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Duisburg
Deutsch ist populärer, als man denkt

Duisburg. Prof. Dr. Ulrich Ammon hat ein 1300 Seiten starkes Buch über die Stellung der deutschen Sprache in der Welt herausgegeben. Darin werden die Ergebnisse von mehr als 200 Forschungsprojekten widergespiegelt.

Deutsch kommt international häufiger vor, als man zunächst vielleicht annehmen könnte. "Wer regelmäßig Nachrichten und Auslandsberichte im deutschen oder österreichischen Fernsehen schaut, dem fällt vielleicht auf, dass die Reporter in vielen Ländern Gesprächspartner finden, die Deutsch sprechen", so Prof. Dr. Ulrich Ammon in der Einleitung seines neuen, 1300 Seiten starken Buchs über die Stellung der deutschen Sprache in der Welt. Es spiegelt die Ergebnisse von mehr als 200 Forschungsprojekten wider, die der emeritierte Sprachexperte der Universität Duisburg-Essen (UDE) zur deutschen Sprache und ihrem Verhältnis zu den anderen Weltsprachen durchgeführt hat.

Sprachliche Supervielfalt gibt es in zahlreichen Großstädten der Welt. So werden in Essen zum Beispiel mehr als 120 verschiedene häusliche Sprachen gesprochen. Oft redet man jedoch auf Englisch miteinander angesichts der zunehmend engen internationalen Kontakte. Auch die neuen Medien benötigen eine globale Sprache, die von allen verstanden wird. Der fast konkurrenzlose Aufstieg von Englisch zur weltweit dominierenden Sprache begann erst nach dem Ersten Weltkrieg. Zuvor war Deutsch die Sprache der Wissenschaft und Französisch die Diplomatensprache.

Ein Indiz für die intensive Internetnutzung der Deutschsprachigen ist auch die starke Stellung der deutschen Sprache in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia: Zunächst rangierte Deutsch auf dem zweiten Platz, jetzt auf Rang drei (hinter Englisch und Niederländisch). Ammon: "Die deutsche Sprache spielt heute im Internet eine durchaus merkliche Rolle, wenn auch in der zweiten Liga, auf ähnlichem Niveau wie Spanisch, Portugiesisch, Arabisch oder Französisch."

Das Buch gibt einen theoretisch und methodisch sorgfältig begründenden Gesamtüberblick über Deutsch in allen Ländern und Regionen der Welt, jeweils einschließlich der neueren Geschichte. Es grenzt zunächst die deutsche Sprache gegen alle anderen Sprachen ab und zeigt dann ihre Verankerung und Ausprägung als staatliche Amtssprache in sieben Ländern, in vielen anderen als anerkannte Minderheitssprache sowie in sonstiger weltweiter Verbreitung.

Große Kapitel befassen sich mit ihrer Funktion als Sprache der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Diplomatie, des Tourismus, der Medien einschließlich Internet, der Sprachkunst und Vokalmusik sowie des Fremdsprachenunterrichts und als Studienfach. So wird zum Beispiel in Japan der vierte Satz von Beethovens neunter Symphonie ("Ode an die Freude") zum Jahresende in vielen Städten von großen Laienchören gesungen, und zwar ausschließlich im Originaltext.

Deutsch wird rund um die Welt gelernt, aber nicht wegen der verhältnismäßig geringen Sprecherzahl, sondern wegen der Wirtschaftskraft der deutschsprachigen Länder oder auch aus Tradition. Ammon: "Es darf natürlich aber nicht übersehen werden, dass Deutsch sich unter den Bedingungen der heutigen globalen Kommunikation zu behaupten hat. Und diese Bedingungen werden nun einmal bestimmt durch konkurrierende internationale Sprachen und die Weltsprache Englisch."

Dargelegt wird, welche Vorteile die starke internationale Stellung einer Sprache für ihre Sprecher hat. Daraus werden dann die sprachenpolitischen Interessen der Mutterländer abgeleitet. Ebenso werden die Konflikte deutschsprachiger Akteure in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik analysiert. Ammon: "Sie würden international ja gerne die eigene Sprache sprechen, um deren Stellung zu stützen, können aber damit oft ihre Kernaufgabe schlechter erfüllen als beim Gebrauch einer anderen Sprache, vor allem Englisch." Anhand detaillierter Analysen werden Lösungen für solche Konflikte sowie die Gründe für häufiges faktisches Scheitern verdeutlicht.

Abschließend wird die auswärtige Sprachpolitik der deutschsprachigen Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein) analysiert, die - zum Beispiel über die Goethe-Institute - die Stellung der deutschen Sprache stärken oder erhalten möchten. Ammon: "Wie vorteilhaft es für die deutschsprachigen Länder ist, wenn breite Deutschkenntnisse im Ausland vorhanden sind, zeigt sich unter anderem dann, wenn es gilt, Zuwanderer oder Flüchtlinge zu integrieren oder ausländische Fachkräfte zu gewinnen."

Quelle: RP
 
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