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Duisburg
Detailbewusster Chefdirigent

Duisburg: Detailbewusster Chefdirigent
Axel Kober bei der Arbeit. FOTO: Susanne Diesner
Duisburg. Im jüngsten, vierten Philharmonischen Konzert in der ausverkauften Philharmonie Mercatorhalle trat Rheinopern-GMD Axel Kober sein "Amt" als interimistischer Chefdirigent der Duisburger Philharmoniker erfolgreich an.

Bis 2019 werden die Duisburger Philharmoniker keinen Generalmusikdirektor haben. Um die Kontinuität zu gewährleisten, ist Axel Kober, seit 2009 GMD der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, in dieser Zeit Chefdirigent mit jeweils drei der zwölf Programme pro Saison (ein GMD hat sechs). Damit der oder die neue GMD im September 2019 sein oder ihr Amt antreten kann, sind die neun Gastdirigenten der laufenden Saison 2017/18 zugleich GMD-Kandidaten.

Im jüngsten, vierten Philharmonischen Konzert in der ausverkauften Philharmonie Mercatorhalle trat Kober jetzt sein "Amt" an. Im Vorfeld hatte er angekündigt, gründlich mit den verschiedenen Instrumentengruppen arbeiten zu wollen. Hier stand dafür zunächst die Serenade für 13 Bläser Es-Dur (1881) des 17-jährigen Richard Strauss.

Das kaum zehnminütige Werk in einem Satz verlangt nach filigraner Feinarbeit, nach perfekter Intonation und Transparenz, zugleich nach sensibler romantischer Stimmung. Das erreichten der Chefdirigent und die philharmonischen Bläser mit viel Detailbewusstsein weitgehend, fast schon zu vorsichtig, dagegen in den Tempoübergängen fast schon zu frei.

Auch das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 25 C-Dur KV 503 (1786) von Wolfgang Amadeus Mozart stellt mit seinem großen Gestus und seinen differenzierten Farben besondere Anforderungen insbesondere an die Bläser. Das Orchester balancierte geschickt auf diesem stilistisch schmalen Grat, wobei die Streicherbesetzung und das Vibrato angemessen reduziert waren. Als Solistin trat die bewährte Britin Imogen Cooper in einen wundervollen Dialog mit den Philharmonikern, leider vor allem im Kopfsatz etwas zu glatt durch die Sechzehntelketten rauschend, aber spätestens im Finale eine große Portion Humor an die Kollegen weiterreichend. Das steigerte sich zu großer Kunst und dazu passte die witzige Zugabe, die Bagatelle op. 33 Nr. 7 von Ludwig van Beethoven.

Da war es keine Überraschung mehr, dass auch die längste Komposition des Abends nach der Pause sehr gelungen herüberkam: Beethovens populäre Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 (1807/08), besser bekannt unter dem Titel "Pastorale". Als gewiefter Operndirigent versteht es Kober, auch solchen fast statischen Werken einen dramatischen Atem einzuhauchen.

Das ist eben "mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei", wie es der Komponist selbst formulierte. Manches wirkte fast übermütig, die Effekte von Gewitter und Sturm hätten dagegen noch drastischer sein können. Die Zuhörer jedenfalls jubelten. Klar, dass Kober seine Blumen hernach weitergab an die erstklassige neue Solohornistin Magdalena Ernst.

Der Tscheche Radek Baborák hat das Duisburger Publikum vor einigen Spielzeiten als "Artist in Residence" (Gastkünstler) mit seiner temperamentvollen Bravour begeistert, sein rumänischer Kollege (und inzwischen guter Freund) Ioan Ratiu wirkte mehr als drei Jahrzehnte als Solohornist der Duisburger Philharmoniker. Im nächsten, fünften Philharmonischen Konzert am 17. und 18. Januar 2018 sind sie die Solisten im Konzert Es-Dur für zwei Hörner und Orchester von Joseph Haydn.

Der Gastdirigent Michele Gamba rahmt romantisch mit der Konzertouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt" op. 27 von Felix Mendelssohn und der Sinfonie Nr. 8 C-Dur D 944 "Große" von Franz Schubert.

Karten gibt es am einfachsten im Internet unter karten@theater-duisburg.de

INGO HODDICK

Quelle: RP
 
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