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Duisburg
ChorWerk Ruhr mal ganz besinnlich

Duisburg. Der 1999 gegründete Chor des Ruhrgebiets gastierte unter der Leitung des niederländischen Gastdirigenten Klaas Stok mit seinem Projekt Nr. 84 "Vom Himmel hoch..." in der Salvatorkirche. Von Ingo Hoddick

Der Anspruch ist immer sehr hoch beim ChorWerk Ruhr. Der 1999 gegründete Chor des Ruhrgebiets bot auch bei seinem Projekt Nr. 84 "Vom Himmel hoch..." erstklassige Musik in sehr guter Aufführung. Das Programm war ein Beweis dafür, dass auch und gerade zu Weihnachten viel geschmackssichere und tiefgründige Kompositionen geschaffen wurden, wobei dieser reine a-cappella-Abend mal ganz besinnlich wirkte.

Jetzt beim Gastspiel in der gut gefüllten Duisburger Salvatorkirche - zwischen den Auftritten in der Essener Zeche Zollverein und der Bochumer Christuskirche - ging das vom Anfang des 17. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts, wobei sich die Werke ab dem 19. Jahrhundert vielfach auf die musikalische Vergangenheit bezogen.

Der Bogen spannte sich von dem doppelchörigen "O magnum mysterium" von Giovanni Gabrieli (1557-1612), hier aus den Seitenschiffen links und rechts vom Publikum gesungen, fast wie von den Emporen von San Marco in Venedig, bis zu "Lux autumque" von dem 1970 geborenen Amerikaner Eric Whitacre, vor fünf Jahren Gegenstand seines Internet-Chores mit 185 Choristen aus zwölf Ländern, beziehungsweise dem "O magnum mysterium" des dänisch-amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen, Jahrgang 1943. Eindrucksvoll wirkte zum Beispiel die Liedkantate "O Heiland, reiß die Himmel auf" von Johannes Brahms, die sich immer weiter von dem bekannten Ursprung entfernt.

Großartig das doppelchörige "Es ist ein Ros entsprungen" von dem 1954 geborenen Schweden Jan Sandström, das den beliebten, hier wie in Zeitlupe gedehnten Liedsatz von Michael Praetorius (1571-1621) mit einer sanft dissonierenden Aura umgibt. Dieses Verfahren rege "unbeschadet seiner frappierenden Simplizität zum Nachdenken" an, meinte Michael Wersin im Programmheft: "Was sagt uns das alte marianische Rätsellied, das Christi Menschwerdung auf Basis der Messias-Prophezeiungen des Jesaja und zudem durch die Brille der Bibelübersetzung des Hieronymus beleuchtet, heute noch?

Kann es aus dem klanglich evozierten Nebel längst verflossener Tage heraus noch eine prägnante Botschaft in unsere Gegenwart transportieren, oder vermittelt es nur noch das unbestimmte Wohlgefühl einer diffusen, naiv-ehrfüchtigen Religiosität aus unseren eigenen Kindertagen?"

24 Sängerinnen und Sänger waren nicht zuviel für die kammermusikalischeren Sätze und nicht zuwenig für die größeren Asubrüche. Der niederländische Gastdirigent Klaas Stok setzte fast ganz auf die gesangstechnische Perfektion und den ebenso klaren wie spirituellen, eben wahrhaft weihnachtlichen Klang. Nur manchmal hätte die Artikulation und Phrasierung etwas deutlicher sein können.

Quelle: RP
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