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Duisburg
Der Sommer schmeckt nach Linde

Duisburg: Der Sommer schmeckt nach Linde
Hutmacherin Astrid Szibbat verkauft Honig "made in Ruhrort". Alles fing mit einem Kursus im Bienenmuseum in Rumeln an. Ihr Bienenstock steht auf ihrer Terrasse. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Astrid Szibbat hält ein Bienenvolk in Ruhrort und hat nun zum ersten Mal Honig geerntet, den sie verkauft. Von Julia Zuew

Duisburg ist nicht unbedingt ein Zentrum für landwirtschaftliche Erzeugung. Sicher: Es gibt hier Erdbeerfelder, hier wird Spargel angebaut, und in manchem Kleingarten gedeiht vermutlich auch noch jede Menge anderes Gemüse. Aber eigentlich ist Duisburg eine industriell geprägte Großstadt. Und wer an Ruhrort denkt, dem wird sicherlich zunächst das Thema Schifffahrt einfallen. Es sei denn, er kennt das Hutmacher-Geschäft von Astrid Szibbat. Sie verkauft dort Honig, so zu sagen "made in Ruhrort".

Vom Eingang des Ateliers am Neumarkt ist durch ein großes Fenster die dahinterliegende Terrasse mit Garten zu sehen. Hier steht der Bienenstock, in dem das original Ruhorter Produkt entsteht. "Die Bienen schwärmen vom Stock aus in einem Umkreis von zirka sechs Kilometern", erzählt die Imerkin. Sie kenne mittlerweile die markante Alleen oder Bäume, wo ihre kleinen Sammler sich gewöhnlich rumtreiben. "Wenn ich mit meinen Hunden spazierengehe, treffe ich meine Bienen", sagt sie und lacht. "Ich betrachte die Umwelt anders, seit ich Bienen habe", erzählt sie. Als Imkerin schaue sie sich nun schon im Frühjahr nach blühenden Bäumen und Sträuchern um. "Das Grün in der Großstadt ist ein großer Reichtum", sagt Szibbat. Zuhause fühle sie sich, wenn sie wisse, "wo was kreucht und fleucht" - in Ruhort kenne sie viele Ecken mit Pflanzen und wild lebenden Tieren.

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Eigentlich entwirft und fertigt Astrid Szibbat in ihrem Atelier Hüte. Auch ihre Wohnung hat sie im gleichen Haus. Hinter den Arbeitsräumen liegt der dichte blühende Garten. Im vergangenen Jahr Jahr bevölkerten die ersten Bienen Szibbats grünes Reich: "Ich habe einen Kursus beim Bienenmuseum in Rumeln gemacht - damit fing es an", erzählt sie. Das Museum bietet Kurse für alle Interessenten an - Anfänger, Fortgeschritten oder Schnupperkurse für Neugierige. Fasziniert habe sie an Bienen schon von Beginn an, wie gut organisiert die Insekten sind. Auch die Überlebensmechanismen der Tiere seien bewundernswert. Mittlerweile stark bedroht, unter anderem durch die Varroamilbe, würden die Bienen sich immer was Neues einfallen lassen, um zu überleben.

Nach dem Imker-Kursus habe sie mit einem sogenannten Ableger eines Bienenvolkes begonnen. "Bei einem großen Volk, das auch direkt Honig produziert, hätte ich mal eben 30.000 Bienen auf dem Gewissen, wenn was schiefgeht", begründet sie ihre Entscheidung. Sie habe anfangs ihr kleines Volk wachsen lassen. Deswegen erntet sie dieses Jahr zum ersten Mal - vorher brauchten die Bienen den Honig selbst. Umso besser sei das Ergebnis ausgefallen: Auf zirka dreißig Kilo Honig schätzt die Hobby-Imkerin die Ernte bisher. "Ich habe gehört, das ich damit wohl ziemlich zufrieden sein könnte - vor allem bei den massiven Wetterumschwüngen, die es diesen Sommer gab", sagt sie.

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Doch wie schmeckt Ruhrort aus dem Glas eigentlich? Szibbat verkauft zwei Honigsorten aus zwei Ernten - aus dem Frühjahr und aus dem Sommer. "Im Honig vom Ruhrorter Sommer steckt viel Linde drin", antwortet Szibbat. Im "Ruhrorter Frühling" soll ein großer Teil des Nektars von Kirschblüten, Robinie und dem Ahorn stammen. Und der Honig schmecke deutlich anders als der im Supermarkt. "Ich habe gar nicht so viel Honig gegessen, bis ich eigene Bienen hatte", erzählt sie. "Jetzt habe ich aber immer ein offenes Glas bei mir stehen", sagt sie - wohl auch um zwischendurch zu naschen.

Quelle: RP
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