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Duisburg
Bilder als Spiegel der Gesellschaft

Duisburg. Margot Käßmann predigte gestern in der voll-besetzten Salvatorkirche und erläuterte, wie heutzutage Kameras als Waffe eingesetzt werden. Von Volker Poley

Im Rahmen der Lutherdekade - 2017 jährt sich der Anschlag der Thesen in Wittenberg zum 500. Mal - und in Verbindung mit der aktuell laufenden Ausstellung "Reformation in Königsberg und im Herzogtum Preußen" (im "Museum Stadt Königsberg") fand in der vollbesetzten Salvatorkirche am Sonntag ein festlicher Gottesdienst statt. Maßgeblich zu dem großen Besucherandrang bei trug sicherlich Margot Käßmann, deren Predigt im Zentrum des Gottesdienstes stand. Die ehemalige EKD-Ratspräsidentin war als "Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017" zu Gast. Die Gestaltung des Gottesdienstes lag in den Händen von Museumsleiter Lorenz Grimoni, ehemaliger Pfarrer, Superintendent Armin Schneider und der Kantorei der Salvatorkirche mit dem Continuo-Ensemble. Lorenz Grimoni erinnerte daran, dass Königsberg und das Herzogtum Preußen ein wichtiger Ort für die Reformation waren. Martin Luther und Philip Melanchthon, die treibenden Kräfte der Reformation, wurden in der Kant-Stadt Königsberg hoch verehrt, erläuterte der langjährige Leiter des "Museums Stadt Königsberg". Er erinnerte auch daran, dass damals in Ostpreußen viele evangelische Flüchtlinge aus katholischen Gebieten aufgenommen wurden.

Margot Käßmann stellte in ihrer Predigt das biblische Bildnisverbot "Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen..." in den Mittelpunkt. Klar sei nach wie vor, dass Bilder "nie zu Götzen werden dürfen", allerdings gab es, gerade in früheren Zeiten, das Bedürfnis, Religion auch über Bilder verstehen zu können, so Käßmann. Sie sprach über Ikonen, die in Russland angebetet werden, erwähnte die Bilderstürmer und schlug den Bogen in die heutige Zeit.

Dass Bilder viel über den Zustand einer Gesellschaft aussagen, machte Käßmann am Beispiel der täglich im Mittelpunkt der Nachrichtensendungen stehenden Berichterstattungen über die Entwicklung des DAX deutlich und stellte die Frage: "Wäre nicht wichtiger, zu erwähnen, wie viele Kinder an dem Tag in unserem Land geboren wurden?" Die Theologin sprach über aktuelle Bilder, die einen "nachts nicht schlafen lassen", wie das des toten syrischen Jungen am Strand. Sie sprach aber auch von Fotos, die der IS von seinen Hinrichtungen medienwirksam in die ganze Welt schickt und damit auf grausame Art ihre Stärke demonstrieren will. Das sei ein "Krieg der Bilder", bei dem die "Kameras als Waffen benutzt werden."

Lorenz Grimoni gab nach Rückfrage an, dass OB Sören Link sowie Kulturdezernent Thomas Krützberg zwar eingeladen waren, aus terminlichen Gründen allerdings abgesagt hätten. Alt-OB Jupp Krings, der auf "eine langjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit Museumsleiter Lorenz Grimoni" in seiner Amtszeit zurückblickt, war es somit vorbehalten, die Stadt Duisburg zu vertreten.

Quelle: RP
 
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