| 18.04 Uhr

Duisburg
Die Einsicht kommt zu spät

Duisburg. Beim traditionsreichen Polstermöbelunternehmen Elastoform sollen 130 Arbeitsplätze am Standort Rheinhausen gestrichen werden. Mittwoch demonstrierte die Belegschaft gegen den Stellenabbau. Elastoform-Chef Gerd Axel Brinkel gesteht Managementfehler ein. Von Nils Herrmann

Etwa 200 Beschäftigte des Rheinhauser Polstermöbelherstellers Elastoform versammeln sich vor dem Werkstor an der Hochstraße. Fröstelnd harren sie in der Kälte aus. In ihre geröteten Gesichter steht Wut und Verzweiflung geschrieben. Sie entrollen Transparente. Auf einem prangt in großen Lettern "Wir waren immer da für Elastoform" – eine trotzige Anklage in Richtung der Geschäftsleitung, von der sich viele Demonstranten allein gelassen fühlen.

Bei einer Betriebsversammlung kündigte Elastoform-Chef Gerd Axel Brinkel gestern an, von den insgesamt 330 Stellen in Rheinhausen 130 zu streichen. Um den Standort zu erhalten, sei er zu diesem Schritt gezwungen. "Wir reagieren damit auf die Finanzkrise und die schwierige Absatzsituation auf dem Möbelmarkt", erklärte Brinkel gegenüber unserer Zeitung.

Teile der Produktion verlagern

Betroffen sind vor allem die Schreinerei und Näherei. Diese Arbeitsbereiche sollen nach Polen und in die Slowakei verlagert werden. Dort besitzt der Polstermöbelhersteller weitere Werke. Laut Betriebsrat Wilfred Siewior soll aber auch die Hälfte der Verwaltung am Standort Rheinhausen abgebaut werden. Dazu die Instandhaltungs- und Reparaturabteilung. "Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen", versicherte Siewior gestern.

Vor zwei Jahren haben die Elastoform-Arbeiter schon einmal um Jobs kämpfen müssen. Damals sollte die Näherei am Standort Rheinhausen bereits nach Polen ausgelagert werden. 40 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Der Protest verlief erfolgreich, die Geschäftsleitung zog ihre Pläne zurück. Allerdings nicht, ohne Zugeständnisse einzufordern. "Im Beschäftigungssicherungsvertrag haben wir auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet. Jeder von uns hat pro Jahr 140 Stunden umsonst gearbeitet", so Siewior. Doch mit dem eingesparten Geld habe die Geschäftsleitung nichts unternommen, um den Standort Rheinhausen zu erhalten. Stattdessen sehe die Lage heute ernster aus, als je zuvor.

Betriebsrat und IG Metall machen Elastoform-Chef Gerd Axel Brinkel für die Schieflage verantwortlich. "Es fehlen innovative Produkte und eine zeitgemäße Lagerhaltung", erläutert IG Metall-Sekretärin Petra Ahl. Brinkel habe "schwere betriebswirtschaftliche Fehler" begangen. "Und die Arbeitnehmer müssen das jetzt ausbaden."

Im Gespräch mit unserer Zeitung räumte der Geschäftsführer gestern Versäumnisse ein, die ihm auch von einer hinzugezogenen Beratungsfirma attestiert worden seien. "Ja, ich habe Fehler im Innovations- und Marketingbereich gemacht und es erschüttert mich zutiefst, dass 130 Arbeitsplätze verloren gehen." Aber wenn die Maßnahme greife, dann werde der Standort Rheinhausen eine "positive Zukunft haben".

Die späte Einsicht nützt den 130 Beschäftigten, denen gekündigt werden soll, allerdings wenig. "Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei 46 Jahren", weiß Betriebsrat Wilfred Siewior. Viele Kollegen seien zu alt, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. "Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt", sagt er bitter.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Die Einsicht kommt zu spät


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.