| 10.25 Uhr

Duisburg
Der Volksgeiger

Duisburg. David Garrett machte auf seiner "Recital"-Tour Station in der ausverkauften Mercatorhalle. Zumindest bei Maurice Ravels hyper-virtuoser Konzert-Rhapsodie "Tzigane" waren alle begeistert. Von Ingo Hoddick

Zu David Garretts Konzerten kommen überwiegend nicht die Kenner und Liebhaber der klassischen Musik – auch wenn er, wie bei seiner aktuellen "Recital"-Tour, mal kein Crossover macht. Da kommen Menschen, die den 29 Jahre jungen Violin-Weltstar kennen, aber nicht die aufgeführten Werke. Die oft gegen das Fotografierverbot verstoßen, manchmal langsame Sätze nervös zerhusten und vor allem bei mehrsätzigen Sonaten zwischendurch ebenso ahnungs- wie gnadenlos die Spannung und die Atmosphäre lautstark zerklatschen.

Sie treffen auf einen Schlacks mit Dreitagebart und Haarzopf, der in Jeans und offenem Hemd unter dem lockeren Sakko dann lässig auf dem Barhocker sitzend spielt und der den Saal erstmal begrüßt mit "Hallo Duisburg".

Aber wer so makellos und suggestiv Geige spielen kann, der darf das auch. Denn zusammen mit seinem mehr als soliden Klavier-Kollegen Julien Quentin bringt er auf seiner Frühjahrs-Tournee zwischen dem Wiener Konzerthaus und der Dresdner Semperoper, konkret zwischen der Düsseldorfer Tonhalle und dem Karlsruher Brahms-Saal, in der ausverkauften Duisburger Mercatorhalle die subtile Kammermusik auch solchen Leuten nahe, die zuvor wenig damit anzufangen wussten.

Ein wahres Feuerwerk

Da wird sogar die sowieso leidenschaftliche, aber eben auch in jeder Hinsicht anspruchsvolle Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 d-Moll op. 108 von Johannes Brahms durchaus massentauglich. Sicher, man mag die Spielweise des gebürtigen Aacheners hier manieriert nennen. Ein lebendiger Vortrag war es aber ganz sicher.

Dagegen blieben die Aufführungen der beiden im engeren Sinne klassischen Werke nach der Pause, nämlich der Sonaten für Klavier und Violine (in dieser Reihenfolge) Nr. 18 G-Dur KV 301 (293a) von Wolfgang Amadeus Mozart und Nr. 5 F-Dur op. 24 "Frühlingssonate" von Ludwig van Beethoven, weitgehend an der glatten Oberfläche.

Nur bei einem einzigen Programmpunkt lagen der Komponist, das Werk, der Geiger, der Pianist und das Publikum (und der Kritiker) ganz auf einer Linie, nämlich bei Maurice Ravels hyper-virtuoser Konzert-Rhapsodie "Tzigane". Das war ein wahres Feuerwerk. Und natürlich bei David Garretts drei Zugaben, nach dem Motto "Ihr werdet mich jetzt nicht mehr los". Fritz Kreislers "Liebesleid" fehlte hier jeder Wiener Schmäh, aber so geht es ja auch. Niccolò Paganinis knifflige Variationen über "Mein Hut, der hat drei Ecken", pardon: "Karneval in Venedig" waren ebenso willkommen wie abschließend ein amerikanisches Volkslied von Stephen Foster.

Quelle: RP
 
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