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Friederike Felbeck
Der Innenhafen bewegt dreifach

Friederike Felbeck: Der Innenhafen bewegt dreifach
FOTO: Riad Nassar
Duisburg. Die Düsseldorfer Regisseurin und Autorin Friederike Felbeck hat ein Stück kreiert, in dem der Innenhafen im Mittelpunkt steht. Am Sonntag ist im Garten der Erinnerung die Duisburger Premiere zu erleben. Auch das Seniorenheim ist beteiligt.

Der Duisburger Innenhafen, einst "Brotkorb des Ruhrgebiets", wird gerne als Vorzeigeprojekt für gelungenen Strukturwandel in der Stadt gesehen. Seit seiner Umgestaltung zur Jahrtausendwende finden dort immer wieder verschiedene Kunst- und Kulturveranstaltungen dort statt. Das neueste Projekt ist eine Musiktheater-Uraufführung, die am vergangenen Wochenende in Düsseldorf Premiere hatte und am Sonntag, 21. Mai, ab 14.30 Uhr, im Garten der Erinnerung am Innenhafen gezeigt wird. Die künstlerische Leitung der Produktion unter dem Titel "drei - der Innenhafen bewegt" hat die Düsseldorfer Regisseurin und Autorin Friederike Felbeck inne. Mit ihr sprach RP-Autor Olaf Reifegerste.

Der Titel der Musiktheater-Uraufführung lautet schlicht und einfach "drei" - zuzüglich der Ergänzung "der Innenhafen bewegt". In welchem künstlerischen Kontext steht die Zahl "3" zur Inszenierung und zum Inhalt der Aufführung?

Felbeck Drei ist die kleinstmögliche Gruppe, in der es eine absolute Mehrheit geben kann. Drei heißt aber auch Konkurrenz, wechselnde Allianzen, einer gegen zwei. Drei steht zudem für eine der spannendsten musikalischen Konstellationen: das Triospiel. Und: "Aller guten Dinge sind drei" heißt es, oder: "Nicht bis drei zählen können" als absolutes Armutszeugnis, oder: "Ewig und drei Tage" als Sinnbild für Unendlichkeit. Drei ist darüber hinaus eine magische bis energetische Zahl, die in vielen Mythologien und Religionen eine große Bedeutung hat. Ferner gibt es die drei Lebensabschnitte Kindheit, Erwachsensein und Alter. Drei ist also eine Konstellation, die immer in Bewegung ist. Folglich sind es auch drei Spielorte, die das Duisburger Projekt am Innenhafen kennzeichnen: das AWO Seniorenzentrum, der Ludwigturm/Garten der Erinnerung und die Jüdische Gemeinde.

In der Ankündigung der Inszenierung heißt es, dass die Produktion alte und neue Nachbarn des Innenhafens zusammenbringe. Geht es in dem Zusammenspiel eher um räumlich-architektonische als um menschlich-soziale Beziehungen?

Felbeck Es geht um die historische Entwicklung des Duisburger Innenhafens - von der Kornkammer Europas über den industriellen Stillstand, die buchstäbliche Austrocknung des Rhein-Seitenarms bis zur Neuerfindung als Naherholungsort und Heimat für Kunst und Kultur. Obwohl nur einen Steinwurf voneinander entfernt, gab es bisher kaum Austausch, Verbindungen, Synergien zwischen der AWO und der Jüdischen Gemeinde. Dabei gibt es am Springwall zahlreiche Seniorengruppen, sogar einen Chor, der sowohl in unseren Düsseldorfer Aufführungen auftrat als auch in Duisburg mitwirken wird - den Ahava Chor. Einmal im Monat veranstaltet die Jüdische Gemeinde sonntagnachmittags das Café Olé, einen bunten Nachmittag, der am Spieltag mit unserer Veranstaltung quasi fusioniert. Worüber wir uns sehr freuen, ist, dass das Theaterprojekt ein Anstoß zu mehr Kontakt ist. So gibt es inzwischen zahlreiche Ideen auf beiden Seiten, wie man die Nachbarschaft in Zukunft intensivieren kann. Vielleicht gilt auch hier, dass die Zeit reif sein muss, damit bestimmte Prozesse in Gang kommen können.

Was war das Grundmotiv, eine solche Arbeit anzugehen? Und wie wurde bei seiner Umsetzung vorgegangen - textlich, musikalisch, gestalterisch und inszenatorisch?

Felbeck Für das Projekt war es mir wichtig, das Thema "Alter" ins Zentrum zu rücken und nach allen seinen Facetten Ausschau zu halten. Aus diesem Grunde nehme ich seit etwa einem halben Jahr aktiv am Alltagsleben in den beiden Seniorenheimen, nämlich dem Düsseldorfer Nelly-Sachs-Haus und dem AWO Seniorenzentrum Innenhafen, teil - vom wöchentlichen Bingospiel über Übungen zum Gedächtnistraining bis zum Singkreis.

Wie entstanden die Texte des Stücks?

Felbeck Ich habe zahlreiche Interviews und Gruppengespräche mit Bewohnern und Mitarbeitern geführt, die in das Libretto eingeflossen sind. Das Libretto ist der Ausgangspunkt für die musikalische und szenische Entwicklung. Die drei Schauspieler vom Nasch-Theater und die drei Musikerinnen haben unabhängig voneinander auf Grundlage des Librettos gearbeitet. Ulrike Edinger-Donat hat dazu ein räumliches Konzept für Düsseldorf und Duisburg entwickelt. Zusammen einschließlich der Bewohner und Mitarbeiter des AWO Seniorenzentrums sowie der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde lassen sie eine Aufführung entstehen, an der jeder auf seine Weise mitgewirkt hat.

Inwiefern ist diese Musiktheaterarbeit ein Folgeprojekt der letztjährigen Uraufführungsproduktion "The Raft - Das Floß"?

Felbeck Die Zusammenarbeit mit den Komponistinnen und Sängerinnen Macha Corman und Thea Soti beim "Floß" war für mich neben den bereits besagten inhaltlichen Aspekten der entscheidende Impuls, zeitnah ein Folgeprojekt anzugehen. Zusätzlich haben sie die Violinistin Anna Neubert mit ins Boot geholt.

Was ist bei der Zusammenarbeit die Leitlinie?

felbeck Was ich an allen schätze, ist ihre Fähigkeit strukturiert zu improvisieren, das Libretto, das ich gemeinsam mit den Bewohnern der AWO entwickelt und geschrieben habe, zu vertonen, und sich aus diesem Material wie in einem Steinbruch zu bedienen. Gemeinsam entwickelt das Trio eine große musikalische Kraft, das zuweilen aber fragil und verletzlich bleibt und äußerst empfindsam auf alle äußeren Impulse reagiert, sei es durch die Schauspieler, den Raum oder die Zuschauer. Auch der Bildhauerin und Bühnenbildnerin Ulrike Edinger-Donat verbindet mich die Arbeit am "Floß". Und so kommen wir bereits in einer zweiten Aufführung als Co-Autoren zusammen und sprechen bereits über Künftiges.

Quelle: RP
 
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