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Duisburg
Die Macher von Kleve

Duisburg: Die Macher von Kleve
Die Burg der Grafen und Herzöge ist Wahrzeichen des Klever Landes. Der Schwan auf der Turmspitze erinnert an den Gralsritter Lohengrin, auf den sich die Grafen von Cleve beriefen. Die Burg der Grafen und Herzöge ist Wahrzeichen des Klever Landes. Der Schwan auf der Turmspitze erinnert an den Gralsritter Lohengrin, auf den sich die Grafen von Cleve beriefen. FOTO: Graupner
Duisburg. Die Stadt am Fuße der Schwanenburg feiert in diesem Jahr ihr 775-jähriges Bestehen. Zeit, um zurückzuschauen. Auf Personen, die Kleve geprägt haben. Die den Herzögen, die Kleve im ausgehenden Mittelalter zu einem Land im Mittelpunkt der Mächte machten, folgten. Von Matthias Grass

In Münster, am Rande der Verhandlungen um den westfälischen Frieden, nahm ihn der Große Kurfürst zur Seite und gab ihm einen Auftrag, den er nicht ablehnen konnte: Der Brandenburger schickte den altgedienten Prinzen Johann Moritz von Nassau-Siegen in die niederrheinische Provinz, das klevische Erbe Brandenburgs als Statthalter zu übernehmen und die Stadt nach den Verheerungen des 80-jährigen Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien wieder auf Vordermann zu bringen. Sie nach Berlin und Königsberg zur dritten Residenz seines neuen Reiches zu machen. Ihn zum Statthalter der Brandenburger in Kleve zu ernennen.

Nassau, dessen Hobbys Gartenanlagen und der damals damit verbundene Städtebau und die Architektur waren, krempelte die verträumte, mittelalterliche Stadt der Herzöge unter der großen Burg um. Radikal. Als Barockfürst brauchte er keine Rücksichten zu nehmen, Bürgerbeteiligungen und demokratische Prozesse waren unbekannt: so konnte er schalten und walten, wie er wollte, die Stadt radikal umbauen. Außerdem sah der Kurfürst Kleve als Transitstation an, niederländische Fachkräfte nach Brandenburg zu locken: Moritz vermittelte Baumeister, Festungsingenieure, Maler, Bildhauer und Handwerker an den Berliner Hof und war neben der Kurfürstin Louise Henriette von Oranien, die auch über Kleve nach Berlin gekommen war, der wichtigste Vermittler niederländischer Kunst in Brandenburg. Der Fürst hatte die Welt gesehen, hatte beim brasilianischen Recife die Mauritsstad angelegt, in Den Haag das Mauritshuis geschaffen und beschäftigte sich nach seiner Ernennung zum Herrenmeister des Johanniterordens in Brandenburg (1652) mit dem Ordensschloss zu Sonnenburg. Er holte Barockarchitekten, die aus der mittelalterlichen Burg zu Kleve eine barocke Residenz machten, es entstanden der Prinzenhof, die kleine Residenz Freudenberg.

Burgbauer Heinz Will FOTO: Museum Kurhaus

Das wichtigste aber war die neue Struktur der Stadt: Die Gartenarchitekten des Nassauers überzogen Kleve mit einem Straßen- und Alleensystem, das die Stadt bis heute prägt. Die Alleen, die als Sichtachse auf die Burg führen, die den Dachreiter der großen Kirche anpeilen, die die Landschaft einschließen. Schaut man genau hin, ist Kleve bis heute ein großer Park. Ein Park, der die Stadt auch zur dritten Blüte nach den Herzögen, nach dem Nassauer in die Bad-Cleve-Zeit führte - mit prächtigen Hotels und vor allem den neo-klassizistischen Villen reicher Niederländer. Der Höhepunkt ist das natürliche Amphitheater mit der Göttin Minerva und dem Gott Mars des Stuttgarter Bildhauers Balkenhol mit Blick bis nach Hochelten auf der anderen Rheinseite.

Das Alleensystem und die Villen entlang der Tiergartenstraße überstanden den Krieg - sie machen bis heute den Charme der Stadt aus. Der Rest war 1945 Ruine: Zwei verheerende Luftangriffe zerstörten die letzten Reste des Mittelalters, zerstörten die Bauten Moritz', legten die Stadt in großen Teilen in Schutt und Asche und zertrümmerten das Wahrzeichen von Region und Stadt. Die Burg war dahin. Zwar baute das Land die als Gericht genutzten Gebäudetrakte der Anlage wieder auf, aber die Türme sollten nicht dazu gehören. Dass man heute wieder hinauf in den Schwanenturm kann (dank der Sparkasse Rhein-Maas sogar über den Sommer bei freiem Eintritt) verdankt die Stadt Dr. Heinz Will. Der Rechtsanwalt mobilisierte die Bürgerschaft, der Schwanenturm wurde wieder aufgebaut. Es gab Reklame für die stets klamme Bauhütte im Kino, es gab Benefizveranstaltungen. 1950 war Richtfest. Die Stadt setzte Will ein "Denkmal": Sie nannte den Platz vor dem Marstall "Dr.-Heinz-Will-Platz".

Louise Henriette von Oranien FOTO: Wiltrud Schnütgen

Auch die Parkanlagen mussten hergerichtet werden: Unter der Ägide des Stadtdirektors Dr. Hans-Hermann Schroer bekamen die Gartenarchitekten Gustav und Rose Wörner den Auftrag, die Parks zu rekonstruieren und ein Parkpflegewerk aufzustellen, das jetzt fortgeschrieben wird. Hotel Stirum auf der einen Insel wurde abgerissen. Die Stadt wurde für die Mühen belohnt: Die Parkanlagen, die unter Stadtdirektor Manfred Palmen fertig wurden, wurden zum europäischen Gartendenkmal erklärt. Ein Gartendenkmal, in das auch das Klever Museum Kurhaus zog, dessen Bau der damalige Museumsdirektor Drs. Guido de Werd vorantrieb und das bei seiner Eröffnung ein Ausrufezeichen in die Stadt setzte.

Richtig nach vorne ging es für Kleve dann noch einmal 2009: Es gelang Landrat Wolfgang Spreen, eine Hochschule nach Kleve zu holen. Bürgermeister Theo Brauer machte den Weg frei und die Gründungspräsidenten Prof. Marie-Luise Klotz und Dr. Goch trieben die Hochschule voran. Als Campus wurde ein gelungener "Stadtteil" im alten Hafengelände hochgezogen, den die Architekten auf die Skyline Kleves ausrichteten - mit dem alten Hafenspeicher in der Mitte umgeben von neuen Bauten: das Kleve von morgen.

Politiker Manfred Palmen FOTO: Evers Gottfried
Quelle: RP
 
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