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Abgeschobene Schülerin aus Duisburg
Bivsi bangt um gemeinsames Leben mit ihren Eltern

Abgeschobene Schülerin aus Duisburg: Bivsi bangt um gemeinsames Leben mit ihren Eltern
Die 15-Jährige Bivsi (Archivbild) FOTO: rana
Duisburg. An ihr neues Leben in Nepal hat sich Bivsi noch nicht gewöhnt. Die Schülerin, die zusammen mit ihren Eltern nach Nepal abgeschoben wurde, vermisst ihre Freundinnen und hofft weiterhin auf eine Rückkehr nach Duisburg. Notfalls auch ohne ihre Eltern.

Für Bivsi hat ein neues Leben begonnen. Die 15-Jährige lebt mit ihren Eltern bei einer Tante in einem Vorort von Pokhara, einem Domizil für Trekkingtouristen, die Touren im Himalaya machen möchten. Wirklich angekommen ist Bivsi in ihrem neuen Zuhause aber noch nicht. Sie hofft weiterhin, mit ihren Eltern nach Duisburg zurückkehren zu können. Das erzählt das Mädchen einem Reporter-Team der WDR-Lokalzeit, das Bivsi in Nepal besucht hat. Die Reporter überbringen dem Mädchen drei Briefe von Freundinnen aus der 9 d des Steinbart-Gymnasiums in Duisburg. "Ich vermisse sie so sehr", schluchzt Bivsi.

Vor rund zwei Wochen wurde Bivsi aus dem Unterricht geholt und nach Nepal abgeschoben. Die Schülerin des Steinbart-Gymnasiums ist in Deutschland geboren. Die Abschiebung kam auch für den Schulleiter überraschend. Die Eltern hatten vor knapp 20 Jahren bei der Einreise nach Deutschland falsche Angaben zu ihrer Identität gemacht. Der Vater von Bivsi teilte der Duisburger Ausländerbehörde im Jahr 2012 mit, dass er anders heiße, als er bei seiner Einreise 1998 angegeben hatte. Er habe aus Angst vor Verfolgung in Nepal eine falsche Identität genannt. Die Art und Weise der Abschiebung sorgte für Entrüstung unter Mitschülern, Lehrern und Eltern. Mit einer Online-Petition und einer Demonstration protestierten sie gegen die Abschiebung. Am Dienstag beschäftigt sich der Petitionsausschuss des NRW-Landtages mit dem Thema.

1000 demonstrieren in Duisburg für Bivsi

Der WDR-Beitrag zeigt, dass Bivsi mit dem neuen Leben am Rande der nepalesischen Touristenhochburg fremdelt. Vieles ist demnach gewöhnungsbedürftig, etwa das Klima. Derzeit ist Regenzeit, die Temperaturen liegen bei über 30 Grad Celsius, es ist drückend schwül. Das ist für ihre Eltern ungewohnt, die zuletzt 20 Jahre in Deutschland lebten. Aber erst recht für Bivsi selbst, die vorher noch nie in der Heimat ihrer Eltern war. Die Aussicht vom Phewa-See auf die Bergkulisse des Annapurna-Massivs gefällt ihr. "Schön hier", sagt sie. "Aber ich will zurück nach Hause."

Den WDR-Reportern erzählt sie auch von sprachlichen Problemen. Bivsi und ihre Eltern sprechen Magar, in der Schule wird aber Nepali gesprochen. "Das verstehe ich zwar ein bisschen, aber es reicht nicht für die Schule", sagt Bivisi. Zudem fehlten Zeugnisse aus Deutschland, die die Lehrer dort unbedingt sehen möchten. Die Dokumente seien vor zwei Wochen wegen der hektischen Abschiebung in Duisburg liegengeblieben.

Demonstration in Duisburg für Bivsi Rana FOTO: Christoph Reichwein

Kommunikation ist auch auf anderen Ebene schwieriger geworden. Ins Internet kommt Bivsi nicht mehr so leicht wie früher. Da ihre Tante keinen Internetzugang hat, muss sie in ein Internetcafé gehen. Dort verfolgt sie dann die Berichterstattung über ihren Fall. Zum Beispiel den Demonstrationszug von hunderten Schülern durch die Duisburger Innenstadt. Beim Anblick der "Bring Bivsi back"-Schilder bricht Bivsi in Tränen aus. Ähnlich wie beim Thema Rückkehr. Die Angst bei der 15-Jährigen ist groß, dass nur sie, aber nicht ihre Eltern nach Duisburg zurück dürfen. Aber wenn es gar nicht anders geht, würde sie es machen, sagt sie den Reportern, während ihre Mutter sich weinend umdreht.

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