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Duisburg
Der schlechte Ruf ist unbegründet

Duisburg: Der schlechte Ruf ist unbegründet
Ein Traktor mit Sprühanlage im Einsatz. Glyphosat soll auch in den nächsten Jahren angewendet werden dürfen. FOTO: epd
Duisburg. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Für Landwirt Reinhard Mosch ist es bei richtigem Gebrauch ein Gewinn für Landwirtschaft und Umwelt. Von Jan Luhrenberg

Die EU-Kommission hat das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für fünf weitere Jahre zugelassen. Auch Deutschland hat der Verlängerung zugestimmt - trotz Veto aus dem Umweltministerium. Das Mittel ist in die Kritik geraten, da es verdächtigt wird, krebserregend zu sein. Der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV), der auch die Interessen der Bauern aus Duisburg vertritt, betont auf Anfrage der Redaktion, dass Glyphosat etliche Vorteile für Landwirtschaft und Umwelt mit sich bringt.

"In unserer Region wird das Mittel in der Regel nach der Ernte eingesetzt", berichtet Marilena Kipp, Pressesprecherin des Bauernverbandes. Beispielsweise würde Unkraut, das nur schwer mechanisch zu bekämpfen ist, mit Glyphosat beseitigt. "Im Anschluss erfolgt dann die Aussaat der Nutzpflanzen", ergänzt Kipp. Bauern würden das Mittel vor allem in Verbindung mit speziellen Ackerbausystemen, zum Beispiel an Hanglagen, verwenden. Dort könne der Boden nicht gepflügt werden, so dass Unkraut besser und schneller wachsen kann. "Da Unkraut in Konkurrenz zur Saat steht, wird es im Vorfeld mit Glyphosat beseitigt", sagt die Pressesprecherin. Zudem sorge es mit seinem Schutz vor Unkraut dafür, dass die Ackerböden fruchtbar gehalten werden.

Reinhard Mosch ist Landwirt in Mündelheim. FOTO: Hohl

Laut Angaben des RLV ist der Gebrauch von Glyphosat am Niederrhein keine Regelanwendung. Nach wie vor würden die klassischen Verfahren der Saatvorbereitung mit Pflug und Grubber dominieren.

Reinhard Mosch ist Landwirt in Mündelheim und benutzt Glyphosat auf seinem Ackerland. Der Bauer äußert sich sehr positiv über das Pflanzenschutzmittel und betont die Vorteile für die Landwirtschaft, aber auch für die Umwelt. "Wenn ich ohne Pflug arbeite und Glyphosat einsetze, dann schone ich das Grundwasser", erklärt Mosch. Das liege daran, dass wenig Kraftstoffe und Nitrat freigesetzt werden. Letzteres gerate ins Grundwasser, wenn der Boden sehr stark aufgelockert würde.

Gleichzeitig betont der Landwirt, dass das Mittel richtig eingesetzt werden müsse. "Als 'Erntehelfer' sollte Glyphosat überhaupt nicht angewendet werden", erklärt Mosch. Wenn das Mittel auf Pflanzen gesprüht werde, bestehe die Möglichkeit, dass Restbestände des Herbizids auf dem landwirtschaftlichen Produkt vorhanden seien. "Ich benutze Glyphosat nur zum Abspritzen der Saat, um die Felder sauber zu halten", sagt der Landwirt. "Bis zur Ernte ist das Mittel dann komplett abgebaut." Mosch hält es darüber hinaus für wichtig, das Unkrautvernichtungsmittel nicht in Überdosen oder auf asphaltierten Flächen anzuwenden. Dann bestehe die Gefahr, dass Glyphosat ins Grundwasser gelangt. Um dies zu vermeiden plädiert er dafür, das Mittel im freien Handel - zum Beispiel in Baumärkten - zu verbieten. So würde das Herbizid nicht in die Hände von Menschen kommen, die keine Ahnung von Gebrauch und den Folgen hätten. "Zudem sollte Glyphosat in der Landwirtschaft nur noch für die Vorbereitung der Saat zugelassen werden", bezieht der Bauer klar Stellung. "Dann wäre ich froh, wenn die EU die Zulassung um weitere Jahre ausdehnt."

Kipp vom Rheinischen Landwirtschaftsverband ergänzt: "Nur regelmäßiger Glyphosateinsatz birgt Nachteile." Beispielsweise würden dann einige Arten von Unkraut resistent gegen das Herbizid werden. Das Mittel töte zudem nicht große Massen von Insekten, wie es einige Experten annehmen."

"Das spätere Verkaufsprodukt der Bauern kommt meist nicht direkt mit Glyphosat in Kontakt", fügt die Pressesprecherin an. Folglich wiesen Getreide, Zuckerrüben und Co. keine signifikanten Belastungen auf. Sollte der Stoff allerdings krebserregend sein, so ist Mosch der Meinung, dass er schleunigst vom Markt gehöre. "Doch in vielen Untersuchungen ist dieser Verdacht bisher nie bestätigt worden", so der Landwirt.

Quelle: RP
 
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