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Kunst Im Öffentlichen Raum
Der Mensch als bloße Nummer

Kunst Im Öffentlichen Raum: Der Mensch als bloße Nummer
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die ungarische Künstlerin Gabriella Fekete möchte mit ihrem Kunstwerk "Zeittafel" im Biegerhofpark auf die fehlende Individualität der Menschen im Alltag hinweisen. Von Jan Luhrenberg

Auf den ersten Blick wirkt das Kunstwerk der ungarischen Künstlerin Gabriella Fekete an seinem Standort etwas verloren. Mitten im Biegerhofpark an der Angertalerstraße erstreckt sich eine 28 Meter lange und über zwei Meter breite graue Fläche über das grüne Gras des Parks. Das betongraue und rostrote Objekt mit dem Titel "Zeittafel" wurde von der Künstlerin ab dem Jahr 1979 installiert. Seitdem es zwei Jahre später fertig gestellt wurde, ziert es nun schon die Grünanlage im Duisburger Süden.

Auf der Wiese liegen dicke Metallschienen, die parallel zueinander verlaufen. In den Zwischenräumen der einzelnen Metallschienen sind vierstellige, aus Metall gegossene Zahlen zu erkennen, die jedoch keinen Schluss auf ein Muster zulassen. Am Ende der grauen Schienen sind menschliche Köpfe in Reih und Glied aufgestellt - insgesamt tummeln sich 133 Köpfe auf der einen Seite des Kunstwerks. Diese Köpfe, die aus Beton gegossen wurden, haben weder Gesicht, noch Augen und Ohren. Ohne jeglichen Ausdruck und Konturen sind die identischen Köpfe als stumme, namenlose Ansammlung von Menschen zu verstehen.

Doch was will die Bildhauerin mit diesem Werk überhaupt ausdrücken? In den Augen von Gabriella Fekete ist das Ansichtssache des Betrachters, etwaige Vordeutungen stören nur den Genuss an der Sache selbst: "Eigentlich soll sich von Kunst jeder selbst ein Bild machen. Was ich denke, stört da nur." Doch die gebürtige Budapesterin gesteht die Quelle der Inspiration ihrer Arbeit, die auch im Fall der "Zeittafel" greift: "Meist sind meine Arbeiten durch meine eigenen Gedanken und Probleme motiviert." Die Nummern in den Zwischenräumen der Schienen weisen so auf ein besonderes Problem hin. Der Mensch wird nur noch als bloße Nummer betrachtet. Deswegen sind die 133 Köpfe aus Beton auch jeglicher Individualität beraubt, so dass lediglich die dem Kopf zugeordnete Nummer ein Merkmal offenbart, mit dem die einzelnen Köpfe unterschieden werden können. Die "Zeittafel" mit all ihren Köpfen symbolisiere zudem Kopflosigkeit. "Würde man das quer liegende Metallstück wegnehmen, würden die Köpfe auf die Metall-Schienen zustreben", so Fekete. Das zeigt, dass die meisten Menschen kopflos rennen und schieben. Die entsprechenden Zahlen, die in Bezug zu den Köpfen gesehen werden müssen, sind eine Art Datum ohne Bodenhaftung. "Sie sollen deutlich machen, dass die Menschen zu allen Zeiten so planlos vorangegangen sind", beschreibt die Künstlerin.

Auch wenn die Installation mit ihren enthaltenden Gedanken einen starken Kontrast zu dem paradiesischen Umfeld des Parks aufweist, so ist der Ort des Kunstwerkes wohl ausgewählt worden - der Kontrast dient folglich als bewusste Begleiterscheinung der "Zeittafel". "Wir haben uns mehrere Stellen in Duisburg angesehen. Aber hier hat es mir einfach am besten gefallen", erklärt Fekete.

Laut ihren Vorstellungen sollte ihre Idee an einem öffentlichen Ort entstehen, an dem viele Besucher die Kunst wahrnehmen, die im Idealfall zur Diskussion oder zum Nachdenken anregen soll.

In Duisburg ist die ungarische Künstlerin auch schon in den Jahren der Entstehung des Kunstwerks keine Unbekannte gewesen. Sie erhielt als eine von drei Künstlern zum ersten Mal überhaupt das Wilhelm-Lehmbruck-Stipendium in Andenken an den in Meiderich geborenen berühmten Bildhauer.

Die Förderung genoss die Ungarin in den Jahren 1977 und 1978. Im Rahmen ihres Duisburg-Aufenthalts entstand dann die Idee der "Zeittafel": "Ich wollte der Öffentlichkeit für das Stipendium ja auch etwas zurück geben", so Fekete.

Quelle: RP
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