausweisung neuer Flächen für die Industrie sei unzureichend.

Die Hochschulen der Region seien ein Pfund für die Zukunft.

Quelle: RP
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