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Duisburg
Bienen sind mehr als nur Honiglieferanten

Duisburg: Bienen sind mehr als nur Honiglieferanten
Wolfgang Neiß vor dem Wildbienen-Hotel in Rumeln-Kaldenhausen. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. Die schwarz-gelben Honigproduzenten werden oft gefürchtet und nicht selten unterschätzt. Doch Bienen sind vielseitig, gefährlich eher nicht. Von Carolin Skiba

Wer dieser Tage einer dunklen Wolke begegnet, obwohl der Wetterdienst Sonne vorhergesagt hat, braucht sich nicht zu wundern. Es könnten Bienen sein, auf der Suche nach einem neuen Domizil. "Ein wahres Naturschauspiel", sagt Wolfgang Neiß, zweiter Vorsitzender des Kreisimkerverbands Duisburg. Angst haben müsse man vor dem Bienenschwarm keine, die Tiere seien in friedlicher Mission unterwegs. "Sie hatten in ihrem bisherigen Bienenstock nicht genug zu tun, also teilt sich das Volk automatisch." Dennoch, wer auf einen Schwarm treffe, der sich früher oder später an einem Ast im Baum niederlässt, sollte einen Imker rufen, sagt Neiß. Denn nur so hätten die Bienen eine Chance zu überleben.

Bienen zu retten, das ist auch die Intention, die hinter Neiß' Engagement für die fleißigen Tiere steckt. Mit einem Zeitungsartikel über Bienen hat vor zwei Jahren alles angefangen. "Darin wurde die Situation der Honigbienen in Europa geschildert, die nicht besonders hoffnungsvoll ist", sagt der Imker. Immer mehr Bienenvölker sterben Jahr für Jahr. Als Hauptgrund sieht Neiß die aus Asien stammende Varroamilbe, die seit den 70er Jahren ihr Unwesen in Europa treibt. "Sie vernichtet die Brut und vermehrt sich", sagt Neiß. Die emsige und relativ sanftmütige Biene sei nach Asien importiert und irgendwann auch wieder nach Europa reimportiert worden - mit der Milbe als ungebetenem Gast im "Gepäck".

Während die asiatischen Bienen sich gegen die Milbe durchsetzen können, sind die europäischen Artgenossen auf die fachkundige Hilfe von Imkern angewiesen. "Das hat mich begeistert, ich wusste, das ist etwas, wo ich mich einbringen will", sagt der 66-Jährige, der seit vier Jahren in Rente ist - und eben seit zwei Jahren begeisterter Bienenfreund. "Da hat man einen Bienenstock von 50.000 Bienen, und jede weiß, was sie zu tun hat. Diese Tiere sind einfach nur erstaunlich." Und wichtig. Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern - die Tiere bestäuben rund 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen. "Wenn das wegfällt, hat das existenzielle Auswirkungen", sagt Neiß. "Weltweit sorgen die Tiere mit ihrer Bestäubungsleistung für eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr", sagt Neiß und fügt hinzu: "Die Biene ist das dritt wichtigste Nutztier. Wenn nicht mehr genügend Exemplare zum Bestäuben da sind, könnte es viele Menschen das Leben kosten, weil weniger Obst, Gemüse und Getreide geerntet würde." Ein guter Grund, die Bienen zu schützen, denn nach Aussage des Imkers ist der Bestand der Bienen schon extrem gesunken. "Im Jahr 1915 gab es noch etwa 2,5 Millionen Bienen, nun sind es gerade noch 750.000 Stück." Freie Bienenvölker gebe es kaum noch.

Darum freue sich der Imkerverband über neue Mitglieder. Imker werden sei nicht sonderlich kompliziert, sagt Neiß. Ein bisschen investieren müsse man aber schon. 50 Euro koste ein Bienenvolk. Hinzu kommt noch ein Bienenstock und einige andere Utensilien. Am wichtigsten sei aber Interesse, sich das umfangreiche Wissen anzueignen. Der produzierte Honig sei als Belohnung zu verstehen, denn vom Verkauf könne man als Hobby-Imker nicht leben. "Aber der Honig motiviert einen. Zudem ist er ein kleines Wundermittel. Hilft gegen vieles, hat eine antibakterielle Wirkung und enthält viele Nährstoffe. Jedenfalls der natürliche Honig vom Imker." Entgegen der Meinung einiger Tierschützer sei das Imkern keine Ausbeutung der Tiere. Neiß: "Ein gesundes Bienenvolk produziert etwa 30 Kilo, die wir ernten können. Die eigentliche Menge sind aber rund 300 Kilo, nur futtern die Bienen den größten Teil selbst."

Der Honig werde aus einem Vorrat entnommen und durch eine Futteralternative ersetzt. Wenn man Neiß von seinem Hobby erzählen hört, wird schnell klar, dass er nur Gutes im Sinn hat. Darum bittet er auch alle, die in diesen Tagen eine schwarze, summende "Wolke" sehen, sich bei der Feuerwehr zu melden - nicht etwa aus Angst, sondern damit die Tiere vom Fachmann in ein neues Quartier gebracht und umsorgt werden können.

Quelle: RP
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