| 00.00 Uhr

Duisburg
Bienen im Schatten der Hochöfen

Duisburg: Bienen im Schatten der Hochöfen
Hobbyimker Uwe Erichsen prüft ein Magazin aus einem seiner Bienenstöcke bei ThyssenKrupp Steel Europe. Pro Bienenvolk sind bis zu 40 Kilogramm Honig drin. FOTO: ThyssenKrupp Steel Europe
Duisburg. Uwe Erichsen arbeitet bei ThyssenKrupp Steel Europe als IT-Techniker. Doch auch in der Freizeit hält er sich auf dem Werksgelände auf. Denn dort stehen seine Bienenstöcke mit mehr als 200.000 Tieren.

Für die Bienen hat der Jahreszyklus gerade begonnen. Im August schlüpfen die Winterbienen, die den Honig für die kalte Jahreszeit einlagern, um den Grundstock für eine neue Bienengeneration zu legen. Auch bei den fünf auf dem Werkgelände von ThyssenKrupp Steel Europe aufgestellten Bienenstöcken hat diese Phase gerade begonnen. Das größte Hüttenwerk Deutschlands scheint in dieser Enklave aus dichtem Grün, Bäumen und Sträuchern weit entfernt: mittendrin ein schlichter Verschlag, aus dem ein geschäftiges Summen zu hören ist. Darin viele Tausend fleißige Bienchen, bis zu 200.000, aufgeteilt in fünf Völker. Sie finden hier optimale Bedingungen: Das riesige Werkgelände von ThyssenKrupp Steel Europe bietet in den Randbereichen zahlreiche kleinere abgeschiedene Oasen. Die Bienen finden dort Areale mit vielen unterschiedlichen Pflanzenarten, die ihnen Nahrung geben.

Unter der fachkundigen Pflege eines leidenschaftlichen Hobbyimkers gedeihen die Bienen bei ThyssenKrupp Steel Europe prächtig. Der Herr der Bienen heißt Uwe Erichsen. Der 55-jährige IT-Techniker aus Duisburg kam vor fünf Jahren über einen Bekannten zur Imkerei.

Fleißige Bienen bei der Honigproduktion. FOTO: Rainer KAYSERS

"Ich war sofort fasziniert und habe mich ziemlich schnell entschieden, die Bienenzucht auch zu meinem Hobby zu machen. Auf der Suche nach geeigneten Plätzen in der Umgebung ergab sich die Gelegenheit, das Werkgelände von ThyssenKrupp Steel Europe zu nutzen. Ich habe hier zwei Plätze an Randlagen gefunden, an denen meine Bienenvölker ungestört sind und viele blühende Pflanzen in der Umgebung finden."

Durchschnittlich ein bis zweimal pro Woche kümmert sich Erichsen um seine Bienenstöcke. Vor allem im Frühjahr und im Sommer fällt viel Arbeit an. Der Duisburger kontrolliert dann regelmäßig, ob seine Völker und deren Königinnen in gutem Zustand sind. Dazu müssen die Kästen geöffnet und die senkrecht eingebrachten Waben geprüft werden.

Wenn die Honigernte ansteht - zwei bis dreimal pro Jahr - werden die mit Honig befüllten Waben entnommen. "Im August stand die letzte Honigernte des Jahres an. Ich muss dann die entnommene Nahrung durch Zuckersirup ersetzen, damit die Winterbienen genügend Kraft für die nächsten Monate sammeln können", erläutert Erichsen. Immer wieder ist er beeindruckt, zu welchen Höchstleistungen die kleinen Nutztiere fähig sind: "Allein um 500 Gramm Honig zu produzieren, fliegt eine Biene eine Strecke von rund 75.000 Kilometern - fast zweimal um die Erde."

Zwar steht die Honigproduktion für Erichsen nicht im Vordergrund, er verfolgt mit seinem Hobby keine kommerziellen Interessen. Aber der Ertrag ist reichlich: Pro Bienenvolk können es schon zwischen 20 und 40 Kilogramm Honig in einer Saison werden - einige Hundert Gläser. Das sei dann für den Hausgebrauch doch zu viel, räumt Erichsen sein: Also wird viel verschenkt und ein bisschen verkauft. Bienen sind unverzichtbar für ein stabiles Ökosystem Der Duisburger weist noch auf einen Punkt hin, der weithin unbekannt ist: Bienen sind nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier. Allein in Deutschland ergibt sich durch sie eine Wirtschaftsleistung von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Dies liegt daran, dass über 80 Prozent der heimischen Nutzpflanzen - neben Hummeln und Wildbienen - vor allem auf Honigbienen als Bestäuber angewiesen sind. Ohne Bienen kein Obst, lautet die schlichte Formel.

Gute Lebensbedingungen finden Bienen in städtischen Randlagen, in denen durch Gärten, Parks, ländliche Gebiete und industrielle Brachen ein breites und über das Jahr verteiltes Angebot blühender Pflanzen existiert. Monokulturen sind für Bienen dagegen eine Gefahr. Ruhige, naturbelassene Areale, wie sie auch bei ThyssenKrupp Steel Europe zu finden sind, sind daher geradezu ideal: "Die Bienenstöcke stehen auf dem Werkgelände und sind so geschützt", erläutert Erichsen, "und durch ihren Flugradius von ungefähr zwei Kilometern können die Bienen auch die benachbarten Gärten nutzen. Für mich ist das hier etwas Besonderes, gerade als Duisburger, im Schatten der Hochöfen meine Bienenzucht zu betreiben."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Bienen im Schatten der Hochöfen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.