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Duisburg
Das macht so schnell kein anderer Chor nach!

Duisburg. Die Freie Kantorei unter Leitung von Bernhard Quast gastierte mit einem anspruchsvollen Programm in der Abteikirche.

Auf eindringliche Weise betrachtete die Freie Kantorei Duisburg in der Hamborner Abteikirche das Leiden Jesu Christi. "Semana Santa" hieß die Veranstaltung, die mit Text und Musik die Ereignisse der Karwoche in den Mittelpunkt rückte. Die Freie Kantorei ist bekannt für die Erarbeitung anspruchsvoller Programme. So war das Programm "Semana Santa" auch kein wirkliches Konzert, nahm doch "Das verstummte Hosianna" der blinden Schriftstellerin und Theologin Susanne Krahe einen gewichtigen Platz ein. In diesem Text werden Gefangennahme und Leiden Jesu Christi aus der Sicht einer Jüngerin und eines Jüngers beschrieben. Objektive Distanziertheit ist hier einem unmittelbaren Miterleben gewichen, und die beiden Sprecher Katharina Quast und Laurenz Leky trugen diesen Text plastisch vor, um die Zuhörer unmittelbar an den Ereignissen teilhaben zu lassen. Der Passionsbericht aus sehr persönlicher Sichtweise wechselte mit Kompositionen des Italieners Carlo Gesualdo da Venosa ab. Seine 1611 veröffentlichten Responsorien zur Liturgie der Karwoche sind mehr als 400 Jahre alt, stellen aber in ihrer Kühnheit, dem Aufeinanderprallen gegensätzlicher Ausdruckswelten und der überraschenden Stimmführung ganz außerordentliche musikalische Dokumente dar. Der Dirigent Bernhard Quast regte die etwa 40 Mitglieder der Freien Kantorei Duisburg zu einem überaus dynamischen Vortrag an. Unverbindlichkeit oder Beiläufigkeit hatten hierbei keine Chance, stattdessen ging es um unbedingten Ausdruckswillen. Die Behauptung sei gewagt, dass dieses der Freien Kantorei so schnell kein anderer Chor nachmacht!

Dass die Ausführenden es sich wirklich nicht leicht machten, bewiesen ferner "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" des norwegischen Gegenwartskomponisten Knut Nystedt. Bei diesem streng syllabischen Chorwerk wurde das traditionelle harmonische Empfinden außer Kraft gesetzt. Auch mit dieser Interpretation hatte sich die Freie Kantorei viel Respekt verdient. Abgerundet wurde das Programm durch Sätze, die aus größerer Entfernung aus dem Chorgestühl vorgetragen wurde. Durchdacht war der Vortrag von Chorälen aus den Bach-Passionen, und auch bei dem "Agnus Dei" nach dem berühmten "Adagio" des Amerikaners Samuel Barber hinterließ die Freie Kantorei einen ausgezeichneten Eindruck.

(teg)
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