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Duisburg
Bilderbuchhafte Nostalgie in "Der Rosenkavalier"

Duisburg. "Da geht er hin, der aufgeblas'ne schlechte Kerl, und kriegt das hübsche junge Ding und einen Pinkel Geld dazu", ärgert sich die Feldmarschallin über ihren Vetter, den Baron Ochs von Lerchenau. Er will die hübsche Sophie heiraten, die Tochter des Herrn von Faninal, die sich allerdings bei der Brautwerbung prompt in den Rosenkavalier Octavian verliebt. Den hat die Feldmarschallin gerade aus ihrem Schlafzimmer verabschiedet, weil sie zu der lebensklugen Einsicht gekommen ist, dass ihrer beider "Sach' ein End hat". Von Ingo Hoddick

Der Komponist Richard Strauss und der Dichter Hugo von Hofmannsthal haben aus diesem "Quid pro quo" 1911 eine "Komödie für Musik in drei Aufzügen" geschaffen, die zu einem Abgesang auf die alte Welt wurde - einer Welt, wie sie nie war und nie wieder sein würde. Otto Schenk, Jahrgang 1930 und langjähriger Hausregisseur der Wiener Staatsoper, hat den "Rosenkavalier" vor 35 Jahren an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg mit einer bilderbuchhaften Nostalgie inszeniert, die noch heute die Zeit als ein "sonderbar' Ding" vergessen lässt.

Jetzt war diese opulente Produktion erstmals seit fast zehn Jahren wieder im Duisburger Theater zu erleben. Die fast 30 Rollen sind hier vorzüglich besetzt, überwiegend mit Ensemblemitgliedern. Beinahe an die Wand gespielt und gesungen werden sie von Thorsten Grümbel als Ochs, perfekt passend als Grobian mit balsamischer Stimme, die seine menschliche Tiefe beglaubigt. Den größten Eindruck hinterlassen dann aber doch Linda Watson als Feldmarschallin, Anna Virovlansky als Sophie und vor allem Katarzyna Kuncio als Octavian. Auch sie begnügen sich nicht mit beachtlicher Stimmschönheit, sie loten auch die psychologischen und emotionalen Dimensionen ihrer Partien aus.

Sehr schön gelingt der Übergang von den Solisten über die Nebenrollen in den von Christoph Kurig einstudierten Chor der Rheinoper und weiter den in Duisburg ansässigen Kinderchor am Rhein, einstudiert von Sabina López Miguez, der hier erstmals im "Rosenkavalier" auftrat. Als Dirigent hält Rheinopern-Generalmusikdirektor Axel Kober erfolgreich die Klammer über die reizvolle Doppelgesichtigkeit der komplexen Partitur: zwischen Spätromantik und Neoklassizismus, zwischen Rokoko und Walzer, zwischen Kantilene und Tumult. Die Duisburger Philharmoniker halten die Spannung der matt leuchtenden Orchesterfarben bemerkenswert durchsichtig.

Die Vorstellung dauert viereinhalb Stunden, dazu gehören zwei je halbstündige Pausen. Das kann man in Duisburg jetzt noch zweimal erleben: am Samstag, 21. Mai, und am Sonntag, 29. Mai, jeweils um 18.30 Uhr. Karten gibt es am einfachsten unter Telefon 0203 / 940 77 77.

Quelle: RP
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