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Duisburg
Die Freiheit eines Christenmenschen

Duisburg. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, sprach im Rahmen einer Vorlesungsreihe in der voll besetzten Salvatorkirche. Von Olaf Reifegerste

Im Rahmen einer Vortragsreihe über die Freiheit in den Religionen machte am Donnerstag der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Station in der Duisburger Salvatorkirche und referierte zum Thema "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Das Referat bildete gewissermaßen die zeitliche Mitte der fünfteiligen Vortragsreihe, die von der Universität Duisburg-Essen und den evangelischen Kirchenkreisen Duisburg und Essen in beiden Städten veranstaltet wird. Während des rund zweiwöchigen Veranstaltungszyklus' stellen ausgewiesene Fachleute muslimische, jüdische, christliche und buddhistische Sichtweisen von Freiheit vor.

"Von der Freiheit eines Christenmenschen", ließ Bedford-Strohm gleich zu Beginn seines Vortrags die große Zuhörerschaft wissen, sei der Titel der wohl berühmtesten und für ihn wichtigsten und brillantesten Schrift Martin Luthers. Und diese führe mitten hinein in die Theologie der Reformation. Ein Satz des Paulus im Zweiten Korintherbrief über die Freiheit habe ihn, Bedford-Strom, schon immer fasziniert. Dort heißt es: "Der Herr ist der Geist, und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit".

Ausgehend davon sei Freiheit eben das zentrale Thema der Reformation. Es war für Luther zentral und sei es noch heute, fügte der 1960 in Memmingen geborene Geistliche hinzu. Als Beispiele aus der jüngeren Geschichte nannte er Martin Luther King, der seine berühmte "I have a dream"-Rede mit den Worten enden ließ: "Free at last" - "endlich frei". Auch den südafrikanischen Ex-Präsidenten Nelson Mandela zitierte er mit den Worten: "A long walk to freedom" - "ein langer Weg zur Freiheit". Bedford-Strohm sprach davon, dass für den Reformator Luther ein bestimmtes Stichwort besonders wichtig und so etwas wie das Tor zur Freiheit gewesen sei, nämlich die Botschaft von der Rechtfertigung allein aus Glauben und nicht aus den Werken. "Rechtfertigung, so hat er in seiner Freiheitsschrift dargelegt, heißt innere Freiheit und es heißt zugleich äußere Freiheit. Wie beides miteinander in Beziehung steht, ist das zentrale Thema seiner Schrift", sagte Bedford-Strohm.

Und diese Schrift beginne mit zwei Thesen, die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen: Erste These: Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Zweite These: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan. "Die Konsequenz der ersten These - "niemandem untertan" - drückt sich heute aus in dem, was wir 'Zivilcourage' nennen", so Bedford-Strohm. Menschen stünden zu dem, wovon sie überzeugt sind. Menschen folgten ihrem Gewissen aber auch dann, wenn die Autoritäten etwas anderes sagen würden. "Ganz dem Gewissen zu folgen, weil wir wissen, dass wir am Ende nur Gott selbst verantwortlich sind" - das sei innere Freiheit.

Anders dagegen interpretiert er die zweite These. Weil heute nämlich der Schutz des Individuums vor Ansprüchen Dritter allzu gern zum alleinigen Zentrum gemacht und infolgedessen den Freiheitsbegriff individualistisch verengen würde, könne Freiheit nie wirklich Freiheit sein, wenn sie nicht gleichzeitig auch ein Dienst am Nächsten sei. Freiheit brächte im Sinne Luthers nämlich immer auch Verpflichtungen mit sich, so der EKD-Ratspräsident.

Zusammengefasst hieße das, sagte er: "Freiheit ist immer nur dann Freiheit, wenn sie nicht gegen die Nächstenliebe, sondern mit der Nächstenliebe zusammen gedacht wird. 'Ich bin frei zum Dienst am Nächsten', würde Luther sagen. Und: Freiheit dürfe man nie ohne soziale Gerechtigkeit verstehen, womit wir beim Thema von der Teilhabe der Schwachen sind. Denn diese muss in jedem Fall gewährleistet sein."

In zwei weiteren Kapiteln seines Vortrages ging Bedford-Strohm zum einen auf Luthers weitgehend unbekannte Wirtschaftsethik ein, zum anderen auf die Rolle von Kirche heute.

Sein Schlussbekenntnis lautete: "Die größte Überzeugungskraft entwickelt die christliche Botschaft, wenn sie ausstrahlt, wovon sie spricht. Der christliche Glaube bekommt seine Kraft nicht aus der Abgrenzung, sondern aus der eigenen Glaubensgewissheit. Ich wünsche mir, dass wir Christen überzeugend von unserem Glauben erzählen können und dass man uns die zentrale Aussage unseres Glaubens abspürt: dass in Jesus Christus Gottes Liebe Mensch geworden ist. Wir bezeugen ihn dann am klarsten, wenn wir den Frieden und die Versöhnung, die mit Christus in die Welt gekommen ist, selbst ausstrahlen. Genau das ist der Kern dessen, was wir in der christlichen Tradition Freiheit nennen."

Quelle: RP
 
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