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Duisburg
Bordell zum Schnäppchenpreis
Duisburg: Bordell zum Schnäppchenpreis
Das Duisburger Rotlichtviertel. Dort wurde ein Mann überfallen und ausgeraubt. FOTO: Andreas Probst, RP
Ein Objekt der „besonderen Art“ in bester Lage steht in Duisburg für knapp 300.000 Euro zum Verkauf: Das Eroscenter im Rotlichtviertel. Der Verkäufer empfiehlt, die Immobilie als Bordell oder Dominastudio zu nutzen. Von Christian Schwerdtfeger

Eigentlich wollte Hans-Peter Bruns nur nach einem schönen Reihenhaus mit Garten in ruhiger Lage und netter Nachbarschaft für sich und seine Familie suchen, als er auf einer Internetseite für Immobilien in die Suchmaske die Kriterien 120 Quadratmeter, Duisburg und Altstadt eingibt. Doch als nach wenigen Sekunden die Ergebnisse für seine Anfrage angezeigt werden, glaubt der 34-jährige Familienvater zunächst an einen Scherz. „Eroscenter im Duisburger Rotlichtviertel zu verkaufen“ steht da als erstes Objekt mit Bild, Lageplan und Grundriss ganz oben auf der Liste. „Ich dachte, da hätte sich jemand einen Spaß erlaubt. Man hört ja viel in letzter Zeit von Hackerangriffen und so.“ Aber es ist kein Scherz, stellt sich schnell heraus.

„Lukratives Objekt“

Das „besondere Gebäude“ im Duisburger Rotlichtviertel wird von einem gewissen Bernd K. zum Kaufpreis von 289 000 Euro angeboten. 14 Zimmer auf fünf Etagen, Dachterrasse, der Boden verlegt mit Laminat und Fliesen, Wärmedämmung und frisch gestrichener Fassade – und das ganze in bester Citylage. Als Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude werden ganz unverhohlen Tabledance, Sexshop, Dominastudio und gewerbliche Zimmervermietung aufgeführt – womit nichts anderes gemeint sein dürfte als Prostitution.

Die Duisburger Polizei möchte sich dazu nicht näher äußern, räumt aber ein, „insgesamt keine Ahnung von den Verkaufspraktiken in diesem Gewerbe zu haben“, so ein Polizeisprecher. Allerdings sei es ungewöhnlich, dass so ein „lukratives Objekt“ in der Szene zum Verkauf angeboten wird. Frauen können in solchen Häusern in der Regel Zimmer anmieten und dann dem horizontalen Gewerbe nachgehen.

1400 Euro Mieteinnahmen pro Tag

 „Die marktübliche Miete für ein Zimmer liegt zwischen 90 und 100 Euro am Tag“, steht in der Objektbeschreibung – was in diesem Fall bei einem ausgelasteten Haus 1400 Euro am Tag an Einnahmen verspricht. Momentan sei das angebotene Eroscenter noch für 3300 Euro im Monat vermietet, heißt es in der Anzeige. Zudem bestünde die Möglichkeit, das Gebäude umzubauen, um noch mehr Zimmer (Damen) unterbringen zu können. „Es wäre auch möglich, das umgewandelte Objekt an einen Betreiber (weiter) zu vermieten. Die marktübliche Miete liegt hier bei 7000 Euro bis 8000 Euro pro Monat.“

Eine „positiv beschiedene Bauvoranfrage für das Objekt zur gewerblichen Zimmervermietung“ würde bereits vorliegen. Eine Besichtigung für mögliche Interessenten sei jederzeit möglich. Duisburgs „sündige Meile“, die aus drei zusammenhängenden Straßen besteht, gilt als eines der größten Rotlichtviertel in Nordrhein-Westfalen.

Das käufliche Gewerbe in Duisburg soll sich fest in der Hand von Motorradclubs befinden, heißt es. So haben die „Bandidos“ dort mit dem Lokal „Fat Mexican“ auch ihren Vereinssitz. Nach den tödlichen Schüssen auf ein „Bandido-Mitglied“ im Herbst 2009 lieferten sich die miteinander verfeindeten Rockerclubs „Bandidos“ und „Hells Angels“ vor einem Eroscenter eine wilde Massenschlägerei. Seitdem zeigt die Polizei dort erhöhte Präsenz.

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