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Duisburg
Damit Babys nicht getötet werden

Duisburg: Damit Babys nicht getötet werden
FOTO: Hohl, Ralf (hohl)
Duisburg. Die vertrauliche Geburt soll Kindstötungen vermeiden. Die einzige, die die Identität der Mutter kennen muss, ist die Beraterin. Das Kind kommt in eine Pflegefamilie und kann die leibliche Mutter im Alter von 16 Jahren kontaktieren. Von Lena Köhnlein

Es sind solche Fälle, die immer wieder aufschrecken: Eine Frau wirft ihr Neugeborenes aus dem Fenster. Zuvor hatte sie das Kind heimlich auf der Toilette der Eltern zur Welt gebracht. Kurz darauf ist das hilflose Wesen tot.

Kindstötung: etwa aus Verzweiflung, Angst oder Gewalt - manche Frauen, die ungewollt schwanger sind, wissen nicht, wem sie sich anvertrauen können, bekommen ihr Kind alleine zuhause und bringen es im besten Fall anschließend zur Babyklappe. Dabei gibt es Schwangerschaftsberaterinnen wie Iris Jares, von der evangelischen Beratungsstelle in Hamborn. Ihr können die Frauen vertrauen. Und das müssen sie auch im Fall der sogenannten vertraulichen Geburt. Durch das 2014 eingeführte Gesetz können Frauen, ihr Kind anonym und in einem medizinisch geschützten Umfeld zur Welt bringen und es anschließend zur Adoption freigeben.

Links: Iris Jares von der Evangelischen Beratungsstelle in Hamborn hilft bei allen Fragen zur vertraulichen Geburt. Diese Form der Entbindung ist allemal besser als eine unbegleitete Geburt, bei der der Säugling anschließend in der Babyklappe landet (rechts). FOTO: Christoph Reichwein/Archiv

Um die vertrauliche Geburt durchzuführen, müssen die Schwangeren der Beraterin nur ein einziges Mal ihren richtigen Namen nennen - er kommt in einen Herkunftsnachweis - und dürfen anschließend ein Pseudonym wählen. "Ab dann wird die Frau nur noch mit ihrem Pseudonym angesprochen und beraten", so Jares, die seit 2001 Frauen berät. Falls die Frau das Kind doch behalten möchte, gehe das nur, wenn sie ihren Namen nennen. Die Frauen würden aus allen sozialen Schichten und Altersklassen kommen. Nur eines hätten die Schwangeren gemeinsam: "Sie befinden sich in einer psychischen Ausnahmesituation. Sie spüren Druck von ihrem sozialen Umfeld, manchmal erleben sie auch Gewalt und haben Angst, sich zu öffnen - den Partnern, Familie und Arbeitgebern gegenüber", sagt Jares. Deshalb würden die Frauen in ihrer Anonymität bleiben wollen.

Im Unterschied zur anonymen Geburt, bei der die Frauen niemandem ihren Namen sagen, ist die vertrauliche Variante rechtlich und medizinisch geschützt: Das Krankenhaus bekommt die Kosten erstattet, auch eine medizinische Vor- und Nachsorge wird gewährleistet. Ebenso kann das Kind im Alter von 16 Jahren den Kontakt zur Mutter suchen, indem es den Herkunftsnachweis abholt. Aufklärung sei für Adoptivkinder sehr wichtig, betont Iris Jares. Denn zu wissen, wo die eigenen Wurzeln liegen, sei für die Entwicklung grundlegend.

Die vertrauliche Geburt gibt es erst seit dem 1. Mai 2014. Noch bis 2017 befindet sich das Gesetz vom Ministerium für Familie in der Evaluationsphase. Am Sana Klinikum wurden bisher erst zwei Fälle der Vertraulichen Geburt verzeichnet. Ob damit wirklich Kindstötungen vermieden werden? "Ich habe noch nicht das Gefühl, dass es wirklich von Erfolg gekrönt war", sagt Florian Sinai, Leitender Oberarzt. Ein Hauptproblem sieht er darin, dass betroffene Frauen nicht unbedingt in die Informationswege eingebunden seien, in der sie von der Möglichkeit dieser Geburtshilfe erfahren. Eine anonyme Geburt hat der Mediziner in den 15 Jahren, in denen er praktiziert, noch gar nicht erlebt.

Kostenlose Infos gibt es beim Hilfetelefon "Schwanger in Not" 08004040020 oder unter www.schwanger-und-viele-fragen.de im Internet.

Quelle: RP
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