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Duisburg
Das Ruhrgebiet wurde 1927 erfunden

Duisburg: Das Ruhrgebiet wurde 1927 erfunden
Ruhrgebiet heute: Die neue Lichtinstallation der Kühlwerk-Turbinen im Landschaftspark Duisburg-Nord. FOTO: Thomas Berns
Duisburg. Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhrmuseums auf der ehemaligen Essener Zeche Zollverein, war Referent im Landesarchiv NRW. Er erklärte beispielsweise, weshalb der Ruhri nicht bei Rot über die Ampel geht. Von Ingo Hoddick

Im Nachgang zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 13. September gibt es in diesem Herbst drei Vorträge im Landesarchiv NRW am Innenhafen, das ja selbst aus einem ehemaligen Getreidespeicher erwachsen ist. Jetzt sprach Prof. Heinrich Theodor Grütter, seit 2012 Direktor des Ruhrmuseums auf der ehemaligen Essener Zeche Zollverein, über "Heimat Ruhrgebiet? Zur musealen Rekonstruktion altindustrieller Ballungsräume". Dieser eloquente Referent weiß alles über die Geschichte und Kultur des Ruhrgebiets im Weltmaßstab. Verklärt wird hier nicht die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als katastrophale Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschten, sondern die Zeit des Wirtschaftswunders, das mit guter Bezahlung an Ruhr und Emscher erwirtschaftet wurde, und das damalige Gemeinschaftsgefühl. 1958 begann die Kohlekrise und damit der bis heute andauernde Strukturwandel - nicht so plötzlich wie etwa im Thatcher-England und abgefedert durch vielerlei Fördermaßnahmen. 2018 wird diese Epoche endgültig zu Ende sein, wenn mit der Zeche Prosper in Bottrop Deutschlands letztes Steinkohlebergwerk schließt. Grütter erklärte anschaulich, wie die hiesigen Stärken und Mentalitäten weiter existieren und sogar noch zunehmen, je länger das Industriezeitalter zurückliegt. Der Begriff "Ruhrgebiet" wurde erst 1927 erfunden (damals auch die gelben Ortsschilder, damit man in diesem Siedlungsbrei weiß, wo man sich gerade befindet, die Schilder breiteten sich danach erst in Deutschland aus).

Noch heute gibt es hier zwei Landschaftsverbände und drei Regierungsbezirke. Die 53 Gemeinden des Kommunalverbands Ruhr haben alle ihren eigenen Siedlungskern und ihre eigene Tradition, somit erst einmal keinen Anlass, sich enger zusammen zu schließen. Wichtig sei eine maßvolle Musealisierung, so Grütter: "Der Gasometer in Oberhausen ist nicht nur Europas größter Innenraum und Zollverein war nicht nur die weltgrößte Zeche, sondern beide stehen symbolisch für das vergangene Zeitalter der fossilen Energiegewinnung." Ähnliches gilt wohl auch für den Duisburger Landschaftspark, der bis in die 80er Jahre ein funktionierendes Hüttenwerk war.

Das Ruhrgebiet könne nicht Autos bauen ("das können die in Stuttgart besser") und auch nicht Handys, "das Ruhrgebiet kann Logistik wie sonst keiner auf der Welt". Der Ruhri gehe nicht bei Rot über die Ampel ("da haben mich schon Senioren mit dem Krückstock geschlagen"), denn früher unter Tage "ist ihnen bei solchem Fehlverhalten der Pütt um die Ohren geflogen!"

Den nächsten Vortrag am Dienstag, 8. Dezember, um 18 Uhr, hält Prof. Dr. Ute Schneider (Universität Duisburg-Essen) über "Rheinschifffahrt und Getreidehandel im 19. Jahrhundert". Der Eintritt ist frei, um 17.30 Uhr gibt es eine Führung durch das Haus.

Quelle: RP
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