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Duisburg
Deutsch lernen heißt ankommen

Duisburg: Deutsch lernen heißt ankommen
In den Räumen des Landfermann-Gymnasiums lernen Menschen aus Eritrea und Syrien Deutsch. Die meisten Flüchtlinge kommen freiwillig und sind hochmotiviert, sagen die Lehrer wie Rudolf Junk. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Die Volkshochschule bietet Deutschkurse für Flüchtlinge an. Für 300 Asylbewerber hat sie 2015 Kurse eingerichtet und die Anmeldungen wachsen weiter. Fast alle kommen freiwillig. Die RP hat einen Kursus besucht. Von Franziska Hein

Wunderbar, fantastisch, allerdings, trotzdem und genau - das sind die deutschen Lieblingswörter von Isabell, Jussi, Ibrahim und Abdi. Die vier lernen seit eineinhalb Jahren Deutsch in einem Integrationskurs der Volkshochschule Duisburg (VHS). Von Mittwoch bis Freitag sitzen sie nachmittags in einem Klassenraum des Landfermann-Gymnasiums an der Nahestraße, den die VHS für ihre Sprachkurse nutzt.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Isabell ist 21 Jahre alt und kommt aus Guinea, sie hat eine vier Jahre alte Tochter und arbeitet als Zimmermädchen. Das erzählt sie den anderen Kursteilnehmern auf Deutsch. Das muss sie für die Sprachprüfung können, mit der sie den Kursus abschließen möchte. Eigentlich ist es dafür noch zu früh, aber Isabell will trotzdem versuchen, das B1-Zertifikat zu bekommen. Jussi (24) kommt aus Eritrea, er hat einen Bachelor in Buchhaltung, erzählt er. Ibrahim kommt wie Isabell aus Guinea, er ist 21 Jahre alt. Vor einem Jahr und sechs Monaten kam er nach Deutschland, erst hier lernte er Lesen und Schreiben.

Alle vier können Deutsch schon sehr gut verstehen. "Sprechen ist schwer", sagt Abdi. Der 19-Jährige hat sein Käppi schräg auf den Kopf gesetzt und lehnt sich auf seinem Stuhl zurück. Er kommt aus Somalia. Seit zweieinhalb Jahren ist er in Deutschland, er hat einen Aufenthaltstitel.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

Die Kursleiterin Frau S., die aus persönlichen Gründen ihren vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, ist stolz auf den Lernfortschritt ihrer Schüler. Sie gibt auch Integrationskurse bei der VHS, in denen keine Flüchtlinge sind. "Das Arbeiten mit Abdi und den anderen ist schon anders", sagt sie. "Sie kommen freiwillig, ihre Motivation ist höher als bei manchen Teilnehmern, denen das Jobcenter den Integrationskurs verordnet."

Hohe Motivation und ein schneller Lernerfolg - das stellt auch Barbara Aldag, Leiterin des Fachbereichs Sprachen, fest. Donnerstags ist der Flur, auf dem sich ihr Büro befindet, voll mit Menschen, die sich zu einem Deutschkurs anmelden wollen. Drei Kurse hat sie seit September eingerichtet. Auf ihrem Schreibtisch liegt jetzt schon eine dicke Mappe mit Anmeldungen für den nächsten Kursus, der am 9. November beginnt.

Sechs Mitarbeiter, zwei feste und vier Honorarkräfte, führen donnerstags Interviews und machen einen kurzen Schreibtest mit den Flüchtlingen, um Vorbildung und Sprachniveau einzuschätzen. "Diese Nachfrage können wir mit unserem festen Personal nicht mehr bearbeiten", sagt Gerhard Jahn, Leiter der VHS. Fördergelder von Bund und Land machen es möglich, auf die Lage zu reagieren. Der Anteil, den Stadtverwaltung und VHS beisteuern müssen, sei gering.

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Derzeit lernen rund 300 Asylbewerber Deutsch, dazu kommen 200, die bereits bestehende Integrationskurse besuchen. Wie viele Kurse es gibt, kann Aldag nicht beziffern. Pro Kopf werden aber 300 Kursstunden bezahlt.

Auch nach ihren Prüfungen wollen Isabell und die anderen Kursteilnehmer weiterlernen. Sie haben Träume und Ziele: Isabell möchte als Krankenpflegerin arbeiten, Jussi interessiert sich für Politik, Ibrahim möchte Wissenschaftler werden und Abdi kann sich noch nicht entscheiden, ob er lieber eine Ausbildung zum Maler und Lackierer machen möchte oder Koch wird.

Quelle: RP
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