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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Das "Gespenst von Meiderich"

Duisburg. Auf dem Gelände des Landschaftsparks an der Lösorter Straße 115 erinnert heute nichts mehr an den ehemaligen Buschmannshof. Der Bauernsohn Arnt Buschmann hatte hier vor fast 600 Jahren eine unheimliche Begegnung ... Von Harald Küst

In der Duisburger Lokalgeschichte findet sich ein interessantes Kapitel, das auf einen in Vergessenheit geratenden Schauplatz aufmerksam macht und zugleich ein Licht auf den mittelalterlichen (Aber-)Glauben wirft.

Die Sage in Kurzform: Dem Bauernsohn Arnt vom Buschmannshof erscheint 1437 sein verstorbener Urgroßvater in Gestalt eines wolfsähnlichen Hundes, der heulend auf ihn zukam, als ob er ihn zerfleischen wollte, aber wie ein geschundener Mensch stöhnte, wenn Arnt in seiner Angst und Not das Zeichen des heiligen Kreuzes machte. Über Monate geht diese unheimliche Begegnung, bis Arnt den Geist auf Anraten des Meidericher Pastors beschwört. Der Hund verwandelt sich und sagte: "Ich bin dein Urgroßvater und habe gesündigt - tu' Gutes, dann kann ich erlöst werden". In der Folge spukt es gewaltig im Buschmannshof und Arnt erfährt in den Begegnungen mit dem Urgroßvater, dass dieser wegen zu Lebzeiten begangener Missetaten keine Ruhe finden kann. Im Verlauf der Geschichte tauchen noch eine Meidericher Hexe, der Teufel, "Weiße Frauen" und andere Kreaturen auf. Ausführlich berichtet der Geist, was nach dem Tod mit den Seelen geschieht. Letztendlich gibt es ein glückliches Ende: Nachdem Arnt für seinen Urgroßvater Buße in Form von Messen, Bittfahrten und guten Werken getan hat, verschwindet der Geist für immer. Die Seele hat Erlösung gefunden.

Tatsächlich ist das Mirakel vom Buschmannshof mehr als eine Schauergeschichte - sie bietet uns die Möglichkeit, den mittelalterlichen Glauben und die Gefühlswelt der Menschen besser zu verstehen. Das Leben nach dem Tod wird in der mittelalterlichen Vorstellung als Fortsetzung der im Diesseits begonnenen Existenz verstanden. Der verstorbene Urgroßvater war danach weiter Mitglied der Familie; er brauchte die Hilfe und Unterstützung der Lebenden, da Tote Verfehlungen während ihrer Erdentage nicht selbst ausgleichen konnten. Die Toten bedürfen danach des erinnernden Gedenkens durch die Lebenden, um nicht ewiger Vergessenheit und Verdammnis anheimzufallen. Das Mirakel des Arnt Buschmann steht somit in einer mittelalterlichen Erzähltradition, die eine belehrende christliche Botschaft mit schaurigen Aspekten verknüpft. Die enge Verbindung zwischen Bußpraxis und Fegefeuer (Purgatorium) spiegelt das religiöse Empfinden der Bevölkerung im Mittelalter anschaulich und spannend wider. Die Idee vom reinigenden Fegefeuer vertiefte sich im Spätmittelalter. Der imaginäre Ort stellte für die Menschen eine beängstigend reale Bedrohung dar. Der "Strafvollzug im Jenseits" konnte nur durch Almosengeben, das Stiften von Seelenmessen und Wallfahrten und anderes mehr verkürzt werden. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war der Ablasshandel streng geregelt, nur bestimmte Sündenstrafen konnten durch Geld und keinesfalls ohne tätige Reue erlassen werden. Der ehemalige Buschmannshofs bestand bereits seit dem 13. Jahrhundert, der Hof war gegenüber der Abtei Hamborn abgabepflichtig. Die im Bericht genannte Person des »Pastors« bezieht sich auf die ehemalige St. Georgs-Kirche, der heutigen evangelischen Kirche, Auf dem Damm 6. Arnt Buschmann lernte im Prämonstratenserkloster nach der erschütternden Begegnung Lesen und Schreiben und dokumentierte mit Hilfe eines Geistlichen seine (parapsychologischen) Erlebnisse in lateinischer Sprache. Seine Aufzeichnungen fanden großes Interesse. Selbst der Papst in Rom empfing den Meidericher Bauernsohn und nahm den Visionsbericht entgegen. Die Geschichte des Mirakels war ein echter Bestseller im gesamten deutschen und mittelniederländischen Raum. In keinem anderen Visionsbericht hat das religiöse Empfinden eine so lebensechte literarische Gestaltung gefunden wie in dem Bericht des Meidericher Bauernsohns.

Wer am Landschaftspark Duisburg-Nord spazieren geht und sich an der Lösorter Str. 115 dem schmalen Bahndammdurchgang folgt, sieht nach Überqueren der Bahngleise die Alte Emscher aus einer Betonröhre fließen. In diesem Bereich dürfte seit dem 13. Jahrhundert der ehemalige Buschmannshof gestanden haben. Kein Hinweisschild erinnert an diesen historisch bedeutsamen Ort.

Quellen: Hartmut Beckers, 'Die volkssprachige Literatur des Mittelalters am Niederrhein.' In: Queeste 2 (1995), p. 146-162

Schulten, Susanne, Das Mirakel von Arnt Buschmann. Duisburger Jahrbuch; 2012 (2011), S. 32-43

www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de/Arnd_Buschmann_Mirakel

Quelle: RP
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