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Duisburg
Der Gebag-Chef packt kräftig an

Duisburg. Entwicklung des Bahnareals in Wedau, des Angerbogens in Huckingen und des Mercator-Quartiers am Rathaus, dazu Sanierungsoffensive des Wohnbestandes: Über mangelnde Arbeit kann sich Bernd Wortmeyer nicht beklagen. Von Hildegard Chudobba

In Düsseldorf ist wegen des anhaltenden Bevölkerungswachstums der Bedarf an Immobilien höher, als ihn die Landeshauptstadt innerhalb ihrer Grenzen decken könnte. Auf der anderen Seite: In Duisburg sinkt die Zahl der Einwohner und es gibt rund 260 Hektar bebaubare Flächen, weitgehend im Eigentum der Stadt. Außerdem: Wegen der nach wie vor niedrigen Zinsen ist das Interesse, Vermögen in Immobilien zu investieren, hoch. Alles drei zusammen bringt Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft GEBAG zu dem Schluss: "Die Zeiten sind günstig wie nie. Wenn es uns jetzt nicht gelingt, die Bevölkerungsexplosion in Düsseldorf zu nutzen, dann bekommt Duisburg dazu in den nächsten 20 Jahren keine Chance mehr. Wir müssen nur jetzt auch zügig anfangen."

In der ersten Jahreshälfte 2017 werden die vorbereitenden Planungen für das Angerbogengelände - es hat den Namen "Am Alten Angerbach" - in Huckingen so weit fortgeschritten sein, dass dort mit der Vermarktung begonnen wird. Wie hoch der Quadratmeterpreis für Haus und Grund ausfallen wird, ist noch offen, "aber er wird sicherlich nicht auf Düsseldorfer Niveau liegen", so Wortmeyer. "Heute bezahlt man in unserer Stadt gerade mal halb so viel wie in Düsseldorf." Im Angerbogen werde die Differenz allerdings geringer sein. Schnäppchenpreise für Filetgrundstücke - die soll es in Huckingen auf keinen Fall geben. Östlich der Straßenbahngleise wird ein Wohngebiet entstehen, das hohen Ansprüchen genügt. In den kommenden Wochen wird unter Einbeziehung des städtebaulichen Vertrags für dieses Areal der Bebauungsplan aufgestellt. Sorgen, nicht ausreichend Investoren zu finden, hat Wortmeyer nicht. Sie würden derzeit - wie es so schön heißt - Schlange stehen. Zudem sind die Vorgaben so gering, dass Bauherren (ähnlich, wie auf der gegenüberlegenden Seite an der Düsseldorfer Landstraße) in der Regel ihr Traumhaus bauen können.

Das gilt noch viel mehr für das Bahngelände in Wedau. Die dort bald für Eigenheime zur Verfügung stehenden Grundstücke sind noch ein ganzes Eckchen exklusiver (und teurer) als die im Angerbogen. Ein Haus mit Seeblick - dort wird es für einige Wirklichkeit werden. Die Grundstückseigentümerin Deutsche Bahn wird gemeinsam mit der Gebag die Vermarktung betreiben. Noch laufen hier die Vorbereitungen. Unter anderem müssen ein Lärmschutzwall zur Bahntrasse aufgeschüttet und einige Vereine in diesem Areal verlagert werden. Wenn sich für Wedau Interessenten melden sollten, die sozial geförderte Wohnungen bauen wollen, ist auch dies möglich. Der Schwerpunkt liegt allerdings in beiden Gebieten auf dem Einfamilienhaus.

Aufs Gaspedal drückt Bernd Wortmeyer wegen der Gunst der Stunde ebenfalls bei der Entwicklung des Brachgeländes gegenüber vom Rathaus, wo früher unter anderem die kaufmännische Berufsschule stand. Dass dort hochwertige Wohnbebauung in bester Innenstadtlage entsteht, ist für ihn ganz sicher. Und auch, dass dort künftig Raum für Büros, einzelne kleinere Geschäfte und Gastronomie vorhanden sein wird. Wie aber die Bebauung mal aussehen soll, ist noch weitgehend offen. Wortmeyer denkt an Häuser, deren Fronten nicht eine Linie bilden, sondern verspringen, an schmale Gassen oder kleine Plätze bzw. Innenhöfe. Zeitgemäß unter Berücksichtigung des historischen Standortes - das ist die Zielvorgabe. Schon im kommenden Jahr hofft er, konkreter werden zu können. Und er sieht durchaus Chancen, dass schon in fünf Jahren innerstädtisches Leben auf die heutige Brache zurückkehrt ist.

Dass sich die Gebag der Projektentwicklung in dieser Form zuwenden kann, ist der Tatsache geschuldet, dass das Unternehmen wirtschaftlich inzwischen wieder gesundet ist (vor drei Jahren drohte noch die Insolvenz). Weil das auch die Banken so sehen, kann die Gebag in den kommenden zwei bis drei Jahren rund 150 Millionen Euro in die Sanierung, Modernisierung und Instandsetzung ihres Bestandes (12.000 Wohnungen) investieren. Zudem wird sie selber als Bauherr antreten, so beispielsweise auf den ehemaligen Schulgrundstücken an der Frankenstraße in Walsum, an der Werthstraße in Laar und an der Ulmenstraße in Rheinhausen. Wortmeyer ist davon überzeugt, dass letztlich nur durch Neubautätigkeiten eine Aufwertung von Stadtteilen gelingen kann - optisch, wie in Bezug auf die Bevölkerungsstruktur.

Quelle: RP
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