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Duisburg
Mit der Gesundheit Geld verdienen

Deutsches Gesundheitssystem: Mit der Gesundheit Geld verdienen
Der große Saal ist stets voll, wenn die Rathausgespräche stattfinden. FOTO: Stadt Duisburg
Duisburg. Das 15. Rathausgespräch blickt vor allem auf die wirtschaftliche Orientierung des deutschen Gesundheitssystems. Von Jan Luhrenberg

Das deutsche Gesundheitssystem bietet seit vielen Jahren schon Anlässe, um es kritisch zu beäugen. Im Rahmen des 15. Rathausgespräches am kommenden Sonntag hinterfragen die Podiumsgäste den großen Umbruch im System, der dazu führen könnte, dass sich die medizinische Versorgung für Patienten verschlechtert.

Innerhalb des Gesundheitssystems wird ein Trend immer offensichtlicher: Konzerne wie Sana oder Helios übernehmen Krankenhäuser und etablieren Ketten. Prof. Dr. Wilhelm Sandmann, Initiator des Rathausgesprächs, vergleicht diese Entwicklung mit Billigsupermärkten: "Es ist wie bei Aldi", erklärt der renommierte Gefäßchirurg. "Krankenhäuser wollen zunehmend besser wirtschaften und größere Mengen zu günstigen Preisen einkaufen." Dafür sei es nötig, dass mehrere Krankenhäuser unter einer Feder laufen.

Der Einfluss der Wirtschaft auf das Gesundheitswesen und auf die Versorgung des Patienten steht am Sonntag, ab 11 Uhr, im Vordergrund, wenn die Podiumsgäste im Rathaus das Thema diskutieren. "Der kranke Riese: Wie geht es mit der medizinischen Versorgung weiter?" heißt der offizielle Titel der Gesprächsrunde.

Angefangen hat der Trend laut Sandmann mit der Gründung der Rhön-Kliniken in Deutschland. Diese gelten als erste ihrer Art, die herzchirurgische Eingriffe in Deutschland günstiger anbieten konnten. "Zuvor mussten Patienten mit einem Beschluss der Regierung in die USA transportiert werden", sagt Sandmann. Das Modell der Rhönklinik wurde im Anschluss von vielen anderen Instituten kopiert.

Teilnehmen wird zum ersten Mal auch der Initiator Prof. Dr. Wilhelm Sandmann selbst, der als Chirurg eigene Erfahrungen gemacht hat, über die er berichten wird. Ihre Anwesenheit zugesagt haben auch Wilfried Jacobs, Geschäftsführer des Instituts für patientenorientierte Versorgungsablaufforschung, sowie Boris Augurzky, Leiter des Bereiches "Gesundheit" am RWI-Leibniz-Insitut für Wirtschaftsforschung. Komplettiert wird die Runde von Carlos Gebauer, der als Medizinrechtler vor allem die Frage nach der Korrektheit der Konzernmacht im Medizinsektor beantwortet. "Mit seinen Erfahrungen aus vielen Rechtsstreitigkeiten kann er Einblicke in die Ecken liefern, in denen es Konflikte gibt", so Josip Sosic von der Volkshochschule, die Mitveranstalterin der Rathausgespräche ist.

Zudem wird auch ein Blick in die Zukunft gewagt. Verbessern oder schaden die Konzerne mit ihren strikten Vorgaben das Gesundheitssystem? Führt der Weg zurück zu den Wurzeln, an denen vornehmlich Klöster Krankenhäuser betrieben? Eines ist für Sandmann sicher: "Es ist ein unangenehmer Zug, mit Krankheit Geld zu verdienen." Es müssten Lösungen her. Neben der Kommerzialisierung stehen auch weitere Konfliktpunkte auf dem Plan. Es wird diskutiert, ob das gängige Klischee stimmt, dass nur ein privat versicherter Patient eine adäquate medizinische Versorgung erhält. Zudem soll erläutert werden, ob das Personal im Gesundheitssystem ausreichend entlohnt wird und warum ein und dieselbe Leistung zwischen hundert und mehreren tausend Euro kosten kann. "Die Diskussion weckt enormes Interesse bei den Bürgern, obwohl sie kein Mainstream-Thema für ein Rathausgespräch behandelt", sagt Sandmann. Bis auf einzelne freie Plätze sei der Saal schon komplett ausgebucht. Der Andrang ist leicht zu erklären: Gesundheit betrifft jeden und die vielen Bewegungen im Gesundheitssystem gilt es zu hinterfragen. "Es werden Themen behandelt, die die Allgemeinheit interessieren sollte", erklärt Sosic.

Die Teilnahme am 25. September ab 11 Uhr ist kostenlos. Es ist aber eine verbindliche Anmeldung nötig unter 0203 283 2206 oder a.thierfelder@stadt-dusiburg.de

Quelle: RP
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