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300 Jahre Duisburger Hafen
China wird aufs Gleis gesetzt

300 Jahre Duisburger Hafen: China wird aufs Gleis gesetzt
Die erste Ankunft eines Zuges aus China wurde groß gefeiert (großes Bild). FOTO: Duisport (2)/Christoph Reichwein
Duisburg. Mit den Zügen, die alle zwei Wochen duisport ansteuern, kommen ebenso elektronische Bauteile wie Weihnachtsengel aus Keramik hier an. Die Inhalte werden von hier aus über ganz Europa weiterverteilt. Von Hildegard Chudobba

Thomas Kargl hat sich die lange Reise selbst noch nie angetan, dabei weiß er über den "Chinazug" vermutlich mehr als alle anderen. Er ist Chief Executive Officer (CEO), also Vorstandschef von "Far East Land Bridge Ltd.", dem Unternehmen, das Woche für Woche Waren aus dem fernöstlichen Reich nach Duisburg bringen lässt und umgekehrt. In Deutschland ist duisport für den Österreicher dabei die erste Adresse.

Der so genannte "Chinazug" ist nicht nur für die Ruhrorter Hafengesellschaft von großer Bedeutung. 2014 kam bekanntlich der chinesische Ministerpräsident persönlich vorbei, um einen der Züge aus seiner Heimat hier in Empfang zu nehmen. Der von den Chinesen "Yuxinou" genannte Zug fährt in die chinesische Millionenmetropole Chongqing und wird häufig mit der früheren "Seidenstraße" zwischen Fernost und Europa verglichen.

Für Thomas Kargl unterstreicht diese Schienenverbindung die Bedeutung des größten Binnenhafens der Welt und die Weitsicht, mit der duisport-Chef Erich Staake sein Unternehmen leitet. Denn Waren in Containern per Zug über die rund 11.000 Kilometer lange Strecke zu transportieren - das sei wesentlich günstiger als mit dem Flugzeug und schneller als mit dem Schiff. Zudem verfüge der Duisburger Hafen über die komplette Infrastruktur, um die Zwischenlagerung und den Weitertransport quer durch Europa zu organisieren und abzuwickeln. So muss jeder der Container aus Fernost zum Beispiel durch den Zoll. Sie müssen versiegelt gelagert werden, bis sie zum endgültigen Empfänger geschickt werden können. Sie müssen Untersuchungen durchlaufen, damit zum Beispiel keine "blinden Passagiere" oder unerwünschte Waren, ins Land gelangen. Und die zum Großteil wertvolle Fracht muss zudem in Duisburg so geschützt zwischengelagert werden, dass kein Dieb an sie herankommt. Alles das funktioniert bei duisport bestens, so die Erfahrungen von Kargl.

Der 44-Jährige hat sein Geschäft in seiner Heimat bei der österreichschen Bahn gelernt und sich vor einigen Jahren mit "Far East Land Bridge" auf das China-Geschäft konzentriert, weil er von dem Bedarf überzeugt war. Mit einem Zug pro Monat, der Rohstoffe nach Österreich lieferte, ging es 2007 los. Inzwischen ist allein zwischen Duisburg und China jede Woche ein Zug unterwegs. Kargl ist überzeugt, dass es in Kürze drei Züge pro Woche sein werden und bald sogar eine tägliche Verbindung bestehen wird.

Von duisport ist er so begeistert, dass er vor kurzem in der Hauptverwaltung in Ruhrort mit einer großen Kundengruppe zusammentraf, um den Teilnehmern zusammen mit duisport-Mitarbeitern den Hafen und dessen Leistungsfähigkeit zu demonstrieren.

Zu ihnen gehörten vor allem Logistiker, die Waren aus China innerhalb Europas "verteilen". In den durchschnittlich 40 Containern, die jeder der Züge innerhalb von zwei Wochen quer durch China und die ehemalige Sowjetunion nach Europa (und nach Duisburg) zieht, können sich ebenso hochwertige elektronische Artikel befinden wie große Einheiten von Keramikengeln fürs Weihnachtsgeschäft. Auch Bauteile für die Autoindustrie finden sich in den Containern, die in Duisburg ankommen. In Gegenrichtung transportiert die deutsche Wirtschaft mit dem China-Zug alles, was auf dem dortigen riesigen Markt gefragt ist - von Konsumgütern bis zu fertigen Autos made in Germany.

Quelle: RP
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