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Duisburg
Bernie Kuhnt jagt jetzt Autodiebe

Duisburg: Bernie Kuhnt jagt jetzt Autodiebe
Egal ob Porsche oder Lkw - das "Seculog" macht das Aufspüren gestohlener Fahrzeuge schnell möglich. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Der frühere Kripobeamte und TV-Star ("Niedrig & Kuhnt") hat mit seiner Firma Ikom ein technisches System entwickelt, dass Autodieben das Leben schwermachen soll. Von Hildegard Chudobba

Der ehemalige Duisburger Kriminalbeamte Bernie Kuhnt hat durch die Fernsehserie "Niedrig&Kuhnt" - mit mehr als 2000 Folgen - Berühmtheit erlangt. Gerade hat er 15 Folgen für ein neues Format mit dem Titel "Jugendcops" abgedreht. Doch zum Redaktionsgespräch bringt der Großenbaumer, der schon lange nicht mehr bei der Polizei arbeitet, eine ganz andere Nachricht mit. "Ich komme gerade aus Venlo, wo wir einen Range Rover sichergestellt haben." Sichergestellt? Das hat die niederländische Polizei auf seinen Hinweis übernommen. Und "wir", das ist Kuhnts Firma Ikom (Investigative Kommunikation) mit der Autodiebstahlsicherung Seculog. "Wir haben damit eine Trefferquote von 100 Prozent", sagt Kuhnt.

Entwickelt hat es ein Niederländer, den Kuhnt in seiner Zeit als Kripobeamter kennengelernt hatte. Und weil trotz des Wechsels ins Fernsehgeschäft immer noch ein Polizistenherz in Kuhnts Brust schlägt, war der Duisburger sofort von der Technik und ihren Einsatzmöglichkeiten gegen Kriminelle begeistert. Auch seinen Privatwagen, einen alten Porsche, hat er damit ausgestattet und führt Interessierten bereitwillig vor, wie das Gerät von der Größe eines Schokoriegels funktioniert.

Der Kunde, der sich dafür entscheidet, legt das kleine Kästchen irgendwo versteckt im Auto ab. "Das schon mal anders als bei Überwachungssystemen von Autoherstellern. Die werden vom Computer je nach Wagentyp immer an der gleichen Stelle eingebaut. Und das wissen auch die Autodiebe", sagt Kuhnt. Anders sei auch, "dass sich das Gerät nicht orten lässt. Es sendet nur einmal am Tag für eine Sekunde ein Signal. Es ist außerdem autark und nicht an die Autoelektronik angeschlossen. Dadurch können es die Diebe nicht einmal finden, wenn sie mit einem Scanner danach suchen, was durchaus üblich ist." Wird nun ein Wagen mit Seculok an Bord geklaut, "können wir das Signal über drei unterschiedliche Frequenzen orten und verkürzen dabei die Signaldichte so lange, bis wir ganz sicher sind, wo der Wagen steht. Wir arbeiten uns bis auf zwei Meter an ihn ran."

Und das funktioniert? "Wir haben eine Trefferquote von 100 Prozent", behauptet Kuhnt und verweist auf den gerade wiedergefundenen Range Rover, der in Rotterdam gestohlen worden war. "Wir haben einen Kunden in Süddeutschland, der Wohnmobile verkauft". erzählt er. Zehn Fahrzeuge habe er mit dem Aufspürgerät ausgerüstet. Als ihm ein Teil der Flotte vom Gelände gestohlen wurde, war darunter auch eines der gesicherten Mobile, "das wir kurz drauf in Nizza aufgespürt haben", so Kuhnt. "Weil uns der Kunde mitgeteilt hatte, wo genau das Gerät versteckt ist, gab es auch gar keinen Zweifel daran, dass es sich um die gesuchten Wohnmobile handelt."

Denn die Diebe hatten zwischenzeitlich die Neufahrzeuge auf alt getrimmt und schon alle Kennziffern entfernt. Und weil er gerade so schön ins Plaudern gekommen ist, warnt der schauspielende Ex-Kripomann auch vor einer neuen Masche, die sich Autodiebe haben einfallen lassen. "Bei teuren, werksseitig vor Einbruch gesicherten Autos schlagen sie die Fahrerscheibe ein und kopieren innerhalb von Sekunden die gesamten elektronischen Daten, die Autowerkstätten auslesen, wenn eine Reparatur nötig ist." Dass der Alarm läuft, störe die Diebe nicht. "Denn bis jemand kommt, sind die längst über alle Berge.

Der Autobesitzer sehe nur, dass das Fenster kaputt ist, freue sich, dass nichts fehlt und lasse den Wagen reparieren. Tage später kehrten die Diebe dann zurück und würden mittels des nachgemachten und mit den geklauten Daten codierten Schlüssels das Auto klauen.

Für die Zeitschrift "Autobild" ließ Kuhnt mal in Hamburg ein mit "Seculog" gesichertes Auto klauen, "das wir dann wenige Stunden später im Hafengebiet in einem Container wiedergefunden haben. Selbst da funktionieren die Geräte." Und auch Tiefgaragen und Parkhäuser seien bei der Ortung kein Problem. Zwischenzeitlich würden sich schon große Versicherungen interessieren, weil für sie der zunehmende Autodiebstahl ein teures Geschäft ist.

Und was zahlt der Kunde für diese Sicherheit? Das Gerät gibt es für 300 Euro, hinzu kommt eine monatliche Gebühr von knapp zehn Euro für die tägliche Standortmeldung aufs Handy oder auf den PC. Weil die kleinen Kästchen nur einmal am Tag für eine Sekunde eine Nachricht an den Besitzer senden, halten die Akkus nach Aussage von Kuhnt acht Jahre.

"Die Sicherheitstechnik nutzen inzwischen auch schon viele Spediteure für ihre Lkw." Denn geklaut wird bekanntlich, was für die Diebe interessant und lukrativ ist. (Wer mehr wissen will, kann sich auf der Internetseite seculog.de informieren.)

Derzeit arbeitet Bernie Kuhnt übrigens an einem Verfahren, mit dem Häuser und Wohnungen vor Einbrechern gesichert werden können. Denn irgendwie steckt eben immer noch ein Stück Polizist in dem Schauspieler.

Quelle: RP
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