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Duisburg
Denkmalschutz für den Neuen Friedhof

Duisburg: Denkmalschutz für den Neuen Friedhof
Ein Beispiel für qualitatives öffentliches Bauschaffen der 1920er Jahre: der Eingangsbereich des Waldfriedhofs. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. Er ist zwar nicht der älteste in Duisburg, aber der größte: Der Neue Friedhof zwischen Wanheimerort und Buchholz fällt schon allein durch die Gebäude am Eingangsbereich auf, errichtet in den 1920er Jahren. Von Hildegard Chudobba

Früher bestatteten die Duisburger ihre Toten in der Innenstadt, etwa dort, wo heute die Wiese neben der Salvatorkirche liegt (und auf den Pfarrfriedhöfen, die es damals wie heute gibt). Als diese Fläche nicht mehr ausreichte, wurde neu geplant und 1871 der Alte Friedhof am Sternbuschweg eingeweiht. Doch nur vier Jahrzehnte später war auch der zu klein. Denn Duisburgs Bevölkerungszahlen stiegen infolge der Industrialisierung rasant. Die Stadt musste nach einem weiteren Standort für einen großen städtischen Friedhof Ausschau halten. 1921 begannen die Planungen. Die Wahl für den "Neuen Friedhof" fiel auf ein Waldgelände im heutigen Wanheimerort.

Nachteil: Das Grundstück gehörte nicht der Stadt, sondern der Industriellenfamilie Haniel. Weil sie sich gegen einen Verkauf aussprach, fackelte die Stadt nicht lange: Sie strengte ein Enteignungsverfahren an und gewann.

Schon 1923 wurde die Anlage in Betrieb genommen. Im Juni vor fast 100 Jahren wurden dort die ersten Toten bestattet. An den ursprünglichen Grundstückeigentümer erinnert noch das Forsthaus Haniel mitten auf dem Friedhof, das heute von den Friedhofsgärtnern genutzt wird. Das Friedhofgelände war und ist ein Ort, den viele für ihren Sonntagsspaziergang nutzen, auch wenn sie dort keine Angehörigen-Gräber besuchen. Der Hauptweg ist eine gern genutzte Fußverbindung zwischen Wanheimerort und Buchholz. Und abseits können an ruhigen Flecken Vögel beobachtet oder Eichhörnchen gefüttert werden.

Wer das Gelände von der Düsseldorfer Straße aus betritt, der kann auch ohne großen Sachverstand nachvollziehen, warum das dortige Gebäudeensemble für die Nachwelt erhalten bleiben sollte. "Die Eingangsbauten des Waldfriedhofs sind ein qualitätvoll gestaltetes, im Wesentlichen anschaulich erhaltenes Ensemble der modernen Architektur der frühen 1920er Jahre", urteilen die städtischen Denkmalschützer und zitieren aus einer alten Fachzeitschrift: "Es ist nicht einfach, monumentale Architektur in hochragenden alten Buchenbestand zu bringen. Beide sind eigenwillig und gewissermaßen unduldsam. Deshalb haben die Bauten ein schlichtes Gewand, ungegliederte Bachsteinwände mit starker Flächenwirkung. Fenster im Wohnhausformat verleugnen nach außen den großen Hallenraum (der Einsegnungshalle), dafür kommt erst im Innern der volle Ton zum Klingen. Kultisch strenge Form erscheint bei diesen Bauten sehr verwandt der strengen Zweckdienlichkeit schmuckloser Nutzbauten."

In der Vorlage für die zuständige Bezirksvertretung Mitte und für den Kulturausschuss, Grundlage für die Unterschutzstellung, wird festgestellt, dass Friedhöfe als "Archiv" der dort bestatteten Einwohner wichtige Zeugnisse der Ortsgeschichte sind. Auf den Neuen Friedhof trifft das zweifelsfrei zu. Hier haben zum Beispiel Duisburg bekanntester Künstler Wilhelm Lehmbruck und der einstige Oberbürgermeister Karl Jarrres ihre letzte Ruhe gefunden. Auch die Gräber der Großindustriellen Peter Klöckner und Johann Wilhelm Welker, das von Herbert W. Köhler und Heinrich Weitz finden Spaziergänger unter den Bäumen.

Die Planung der Friedhofsanlage und der Gebäudegruppe erfolgte seinerzeit im Städtischen Hochbauamt durch Karl Pregizer (Leitung) und Hermann Bräuhäuser. Sie sei damit vor allem auch "ein Dokument des anerkanntermaßen qualitätvollen eigenen öffentlichen Bauschaffens der Stadt in den 1920er Jahren", attestieren die Denkmalschützer.

Für eines der herausragenden Gebäude dieses Ensembles kommt der Denkmalschutz allerdings zu spät: Das Krematorium, 1928 nach dem Entwurf des Architekten Fritz Weimann gebaut, wurde vor 15 Jahren zugunsten des Neubaus aufgegeben und abgerissen.

Quelle: RP
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