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Thema RP-Ballettscouts
"Dass Ballett so komisch sein kann..."

Duisburg. Die Ballettscouts der Rheinischen Post und der Rheinoper zeigten sich, mit kleinen Einschränkungen, begeistert von der jüngsten Premiere, besonders von Schläpfers Uraufführung. Überrascht hat alle der dritte Teil des Abends. Von Peter Klucken

Dem stürmischen, langhaltenden und mit Bravo-Rufen begleiteten Schlussapplaus des Publikums konnten die Ballettscouts der Rheinischen Post und der Rheinoper in der Nachbesprechung nur zustimmen. Der dreiteilige Ballettabend mit dem - wie üblich - schlichten Zahlentitel "b.29", der am Freitag im Duisburger Stadttheater Premiere hatte, sorgte für Begeisterung.

Allerdings konnten sich einige Ballettscouts nicht so recht mit dem ersten Teil des Abends anfreunden. Gezeigt wurde die letzte "komplette" Choreographie des legendären George Balanchine (1904-1983), der die Suite "Mozartiana" von Peter Tschaikowsky in neoklassischer Manier umgesetzt hat. Joysanne Sidimus und Ballettmeisterin Kerstin Feig haben das Ballett für die Rheinoper neu einstudiert. Ballettscout Martin Breil fand erstaunlich, dass dieses Ballett aus dem Jahr 1981 stammt; man hätte meinen können, dass das Werk 100 Jahre früher vom Bolschoi getanzt worden wäre. Ihn habe dieses Werk kaum angesprochen. Ähnlich urteilten auch andere Ballettscouts. Dagegen fühlte sich Kathrin Pilger von der Schönheit der Bewegungen, von der Ästhetik des gesamten Werks, von der Umsetzung der Klänge, die Tschaikowsky mit Verbeugung vor Mozart komponiert hatte, durchaus angesprochen.

Einig waren sich alle Ballettscouts, dass Martin Schläpfers Adaption des Konzerts für Orchester von Witold Lutoslawski, die in Duisburg als Uraufführung präsentiert wurde, "grandios" ist. Man könne sofort die Handschrift des Choreographen erkennen, sagte Birgit Idelberger. Christoph Grätz war vom Tiefgang der Choreographie tief beeindruckt. Die bewegten Bilder, die Schläpfer erfunden hat, hätten einen durchdringenden Ausdrucksgehalt, der kaum in Worte zu fassen sei. Man könne an "Krabbelwesen" (Breil) oder auch "Schwarmintelligenz" (Grätz) denken. Alles wirke "präsent", so Kathrin Pilger. Schläpfer setze die zum Teil beklemmende Musik von Lutoslawski auf überwältigende Weise um. Wobei er immer wieder lichte Momente einstreue, wenn ein Tänzer "aus der Misere herauszoomt". Schläpfers Darstellung von Gewalt, Not, Gleichgültigkeit und Schrecken sei zwar bedrückend, aber unglaublich fesselnd. Dass er immer wieder positive Brechungen einfließen lasse, steigere die Faszination. "Dass Ballett so komisch sein kann...", war ein Ausruf, der von allen Ballettscouts zu hören war, als sie auf den dritten und letzten Teil des Ballettabends zu sprechen kamen. Präsentiert wurde "The Concert" von Jerome Robbins (1918 - 1998), für die Rheinoper einstudiert von Ben Huys und Ballettmeisterin Antoinette Laurent. Das sei ein herrlicher Spaß, durchsetzt von Slapstick und Pantomime, meinten die Ballettscouts und freuten sich über die urkomischen Szenen, bei denen Robbins seine eigene Ballettsprache auf die Schippe nimmt.

Dass dies zu spielen und zu tanzen ungemein schwer ist, betonten die Duisburger Ballettscouts, die wieder einmal das große tänzerische Können der Compagnie lobten. Ballettdirektor Martin Schläpfer verlange von den Tänzerinnen und Tänzern Dinge, die man kaum für möglich halten könne. Auch die Duisburger Philharmoniker, die unter Leitung von Wen-Pin Chien spielten, wurden von den Scouts gelobt. (Kritik auf der Kulturseite)

Quelle: RP
 
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