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Reihe Menschen Für Gesundheit
Das Silvia-Hemmet-Konzept der Geriatrie

Reihe Menschen Für Gesundheit: Das Silvia-Hemmet-Konzept der Geriatrie
Dr. Gabriele Zeller, Chefärztin der Geriatrie (l.), und Stationsleitung Marion Lutz (r.) freuen sich, dass das Konzept der Geriatrie bei Patientin Gisela Deichmeier bestens angekommen ist. FOTO: Bianca Treffer
Duisburg. Einen dualen Behandlungsansatz aus Akutbehandlung und Rehabilitativen Elementen bietet das Zentrum für Altersmedizin am Malteser Krankenhaus St. Johannes-Stift. Hier setzt die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung in Kombination mit dem Silvia-Hemmet-Konzept ein. Von Bianca Treffer

An den Zimmertüren befinden sich nicht nur gut lesbare Nummern, sondern es sind auch Bilder mit Früchten auf Augenhöhe eines Rollatorfahrers befestigt. Dort sind es Erdbeeren, daneben Trauben und ein Stückchen weiter Bananen. Die bequemen Stühle im gemütlichen Aufenthaltsraum sind rot und heben sich gut vom hellen Boden ab. Rot ist auch die Farbe der Toilettensitze in den Badezimmern der einzelnen Zimmer im St. Johannes-Stift. Auch hier gilt: In dieser Farbe sind sie einfacher zu erkennen, als wenn sie weiß wären. "Am Anfang sind wir müde belächelt worden, als wir diese vielen kleinen Dinge eingeführt haben. Aber es sind gerade diese Kleinigkeiten, die Menschen in der Geriatrie das Leben einfacher machen und die wirklich helfen, wie wir aus jahrelanger Erfahrung wissen", sagt Dr. Gabriele Zeller, Chefärztin der Geriatrie im St. Johannes-Stift.

Seit 31 Jahren verfügt das Malteser Krankenhaus (MKH) über eine Akut-Geriatrie. Die Stationen, in denen auch die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung angesiedelt ist, stellt das Bindeglied zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation dar. Das heißt, die älteren, multimorbiden Patienten befinden sich aufgrund einer Akuterkrankung im Krankenhaus, aber gleichzeitig nimmt der Patient bereits an einem, genau auf ihn abgestimmten Therapieprogramm teil. "Wir kombinieren quasi die Behandlung einer akuten Erkrankung mit einer Rehabilitationsmaßnahme im Krankenhaus", erläutert Zeller. Gerade ältere Patienten profitieren von einer möglichst frühzeitigen Aktivierung und Therapie, flankierend zu der operativen oder medikamentösen Behandlung der Grunderkrankungen. Dieses liegt der Medizinerin am Herzen.

Zu der Akut-Geriatrie ist vor vier Jahren das Konzept der "Integrativen Geriatrie" dazugekommen. Sie bietet dabei ein spezielles Betreuungskonzept für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz. Im MKH St. Johannes-Stift greift in diesem Bereich das "Silvia-Hemmet-Konzept". Das von der schwedischen Königin Silvia ins Leben gerufene Modell zur Betreuung von demenziell erkrankten Menschen, das übersetzt nichts anderes als "Silvia-Heim" heißt, hat bei den Maltesern generell einen hohen Stellenwert. Dafür ist nicht nur das Pflegepersonal entsprechend geschult, sondern es gibt auf der Geriatrie auch Alltagsbegleiter. "Sie aktivieren und beschäftigen die demenziell erkrankten Patienten, zwischen den Diagnostik- und Therapieeinheiten und begleiten sie zum Röntgen oder EKG und geben ihnen so Sicherheit. Denn ungewohnte Situationen außerhalb des Tagesrhythmus machen dementen Menschen Angst", weiß Marion Lutz aus Erfahrung. Sie hat nicht nur die Stationsleitung inne, sondern ist auch Silvia-Hemmet-Trainerin. Bei dem Konzept, das Königin Silvia in Anbetracht ihrer dementen Mutter mitentwickelte, stehen Rücksichtnahme auf die Individualität, die Fähigkeit des Perspektivenwechsels sowie eine Vielzahl von kleinen Dingen, die dementen Menschen das Leben erleichtern, im Mittelpunkt. Dieses hilft auch, Komplikationen im Behandlungsverlauf zu verringern.

Neben der Akut- und der Integrativen Geriatrie, in der auch ein großer Teil der notwendigen Diagnostik innerhalb der Abteilung erbracht wird, verfügt das MKH St. Johannes-Stift zudem über sieben Tagesklinikplätze in diesem Bereich. Dass das gesamte Paket der Geriatrie indes greift, kann Patientin Gisela Deichmeier nur bestätigen. Die 82-Jährige wurde mit einem Oberschenkelhalsbruch eingeliefert, dem sich eine Problematik mit einer alten Darmverschlussnarbe anschloss. "Nach den beiden schweren Operationen hatte ich mit dem Leben abgeschlossen. Dann kam ich auf die Geriatrie. Eine Abteilung, unter der ich mir zuerst nichts vorstellen konnte. Dementsprechend skeptisch war ich", sagt die Seniorin. Schnell stellte sie dann fest, wie gut ihr das gesamte Umfeld tat. Auf der Station habe man sie wieder auf die Beine gebracht. Sie sei richtig gehend aufgebaut worden, lautet ihr lobender Kommentar. Jetzt wartet Deichmeier auf die Anschluss-Reha, für die sie im St. Johannes-Stift bestens vorbereitet wurde.

Quelle: RP
 
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