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Duisburger Geschichte und Geschichten
Die Freimaurer in Duisburg

Duisburger Geschichte und Geschichten: Die Freimaurer in Duisburg
Thomas Bylicki (l.) und Peter Heyden sind zwei führende Köpfe der Duisburger Vereinigung, die für Humanität und Toleranz steht. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Wer sich mit der fast 200-jährigen Tradition Duisburger Freimaurerei befasst, stößt auf viele Verknüpfungen mit der Stadtgeschichte. Am Samstag wurde das neue Logenhaus an der Friedenstraße eingeweiht. Von Harald Küst

Am Samstag, wurde das neue Logenhaus der Duisburger Freimaurer an der Friedenstraße 100 eingeweiht. Am Rande des offiziellen Teils der Einweihungsfeier beantworteten die Freimaurer viele Fragen über den Sinn und den Alltag der Freimaurer. Weder geheimnisvoll noch verschlossen wirkten die Vereinsmitglieder in den Gesprächen mit den Besuchern. Die Logenbrüder bemühten sich, Transparenz zu schaffen und Einblicke zu gewähren.

Wer sich mit der fast 200-jährigen Tradition Duisburger Freimaurerei befasst, stößt auf viele Verknüpfungen mit der Stadtgeschichte. Prominente Duisburger Wirtschaftspioniere des 19. Jahrhundert, wie Böninger, vom Rath, Davidis oder Carstanjen waren allesamt Freimaurer, die den wirtschaftlichen Aufschwung und die Stadtentwicklung prägten. Aus diesem Umfeld erwuchs auch die Initiative zur Gründung der Duisburger Handelskammer im Jahre 1831.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Duisburger Loge einen weiteren Aufschwung. Zu dieser Zeit brachte die Industrialisierung eine Verschärfung der sozialen Probleme. Dies wurde von den Logen erkannt und die Freimaurer verstärkten ihr Engagement in den Bereichen Bildung und in der Armen- und Krankenfürsorge. So unterstützte zum Beispiel die Duisburger Loge "Zur deutschen Burg" weiterhin die von ihr gegründete Sonntagsschule, die später "Handwerker-Fortbildungsschule" hieß. Was viele nicht wissen: Das Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg entstand aus der von Freimaurern geförderten Sonntagsschule.

Der Aufschwung der bürgerlichen Schichten und liberaler Strömungen brachte der Loge weiteren Zulauf. Trotz engagierter Arbeit im Bereich Bildung und Wohlfahrt gerieten die Freimaurer Ende des 19. Jahrhunderts in schwieriges Fahrwasser. Wirre Verschwörungstheorien in Leo Taxils "Enthüllungsbüchern" dienten der Skandalisierung, obwohl sie sich als Riesenschwindel erwiesen. Die katholische Kirche drohte den Freimaurern gar mit der Exkommunizierung. Intrigen von außen, aber auch unterschiedliche interne Strömungen wie Nationalismus und aufkommender Antisemitismus markierten diese kritische Phase. Identifikation mit dem preußischen Kaiserhaus und Patriotismus überlagerten die freimaurerischen Tugenden wie Brüderlichkeit und Toleranz.

Umso schmerzlicher waren die Erfahrungen des ersten Weltkrieges, der nachfolgenden Wirtschaftskrise und des Zusammenbruchs der Weimarer Republik. Freimaurer gerieten ins Visier der Nationalsozialisten. Hetzkampagnen unter Erich Ludendorff gegen die Freimaurer folgten.

Der Nazi-Terror und Angst vor Verfolgung erstickten den passiven Widerstand. Im Juni 1935, unter dem massiven Druck der Gestapo, lösten sich schließlich die preußischen Großlogen selbst auf. Damit kam auch das Ende für die Duisburger Loge "Zur Deutschen Burg", die zum Schluss nur noch 13 Mitglieder zählte. Grundstück und das Gebäude am Kuhlenwall 12 mit Terrasse, Garten und Weinkeller wurden weit unter Wert zwangsverkauft. Der ganze Besitz - Bibliothek, Archiv, Ritualgegenstände und historische Urkunden wurden konfisziert. Der Abriss des Logenhauses 1936 war eine Zäsur. Doch schon bald nach dem Ende von Krieg und Nazidiktatur fanden sich die in Duisburg verbliebenen Freimaurer wieder zusammen.

Mitte 1946 wurde die Loge dann als offene freimaurerische Vereinigung unter dem Namen "Zur Dreitürme Burg" genehmigt. Den Briten klang "Deutsche Burg" wohl noch zu suspekt. 1948 konnte die Loge aber wieder ihren alten Namen annehmen. Bis 1950 trafen sich die Duisburger Freimaurer in einem Büro am Schinkelplatz. Nach einer Zwischenstation an der Mülheimer Straße zog die Loge 1965 an die Königsberger Allee.

Im neuen Domizil an der Friedenstraße 100 stehen nunmehr auch Räumlichkeiten zur Verfügung, die für Veranstaltungen genutzt werden können. In ihrem gesellschaftlichen Engagement knüpft die Loge an ihre früheren Aktivitäten an. Das heutige Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg wird weiter durch die Loge unterstützt. Hinzu kommen Förderpreise für Schüler der Niederrheinischen Musikschule und das 1969 begründete Hilfswerk "Humanitas".

Die Mitglieder verpflichten sich zu Humanität und Toleranz "im Lichte aufklärerischer Werte" und arbeiten an der moralischen Vervollkommnung des Menschen. "Arbeit am rauhen Stein" nennen die Brüder das. Dass die Freimaurer aus mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften hervorgegangen sind, zeigt die Pflege historischer Rituale und die Terminologie: Der "Allmächtige Baumeister aller Welten", steht für ein allgemeines Schöpfungsprinzip und die Abstufung der Freimaurer in Lehrling, Geselle und Meister als Stufen der persönlichen Weiterentwicklung auf dem Weg zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Aufgenommen wird ein "Suchender" nur, wenn er sich im gestuften Prozess aktiv einbringt und anschließend ein positives Votum der Mitglieder erhält.

Quellen: "Unter Brüdern", Broschüre Zeitlupe zur Sonderausstellung des Kultur-und Stadthistorisches Museum aus dem Jahr 2000 sowie Festschrift der Freimaurerloge Duisburg.

Quelle: RP
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