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Duisburg
Bombe gefunden und entschärft

Duisburg: Bombe gefunden und entschärft
Oben: Für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gab es gestern in Wanheimerort viel zu tun. Unten: Sowohl die A 59 (links) als auch einige innerstädtische Straßen mussten vorübergehend gesperrt werden. FOTO: crei
Duisburg. Am Vogelsangplatz in Wanheimerort wurde gestern eine Bombe gefunden, die am Abend noch entschärft wurde. 1660 Menschen mussten währenddessen ihre Wohnungen verlassen, auch die A59 war betroffen. Von Peter Klucken

Schon wieder wurde gestern eine Bombe auf Duisburger Stadtgebiet gefunden. Diesmal geschah das aber nicht, wie in den meisten Fällen sonst, bei Bauarbeiten für ein größeres Projekt, bei dem große Erdmassen bewegt werden, sondern bei privaten Grabungsarbeiten mit einem kleinen Bagger in einem Garten am Vogelsangplatz in Wanheimerort. Dort ist der Hauseigentümer dabei, eine Terrasse anzulegen.

FOTO: Christoph Reichwein

Mit einem Bombenfund an dieser Stelle war nicht zu rechnen, da bislang nicht bekannt war, dass es dort während des Zweiten Weltkriegs zu größeren Bombenabwürfen gekommen ist. Ziel der Bombenangriffe waren in Duisburg meist Industrieanlagen. Vermutet wird, dass die Bombe eigentlich die einige Hundert Meter weit entfernt liegenden Bahngleise treffen sollte, diese aber verfehlte.

Die Fachleute, die gestern die Bombe in Augenschein nahmen, kamen zu dem Schluss, dass diese noch am selben Tag vom Kampfmittelräumdienst entschärft werden muss. Damit das geschehen konnte, wurde um den Bombenfund, wie es stets gehandhabt wird, eine Evakuierungszone definiert. Das heißt, dass alle Menschen in einem Umkreis von 250 Metern während der Entschärfung ihre Wohnungen verlassen müssen. Da das betroffene Areal ein beliebtes Wohngebiet ist, mussten vergleichsweise viele Menschen gezwungenermaßen bis spätestens 17 Uhr einen Ort jenseits dieser Zone aufsuchen. Nach Angaben der Stadt leben 1660 Personen in der Evakuierungszone.

FOTO: Christoph Reichwein

Damit alle Betroffenen rechtzeitig von den Evakuierungs- und Sicherheitsmaßnahmen informiert werden konnten, waren gestern 74 Mitarbeiter des Ordnungsamtes speziell mit dem Bombenfund beschäftigt. Ab den Mittagsstunden gingen die Mitarbeiter von Haus zu Haus, schellten an, sprachen persönlich mit den Bewohnern und verteilten Informationszettel. Je weiter die Stunden vorrückten, desto häufiger trafen sie auf Anwohner, die bereits Bescheid wussten: entweder über die Warnapp "NINA", die auch von der Stadt Duisburg genutzt wird, oder von Freunden und Bekannten. "Die Mund-zu-Mund-Propaganda kommt unseren Mitarbeitern sehr zugute", sagte gestern ein Sprecher der Stadt.

Die meisten Anwohner der Evakuierungszone nahmen die Verfügungen des Ordnungsamts gelassen hin. Winfried Dollhausen, der schon früh vom Bombenfund in seiner Nachbarschaft erfahren hatte, nahm die angeordnete Evakuierung zum Anlass, zusammen mit seiner Frau einen verlängerten Kaffeebesuch bei seiner Verwandtschaft in Buchholz zu unternehmen. Sicherheitshalber ließen die Dollhausens die Rolläden an den Fenstern herunter.

Auch Gabriele Adrian, die ebenfalls in der Evakuierungszone wohnt, ließ sich durch den Bombenfund nicht ängstigen. Sie wollte ohnehin einen Krankenhausbesuch machen und nahm sich vor, diesen etwas später anzutreten, dafür aber länger im Bethesda zu bleiben. Auf die Frage, ob sie Sorge habe, dass etwas passieren könnte, antwortete sie mit Humor: "Bloß nicht, ich habe gerade geputzt." In der Evakuierungszone befinden sich zwei Kindergärten, die rechtzeitig geschlossen wurden. Auch die Stadtautobahn A 59 war betroffen. Sie war gestern ab 17.30 Uhr zwischen Wanheimerort und Großenbaum gesperrt. Als Ausweichstrecke diente während dieser Zeit die Düsseldorfer Straße. In der Sicherheitszone, in der die Menschen aufgefordert wurden, in ihren Häusern bei geschlossenen Fenstern zu bleiben, befindet sich ein Seniorenheim. Bis zum Nachmittag musste die Feuerwehr 21 Krankentransporte aus der Evakuierungszone organisieren. Deshalb verzögerte sich der Beginn der Entschärfung am frühen Abend.

Die meisten fanden in Duisburg auf eigene Faust einen sicheren Aufenthaltsort. Wer wollte, konnte als Evakuierungsraum die Örtlichkeiten der evangelischen Gemeinde Wanheimerort auf der Paul-Gerhardt-Straße in Wanheimerort nutzen. Um 18.54 Uhr gab es dann Entwarnung: Die Experten hatten den Sprengkörper entschärft. Alle Sperrungen wurden wieder aufgehoben.

Quelle: RP
 
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