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Duisburg
Der Sinnlosigkeit ins Gesicht lachen

Duisburg. Der Kabarettist, Autor und Blogger Tobi Katze spricht auf seine Art über Depressionen.

Noch denkt ein großer Teil der Menschen so: 'Depressionen, die hat man vielleicht, aber man spricht nicht darüber'. Nicht so der Kabarettist, Autor und Blogger Tobi Katze. Der nutzt seine frühere Vermeidungsstrategie inzwischen beruflich und schreibt, spricht, scherzt und lacht über Depressionen, besonders die eigenen, gerne auch vor Publikum.

"Das macht sie zur Idealbesetzung für unseren heutigen Abend", begrüßte Dietmar Reinberger, der Vorstandssprecher des Duisburger Bündnisses gegen Depression, den Gast zu einer Lesung aus seinem Buch "Morgen ist leider auch noch ein Tag" in einem Konferenzraum der Mercatorhalle. Das Duisburger Bündnis besteht seit acht Jahren und bemüht sich gemeinsam mit der Telefonseelsorge und deren Krisenbegleitung um mehr Offenheit im Umgang mit der zu oft verschwiegenen Volkskrankheit. In Deutschland gibt es etwa 5,3 Millionen Menschen die irgendwann in ihrem Leben an einer Depression erkranken. Ungefähr 28.000 davon leben in Duisburg.

"Und wie viele von euch hier im Saal haben Depressionen, zeigt mal auf", fällt Tobi Katze direkt mit der schwarzen Türe ins Haus. Die Hälfte der 150 Zuhörer meldet sich. "Und haben wir denn auch Therapeuten hier? Trauen sie sich ruhig, ist ja keine Schande", fragt Katze weiter. Es wird gekichert und es gibt zwei oder drei zögerliche Meldungen.

Tobi Katze erzählt, dass er lange brauchte, bis er zu mindestens mit seinem Therapeuten offen über die Depressionen sprach: "Man will ja nicht, dass der eigene Therapeut einen für verrückt hält." Und auch noch die Familie. Sie machten alle Dann-ist-er-halt-schwul-Gesichter, als er ankündigte, ihnen etwas sagen zu wollen. Und die tollen Ratschläge, die man bekommt. "Wenn mein Freund Martin bei der Kreuzigung dabei gewesen wäre, dann hätte er vermutlich Jesus Christus empfohlen, sich nicht so hängen zu lassen", glaubt Katze. Die Betroffenen im Saal lachen am meisten. Nimm-dich-zusammen-Sprüche sind überhaupt nicht hilfreich für Erkrankte, aber scheinbar hat jeder Depressive mindestens einen Martin in seinem Umfeld. "Warst du mal in der Klinik und nimmst du noch Psychopharmaka?" Katze beantwortet solche Fragen aus dem Publikum mit großer Offenheit: "Klinik nein und die Tabletten konnte ich vor zweieinhalb Monaten absetzen", sagt er. Inzwischen glaubt er, dass man Depressionen tatsächlich heilen kann. "Man bleibt aber anfällig dafür und muss deshalb gut auf sich achten", weiß er. Warum er als Kabarettist auch noch dieses düstere Thema gewählt hat, das ihm ja sein Leben erschwert, das möchten die Leute noch wissen. "Ich wollte nie einer von den gefühlt zehntausend Comedians sein die nur Witze über das Thema Mann-Frau drauf haben", sagt Tobi Katze.

Quelle: RP
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