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Zoo Duisburg
Der Herr der Elefanten

Zoo Duisburg: Der Herr der Elefanten
Reviertierpfleger Hermann Sommer ist der Chef im Elefanten-Gehege. Seit rund 40 Jahren wird er als solcher von der Elefantenherde im Duisburger Zoo akzeptiert. Weshalb das so ist, weiß niemand genau, wenigstens kein Mensch. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Vor 43 Jahren begann Hermann Sommer (58) seine Ausbildung im Duisburger Zoo. Schon bald wurde klar, dass er der geborene Pfleger der Elefanten ist. Die suchen sich ihre Menschen nämlich selber aus. Von Peter Klucken

Hermann Sommer ist weder besonders groß - noch dick. Er ist ein Mann von normaler Statur. Er verfügt auch nicht über eine dröhnende Bassstimme oder einen schallenden Heldentenor. Dennoch muss Hermann Sommer eine Ausstrahlung haben, die ihn zum Herrn der Elefanten im Duisburger Zoo werden lässt. Denn anders als bei allen anderen Tieren im Zoo werden bei Elefanten die Personalentscheidungen nicht allein von den Menschen getroffen. Der Elefant bestimmt, ob ein Pfleger angenommen wird. Da helfen Diskussionen nicht weiter.

Zookenner sagen, dass nur jeder 50. Bewerber fürs Elefantenrevier von den Tieren akzeptiert wird. Hermann Sommer wird seit rund 40 Jahren von der Elefantenherde, die im Laufe der Zeit unterschiedlich besetzt war, akzeptiert. Weshalb das so ist, weiß niemand so genau, wenigstens kein Mensch. Vielleicht ist es ja eine gewisse Unerschrockenheit gegenüber den größten Landtieren der Erde, die, was man niemals vergessen darf, zu den gefährlichsten Tieren gehören.

Angst hat der Pfleger vor den massigen Tieren noch nie gehabt. FOTO: Christoph Reichwein

Hermann Sommer wollte "eigentlich schon immer" im Zoo arbeiten. Als sich seine Zeit in der Schule dem Ende neigte, fuhr er nicht in die Ferien, sondern arbeitete als Praktikant im Duisburger Zoo. Offenbar erkannten seine späteren Kollegen schon früh, dass der Schüler mehr konnte, als mit staunenden Augen den anderen bei der Arbeit zuzusehen. Er packte stets mit an, und hatte zu den Tieren ein Verhältnis, wie es sich gehört. So konnte er sich im Gegensatz zu vielen anderen Schulabgängern, die sich für eine Ausbildungsstelle im Zoo beworben hatten, über eine Lehrstelle freuen.

Nach wie vor gerne erinnert sich Sommer mit Dankbarkeit an seinen ersten Ausbilder: "Mir hat damals imponiert, wie selbstverständlich er mit Auerochsen umgehen konnte." Von seinem Ausbilder bekam Sommer auch einen Rat, den er bis heute beherzigt: "Immer mit den Tieren reden!"

Tierbabys im Zoo Duisburg genießen die Sonne FOTO: Zoo Duisburg, Kuster/www.zoo-foto.de

Schon während der dreijährigen Ausbildungszeit, in der die Zoo-Lehrlinge alle Reviere kennenlernen, habe sich gezeigt, dass Sommer von den Elefanten respektiert wird. "Weshalb auch immer, ich war schließlich damals ein junger Kerl von nicht einmal 18 Jahren", sagt er. Vielleicht erklärt ein Erlebnis aus Sommers Anfangszeit aber doch, warum er bei den Elefanten richtig ist. Damals gab es auf dem Kaiserberg einen Waldelefanten, "und der war nicht ohne". Von den älteren Kollegen wusste Sommer, dass man vor Elefanten keine Angst zeigen darf. An seinem ersten Arbeitstag als Elefantenpfleger wollte es der Waldelefant offenbar wissen: Er stellte die Ohren auf und lief in drohender Haltung auf Sommer, der sich im Gehege befand, zu. Da habe er nicht lange gezögert: Anstatt - wie wohl die meisten- schnell das Weite zu suchen, bewegte er sich mit ausgebreiteten Armen seinerseits auf den Elefanten zu. Der brach daraufhin seinen (scheinbaren) Angriff ab.

Jahrelang haben Hermann Sommer und sein Kollege Peter Schroer mit den Elefanten zum Teil spektakuläre Vorführungen einstudiert. Die Elefanten-Pfleger ließen sich beispielsweise auf den Stoßzähnen in die Höhe hieven; sie legten sich auf den Boden und ließen die Elefanten über sich hinwegstapfen. Bei all diesen Vorführungen habe er niemals Angst gehabt oder an das Risiko gedacht, sagt Sommer. Doch inzwischen sind solche Elefanten-Vorführungen - wie in den meisten Zoos - nicht mehr erlaubt. Sommer findet das schade, aber er akzeptiert die Entscheidung. Er sagt: "Ich muss schließlich an die jungen Kollegen denken, die mal meine Nachfolger werden. Wer nicht wie Peter Schroer und ich in die Elefantenhaltung reingewachsen ist, dem sind solche Vorführungen wohl nicht mehr zuzumuten." Heute geschieht der Umgang mit den Elefanten nur noch über den so genannten "geschützten Kontakt", wo stets ein Gitter oder Tor zwischen Mensch und Elefant vorhanden ist.

Gleichwohl erinnert sich Sommer gerne an seine "ungeschützten Kontakte" mit einigen Elefanten. "Die Tiere spüren, wenn es einem mal nicht so gut geht und ihnen gelingt es tatsächlich, einen aufzuheitern", sagt er. Früher habe er tatsächlich gelegentlich mit Elefanten gemeinsam im Stroh gelegen und das gewaltige Tier gekrault. Ganz schlimm sei es für ihn immer gewesen, wenn ein Elefant gestorben ist. Besonders tragisch sei der Tod eines Elefanten gewesen, der sich bei einem nächtlichen Einbruch ins Elefantenhaus erschrocken hatte und sich dabei so schwer verletzte, dass er sich ein Bein brach, das nicht zu heilen war, und der deshalb eingeschläfert werden musste.

Sommer studiert zwar viele Tierbücher, aber ein Haustier hat er nicht. So lange er im Zoo als Elefantenpfleger arbeite, habe er dafür einfach keinen Sinn. Vielleicht, so kann man vermuten, hat Sommer etwas von einem Mahout, der sich in Indien wie ein Treuhänder um das Wohl seines Elefanten kümmert. Sommer sagt, dass er es mit seinen Dienstzeiten nicht so genau nehme. Meist komme er eine Stunde früher als gefordert und gehe auch nicht gleich bei Dienstschluss nach Hause. Kein Zweifel: Die Elefanten-Pflege ist für ihn mehr als ein bloßer Job.

Allerdings möchte er sich als Rentner einen Hund anschaffen, womit auch seine Frau einverstanden sei. Auch der erwachsenen Tochter werde das gefallen. Sie sei eine Hundefreundin, habe aber beruflich nichts mit Tieren zu tun.

Quelle: RP
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