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Duisburg
Die Lebenswirklichkeit im Blick

Duisburg. Fast zwei Jahre wurde am neuen Duisburger Sozialbericht gearbeitet. Von Alfons Winterseel

Der neue Sozialbericht der Stadt soll als "Teilhabecheck zu den Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderung" verstanden werden. Gestern Nachmittag wurde er in einer gemeinsamen Sitzung des Sozialausschusses mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen und dem Seniorenbeirat vorgestellt. Er soll die Basis für die künftige Sozialpolitik der Stadt für diesen Personenkreis bilden.

Und dieser Personenkreis ist gar nicht so klein: Rund 108.000 Menschen sind in Duisburg betroffen, hinzu kommt noch eine Dunkelziffer, die diejenigen betrifft, die eigentlich zu diesem Personenkreis gehören, aber nicht erfasst sind. Zum Beispiel, weil sie noch keinen Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis gestellt haben.

Fast zwei Jahre lang haben sich Mitarbeiter der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Wacker mit Duisburger Zahlen, Daten und Fakten zu diesem Thema befasst. In zahlreichen Workshops mit Mitarbeitern der Verwaltung wurden sie aufgearbeitet und in einem fast 200-seitigem Bericht zusammengefasst. Sozialdezernent Reinhold Spaniel: "Die Erstellung des Berichts dauerte länger als alle bisherigen und hat mehr Kräfte gebunden."

Wichtig war dabei, dass der Sozialbericht "nicht ohne uns über uns" verfasst wurde. Und so traf man sich - auch an mehreren Wochenenden - zu den Workshops. Ziel des neuen Sozialberichtes ist es, die Möglichkeiten und Grenzen von Teilhabe in Duisburg sichtbar zu machen. Und dies vom Kleinkind bis ins hohe Alter, untermauert durch ein detailliertes Statistikmaterial. So sollte die Lebenswirklichkeit möglichst genau abgebildet werden. Prof. Elisabeth Wacker: "Duisburg hat mit diesem Bericht bundesweit eine Pionierleistung erbracht. Wir trafen hier auf eine große Offenheit und Bereitschaft zur Mitarbeit." Zwar gebe es in anderen Ländern solch ein Berichtswerk, in der Bundesrepublik auf kommunaler Ebene sei dies aber einmalig. Die Leiterin des Sozialamtes, Andrea Bestgen-Schneebeck, bescheinigt im Gegenzug den Wissenschaftler eine produktive Zusammenarbeit: "Wir haben viel gelernt. Die Zusammenarbeit hat dazu beigetragen, dass wir in diesem Bereich künftig besser aufgestellt sein werden." Der Bericht beleuchtet die Lebenslage von Menschen mit Handicaps, wozu auch ältere Menschen gezählt werden, die von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind, weil sie ohne Hilfe nicht mehr mobil sind, nicht gut hören oder sehen können. "Wir haben nach der Wirkung gesucht, nicht nach Maßnahmen", unterstreicht Prof. Wacker. Überrascht waren die Wissenschaftler davon, dass es in Duisburg Netzwerke gibt, die - zum Beispiel in der Gewaltprävention - weit ausgereift seien.

Die Zahl der Betroffenen ist in den vergangenen Jahren gestiegen - und sie wird durch die demographische Entwicklung weiter steigen. Eine weitere: Je nachdem, wo man in der Stadt wohnt und zu welcher sozialen Schicht man gehört, ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für diese Menschen leichter oder schwerer. Ein Punkt, an dem man nach Ansicht von Prof. Wacker ansetzen sollte.

Quelle: RP
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