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Duisburg
Die größte Lüpertz-Schau weltweit

Duisburg. Das Museum Küppersmühle für moderne Kunst widmet dem international bekannten Künstler und ehemaligen Düsseldorfer Akademie-Direktor Markus Lüpertz eine Einzelausstellung mit mehr als 80 Werken aus fünf Jahrzehnten. Von Peter Klucken

Er sei, so bekannte gestern Markus Lüpertz beim Pressegespräch im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, "mit klopfendem Herzen zur Ausstellung gekommen". Denn einige der Werke, die nun dort gezeigt werden, habe er selber seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Als die Stimmung in der großen Presserunde gerade feierlich zu werden schien, fügte Lüpertz schmunzelnd hinzu: "Und ich finde meine Arbeiten immer noch großartig!" Selten hat ein Pressegespräch in einem Museum so viel Spaß gemacht wie das gestrige in der Küppersmühle. Dabei könnte man meinen, dass Markus Lüpertz, einer der ganz Großen der deutschen Gegenwartskunst und unbestreitbar der am elegantesten gekleidete Künstler weltweit, eine heikle Persönlichkeit ist. Doch Lüpertz erwies sich als unkomplizierter Plauderer, der keiner Frage aus dem Weg geht und jeden Fragesteller ernst zu nehmen scheint. Dabei könnte einen der Ausstellungstitel "Kunst, die im Wege steht" glauben lassen, dass wir es im MKM mit einer Künstlerpersönlichkeit zu tun haben, die sperrig, spröde und unnahbar ist. Das ist aber nicht der Fall. Lüpertz Presseauftritt kann mit dafür sorgen, dass die Duisburger Ausstellung, die wohl größte Lüpertz-Einzelausstellung, die jemals gezeigt wurde, ein Erfolg wird.

Zu sehen sind im MKM mehr als 80 Werke des Künstlers, der am 25. April 75 Jahr alt wird und der seit 50 Jahren ein Teil der deutschen Gegenwartskunst ist. Die ausgestellten Arbeiten sind allesamt Bestandteil der gigantischen Kunstsammlung von Sylvia und Ulrich Ströher, die so groß ist, dass sie nur teilweise im MKM gezeigt werden kann. Deshalb soll das Museum auch vergrößert werden (die RP berichtete).

Der Ausstellungstitel ist übrigens eine Wiederholung: "Kunst, die im Wege steht" hieß 1966 eine der ersten Lüpertz-Schauen. Jetzt, 50 Jahre später, geht es unter demselben Motto um eine Übersicht über Lüpertz' bisheriges Lebenswerk. Seine Arbeiten seien geprägt von einer eigentümlichen Feierlichkeit, sagte gestern Museumsdirektor Walter Smerling, der Lüpertz schon viele Jahre persönlich kennt. Vor neun Jahren hatte Smerling für den WDR und ARTE einen Film über Lüpertz gedreht, bei dem die umstrittene Mozart-Skulptur in Salzburg eine wichtige Rolle spielt. Im Film sagt Lüpertz auf die Vorhaltung, dass ihn viele Menschen für arrogant halten: "Ich bin nicht arrogant. Ich bin ein Künstler, der hart arbeitet." (Der 45-minütige Smerlilng-Film ist im Museum zu sehen.) Gestern fügte Lüpertz in Anspielung auf seine auffallend elegante Kleidung hinzu: "Bei der Arbeit mache ich mich sehr schmutzig. Als Ausgleich ziehe ich mich danach schön an." Die gute Kleidung verstehe er auch als eine Form der Höflichkeit gegenüber seinen Mitmenschen.

Fast ging bei solcher Plauderei der Blick auf die einzigartige Ausstellung verloren. Wer das Museum betritt, bekommt zunächst einen kompakten Einstieg in das Gesamtschaffen des Künstlers. Danach geht es in lockerer Chronologie weiter. Neben vereinzelten Riesenformaten werden auch wichtige Zyklen aus verschiedenen Arbeitsphasen des Künstlers gezeigt, darunter der 33-teilige Dädalus-Zyklus oder die so genannte Parsifal-Reihe mit dem Untertitel "Männer ohne Frauen". Lüpertz will, wie er gestern sagte, "nichts Neues" schaffen, sondern "Individuelles". Er reibt sich zwar auch an der Gegenwart, aber er setzt sich stärker als andere mit der Geschichte der Kunst auseinander. Im Katalog zur Ausstellung ist das prägnant beschrieben: Lüpertz besetze "ein Niemandsland zwischen dem Erbe deutscher expressiver Kunst und der klassischen Moderne..."

Er wird wohl auch nichts dagegen haben, wenn wir ihn als jovialen Malerfürsten bezeichnen.

Siehe auch Artikel auf der Kulturseite im Hauptteil.

Quelle: RP
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