| 00.00 Uhr

Duisburg
Büdchentour auf kulturellen Wegen

Duisburg: Büdchentour auf kulturellen Wegen
Schön blau: Das Büdchen an der Amtsgerichtsstraße in Ruhrort. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Am kommenden Samstag ist "Tag der Trinkhallen". Doch wer sind die Besitzer, die ihre Läden in bunte Schauplätze umwandeln? Wir stellen zwei Teilnehmer der Aktion von "Ruhrtourismus" vor. Von Lara Duyster

Passend vor den Tabakwaren und Süßigkeiten wurden gestern sieben Teilnehmer des "Trinkhallenfeiertages" in der Metro in Kaßlerfeld präsentiert. "Es ist mehr ein Meet&Greet, und keine übliche Konferenz", erklärt Nina Dolezych, Pressesprecherin des Ruhrtourismus. Alles solle gemütlich und in persönlicher Atmosphäre vonstatten gehen. "Wir wollten eine Veranstaltung arrangieren, die typisch für das Ruhrgebiet ist. Das Thema Kiosk bewegt in Jedem von uns etwas, es erinnert an die Kindheit", so Dolezych. Dem Thema "Kiosk" entsprechend ist auch das Programmheft gestaltet. Wie ein typisches Stickerheft designt, kann man beim Besuch der beteiligten Büdchen 85 Klebemotive erhalten, sammeln und tauschen.

Das "Blaue Büdchen" an der Amtsgerichtstraße in Ruhrort hat schon über 100 Jahre auf dem Buckel. Die 1905 gebaute Trinkhalle bleibt ihrem Namen treu und ist seit ihrem Gründungstag in der Farbe Blau gehalten. Das robuste Häuschen hat den Bombenhagel 1940 und den Sturm Kyrill 2006 überlebt. Besitzer Philipp Eckershof kann sich wohl als jüngster Kioskbesitzer Deutschlands bezeichnen. Der Anglistikstudent ist gerade einmal 24 Jahre alt und mit vollem Herzen dabei. Vor knapp einem Jahr habe er lediglich einen Nebenjob gesucht, so Eckershoff. Er habe dann das Büdchen von seinem Nachbarn übernommen, der nach drei Jahren aufhörte. "Die Drei ist eine heilige Zahl", so der Student. "Viele geben den Laden nach dieser Zeit ab." Bis jetzt läuft es jedoch sehr gut für den 24-Jährigen. "Es ist viel mehr als nur verkaufen", schwärmt Eckershoff. Das Büdchen habe einen Gemeinschaftscharakter und sei ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt. "Man weiß über die ganze Nachbarschaft Bescheid.", witzelt er. Ob sein Studium unter dem Kiosk leidet? Eckershoff schmunzelt. Er lasse sich ja hin und wieder am Campus blicken. Es scheint, als hätte er den perfekten Minijob für sich gefunden.

Nahe der Innenstadt an der Johanniterstraße hat Birgit Fuchs "ihre" Verkaufshalle. Die Besitzerin und Namensgeberin arbeitet seit 15 Jahren in dem Kiosk und geht immer noch jeden Morgen mit Freude ans Werk. "Bei uns kann man alles bestellen", so die Duisburgerin. "Von CD's bis Bücher. Wir haben alles". Ihre zahlreichen Stammkunden vertrauen der Budenbesitzerin so einiges an. Neben Einkäufen, habe so mancher Kunde schon sein Kind für ein paar Stunden bei ihr "geparkt", erzählt Fuchs. Man kenne sich, man vertraue sich. Die Trinkhalle an der Johanniterstraße 135 überzeugt nicht nur mit ihren 1000 verkauften Brötchen die Woche, sondern auch mit der Leidenschaft und Großherzigkeit der Besitzerin.

Das "Kuki" an der Harmoniestraße ist neben seinem Marktcafé (mit Original Currywurst) auch als Event Kiosk bekannt. Das Kultkiosk bietet Treffpunkt für verschiedene Gruppen- vom Schlipsträger bis Punk: Das Kuki passt sich dem Kreativquartier Ruhrohrt an.

Der Shop2Go an der Fabrikstraße bietet zwar keine Süßigkeiten oder Chips an, geht jedoch ganz nach dem Motto "Non-Food-Sortiment". Die beliebte Bude, die von allen Altersklassen besucht wird, bietet eine großen Auswahl von Telefonkarten, Handyzubehör oder Haushaltswaren an.

Rosi's Stübchen auf der Münzstraße kommt dem typischen "Tante Emma-Laden" sehr nah. Dreimal täglich werden Brötchen und Kuchen gebacken. Auf die Frische wird sehr viel Wert gelegt. Man kommt nicht nur, um sich kurz Zigaretten zu kaufen. Man kommt, um zu bleiben. Rosis Frikadellen gelten als Duisburgs Geheimtipp.

Dirk Scholz' Trinkhalle an der Düsseldorfer Straße kommt Menschen mit kleinem Einkommen sehr entgegen. Der Kaffee wird ihnen zum halben Preis verkauft. Der Doppel-Donnerstag ist bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Sie bekommen Süßes und Saures an diesem Tag zum halben Preis.

Diese und noch 43 andere Buden aus Duisburg werden am 20. August zu außergewöhnlichen Schauplätzen für Musik, Literatur, Poetry Slam und vieles mehr. Das genaue Programm ist nicht nur in gedruckter Version zu haben, sondern auch online unter: info@tagdertrinkhallen.ruhr

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Büdchentour auf kulturellen Wegen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.