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Duisburg
Besserer Schutz für die Rettungskräfte

Duisburg: Besserer Schutz für die Rettungskräfte
Im Gespräch (von links): Valentino Tagliafierro, Hannelore Kraft, Sören Link und Christian Umbach. FOTO: REICHWEIN
Duisburg. "Woche des Respekts": Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte gestern die Feuer- und Rettungswache in Duissern. Oberbürgermeister Link versprach "null Toleranz" gegenüber solchen, die Uniformträger attackieren. Von Peter Klucken

Eigentlich müssten alle dankbar und froh sein, wenn die Rettungskräfte anrücken, um Menschen in Not zu helfen, Feuer zu löschen oder schlimmere Schäden zu verhindern. Leider ist das oft nicht so. Das berichteten gestern die beiden Feuerwehrmänner Valentino Tagliafierro (Vorsitzender des Personalrats) und Christian Umbach (stellvertretender Leiter der Duisburger Feuerwehr) beim Besuch von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in der Feuer- und Rettungswache an der Wintgensstraße in Duissern.

Immer wieder kommt es vor, so die beiden Feuerwehrleute, dass sie bei Rettungseinsätzen gestoßen, beleidigt und sogar bespuckt würden. Und manchmal geschehe sogar noch Schlimmeres. Entsetzt waren die Duisburger Feuerwehrleute, als sie vor kurzem von einem Düsseldorfer Kollegen hörten, der bei einem Einsatz bewusstlos getreten wurde. Auch in Duisburg gab es schon üble Vorkommnisse. Valentino Tagliafierro berichtete von einer Messerattacke auf einen seiner Kollegen. Er hatte einen Mann medizinisch erstversorgt, der bei einer Schlägerei schwer verletzt wurde. Einer der Schläger sah es offenbar nicht gerne, dass sein Opfer behandelt wurde und griff den Rettungssanitäter mit dem Messer an. Er verletzte ihn zum Glück nur leicht, weil andere Sanitäter den Angreifer festhalten konnten. "Beleidigungen müssen wir einfach einstecken, wenn wir im Einsatz sind. Aber sie sind dennoch kränkend", gestand Christian Umbach. Er findet es schrecklich, dass einige Zeugen bei Unfällen und Bränden mit unverhohlener Freude mit ihren Smartphones die Rettungsszenen filmen. Berufsfotografen, die für seriöse Medien arbeiten, bestätigen die Beobachtungen der Feuerwehrleute. Grinsend und filmend passierten einige Autofahrer Unfallstellen.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nahm sich Zeit, den Rettungskräften zuzuhören. Eine knappe Stunde redete sie zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link ohne Beisein der Presse mit den Feuerwehrleuten. Die zeigten sich im Anschluss zufrieden mit der Gesprächsatmosphäre.

Kraft erläuterte ihre Gesetzesinitiative, wonach Angriffe auf Rettungskräfte künftig strafverstärkend geahndet werden sollen. Auch die Initiative, dass die öffentliche Hand Schmerzensgeld für angegriffene Rettungskräfte bezahlt, wenn die Straftäter dazu finanziell nicht in der Lage sind, gefällt den Duisburger Rettungskräften. Oberbürgermeister Sören Link sagte, dass er sich dafür einsetze, null Toleranz gegenüber solchen zu zeigen, die Rettungskräfte in irgendeiner Weise attackieren. "Ich will unmissverständlich klarmachen, dass wir an der Seite der Uniformträger stehen; wir werden jedes Fehlverhalten zur Anzeige bringen", sagte Link. Das gelte nicht nur für die Berufsfeuerwehr, sondern auch für die Freiwillige Feuerwehr.

"In der Gesellschaft ist etwas verrutscht", meinte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Um diese Schieflage zu korrigieren, sei die "Woche des Respekts" ausgerufen worden, in deren Rahmen sie zurzeit unterwegs ist. "Wir wollen die Öffentlichkeit auf das Problem der Respektlosigkeit aufmerksam machen", sagte sie.

Bei den Duisburger Rettungskräften werden die Mitarbeiter mittlerweile besonders geschult, beispielsweise mit Deeskalationstrainings. "Es wäre der falsche Weg, wenn wir uns mit Pfefferspray oder anderen Waffen ausstatten würden", sagte Umbach gestern. Statt dessen müssten er und seine Kollegen die Situation genau im Auge haben, um gegebenenfalls Polizisten als Schutz anzufordern. In Duisburg würden die Rettungskräfte ausdrücklich dazu ermuntert, Meldebögen auszufüllen, wenn sie bei Einsätzen beleidigt oder gar angegriffen würden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt wurde gestern angesprochen: die interkulturelle Kompetenz. Gerade in einer Stadt wie Duisburg, in der viele Flüchtlinge und Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben, sei es wichtig, Unterschiede beim Verhalten in Notsituationen und auch vermeintlichen Notsituationen zu kennen. Zur interkulturellen Kompetenz gehöre aber nicht nur die Schulung von Rettungskräften, vielmehr müsse auch in den Integrationskursen für Flüchtlinge klar gemacht werden, wie Rettungskräfte hier arbeiten und wie man ihnen das Helfen leicht machen kann.

Quelle: RP
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