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Duisburg
Beide Kirchen gegen Fremdenhass

Duisburg: Beide Kirchen gegen Fremdenhass
Stadtdechant Bernhard Lücking (links) und Superintendent Armin Schneider stellten gestern die Aktion vor. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Heute starten die evangelische und die katholische Kirche in Duisburg gemeinsam eine Plakataktion, mit der "Flagge und Gesicht gegen Fremdenfeindlichkeit" gezeigt werden soll. Von Peter Klucken

In zahlreichen kirchlichen und städtischen Einrichtungen sowie in Duisburger Industrieunternehmen werden heute Plakate aufgehängt. Auf der linken Seite sieht man Fotos von 16 Menschen aus Duisburg, auf der rechten Plakatseite stehen die Sätze: "Gottes Wort lehrt Nächstenliebe, nicht Hass. Wir sind MitMenschen. Christinnen und Christen zeigen Gesicht gegen Fremdenfeindlichkeit. Eine Aktion der evangelischen und katholischen Kirche in der Stadt Duisburg." Gestern stellten Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, und Pfarrer Bernhard Lücking, Stadtdechant der Katholischen Kirche Duisburg, die Aktion vor.

Die Idee, in Duisburg die Flagge gegen Fremdenhass zu hissen, wurde am Abend des 18. Mai "geboren". Damals hatte die katholische Stadtkirche zu ihrem traditionellen Jahresempfang eingeladen. Als Gastredner sprach der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, was durchaus als Zeichen der Ökumene und als Schulterschluss der Christen gemeint war. Pistorius stellte an dem Abend eine tags zuvor gestartete Kampagne der evangelischen Kirche im Rheinland vor: "Wir sind Mitmenschen. Christen zeigen Gesicht gegen Fremdenfeindlichkeit".

Beim inoffiziellen Teil des Abends kamen die Pfarrer Lücking und Schneider ins Gespräch. Dabei wurde gemeinsam "beschlossen", dass man die Kampagne der evangelischen Kirche im Rheinland als ökumenische Aktion in der Stadt Duisburg durchführen soll.

Im Laufe der kommenden Wochen wurde die Aktion konkretisiert. Gezielt wurden Duisburger aus unterschiedlichen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Medien, Kultur, Sport, Kirche, Caritas und Diakonie) gefragt, ob sie bereit seien, Name und Gesicht zu zeigen, um so ein Signal gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. "Nicht ein einziger, den wir gefragt haben, hat sich geweigert", hieß es gestern beim Pressegespräch.

Unter den 16 auf dem Plakat abgebildeten Menschen, ist beispielsweise Dr. Elke Bartels, die Duisburger Polizeipräsidentin. Rolf Schotsch, Pressereferent der evangelischen Kirche, bekam von ihr das Zitat: "Unser Nächster ist jeder Mensch, besonders der, der unsere Hilfe braucht." Stephan Kiepe-Fahrenholz vom Diakonischen Werk Duisburg sagt: "Keiner ist überall heimisch. Jeder ist irgendwo fremd. Wo ich mich fremd fühle, brauche ich andere, die mir freundlich begegnen und mir helfen. Das gilt natürlich auch umgekehrt." Und Daniel Wörmann, Vorsitzender des Katholikenrats Duisburg, wird mit den Worten zitiert: "Es ist wichtig, dass wir als Kirche und Gesellschaft uns aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit positionieren und jeder einzelne mit Namen und Gesicht deutlich macht, dass wir Fremdenfeindlichkeit und -hass nicht akzeptieren."

Superintendent Schneider wies gestern darauf hin, dass in der Bibel stets der gütige Umgang mit den Schwächsten der Gesellschaft, den Waisen, Witwen und Fremden, als positiv hervorgehoben wird. Schneider: "Vor Fremdenhass und dumpfen Stammtischparolen ducken wir uns nicht weg, sondern wir setzen ihnen unsere Argumente, unseren Glauben, unsere Menschlichkeit entgegen." Stadtdechant Lücking sagte: "Ich bin der Rheinischen Landeskirche sehr dankbar für die Aktion 'Wir sind MitMenschen'. So können wir in ökumenischer Einmütigkeit zeigen: Wir nehmen das Evangelium ernst und betrachten das Wort Jesu 'Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen' nicht als frommen Spruch, sondern wollen es auch im Alltag leben." An der Plakataktion kann sich jeder online beteiligen. Unter der Internetadresse "wirsindmitmenschen.de" kann man sein Foto hochladen und seine Beweggründe nennen, sich an der Aktion zu beteiligen.

Quelle: RP
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