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Duisburg
Die Mahner von der Siegstraße

Duisburg: Die Mahner von der Siegstraße
Institutsleiterin Margarete Jäger (v.l.), Mitarbeiter Jobst Paul und Helmut Kellershohn, Vorstandsmitglied und Experte für die extreme Rechte FOTO: Tim Harpers
Duisburg. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung analysiert seit 30 Jahren die Strategie der Rechten in Deutschland. Die Erfolge der AfD betrachtet es als logische Folge gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen. Von Tim Harpers

Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung hält das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl für eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland. Die Einrichtung, die sich in ihrem Büro an der Siegstraße seit mittlerweile 30 Jahren mit rechten und rechtsextremen Strömungen im Land auseinandersetzt, hat es sich zu Aufgabe gemacht, mit Hilfe wissenschaftlicher Analysemethoden die Vorgehensweisen und Erfolgsrezepte der extremen Rechten aufzudecken.

Das Duisburger Institut arbeitet dabei unabhängig vom Universitätsbetrieb und ist auf öffentliche Gelder und Projektförderungen angewiesen. Es berät unter anderem Parteien und erstellt im Auftrag politischer Stiftungen Analysen, die dabei helfen sollen, Handlungsempfehlungen für Politiker zu erarbeiten. Bei seiner Arbeit setzt das Institut vor allem auf die Auswertung rechter Print- und Online-Publikationen. "Wir haben hier im Haus eines der umfangreichsten Archive für rechte Veröffentlichungen in Deutschland", sagt Institutsleiterin Margarete Jäger. Der Leitgedanke des Instituts sei es, die Entwicklung der Deutschen Rechten wissenschaftlich-kritisch zu begleiten. "Wir untersuchen die Publikationen nach Inhalten und Rhetorik und machen daraus resultierende gesellschaftliche Effekte deutlich."

Die jüngsten Erfolge der Alternative für Deutschland geben den Wissenschaftlern zu denken, kommen für sie allerdings nicht überraschend. "Dass die AfD nun in diversen Länderparlamenten und im Bundestag vertreten ist, liegt daran, dass in den vergangenen Jahren viele Faktoren zusammengekommen sind, die sie für einen großen Teil der Deutschen wählbar gemacht hat", sagt Helmut Kellershohn, Vorstandsmitglied des Instituts und Experte für die extreme Rechte. Zum einen sei wichtig, dass die AfD in ihren Anfangsjahren als sogenannte Professorenpartei gegolten habe. "Die Akteure damals entstammten dem politischen Establishment und gaben der AfD von Beginn an einen Anstrich gewisser Seriosität." Diesen gemäßigten Flügel gebe es auch heute noch. Zum anderen seien die Bedingungen für den Aufstieg einer neuen rechten Partei ausgesprochen günstig gewesen. "Euro-, Finanz- und Flüchtlingskrise haben das Vertrauen vieler Wähler in das bestehende politische System erschüttert", sagt Kellershohn. "Die AfD stößt mit ihrer Strategie gezielter Provokation in die Lücke, die die deutsche Linke mit ihrem Umschwung auf einen neoliberalen Kurs hinterlassen hat." Durch ihre Fokussierung auf die gesellschaftliche Mitte habe die SPD viele ihrer Stammwähler mit ihren Problemen alleingelassen. "Das sind heute nachweislich Stimmen, die zum Erfolg der AfD beitragen."

Rechte Straßenbewegungen wie Pegida spielen laut den Wissenschaftlern eine wichtige Rolle für den politischen Erfolg der AfD. FOTO: Reichwein

Dass die AfD rechte Reizfiguren wie den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke aus der Partei ausschließen wird, hält der Experte für unwahrscheinlich. "Der gemäßigte und der extrem rechte Flügel der AfD brauchen einander", sagt Kellershohn. Die Parlaments-AfD sei auf den Druck der Straße angewiesen, den Figuren wie Höcke mit ihren Äußerungen erzeugen könnten. "Rechte Straßenbewegungen wie Pegida haben gezeigt, dass außerparlamentarisch vorgebrachte Forderungen in den Parlamenten nicht unbeachtet bleiben." Derzeit sei nicht davon auszugehen, dass die AfD in der nächsten Zeit an Einfluss verlieren werde.

"Die Entwicklungen, die wir gerade im Hinblick auf die AfD zur Zeit beobachten, machen unsere Arbeit aktueller denn je", sagt Margarete Jäger. Umso bedauerlicher sei es, das Institute wie das ihre nur unzureichend mit öffentlichen Fördergeldern ausgestattet würden. "Wir sind unterfinanziert und müssen uns regelmäßig um Projekttöpfe bemühen, um unseren Betrieb aufrecht erhalten zu können." Da sei es schon beachtlich, dass es das Institut nun schon seit 30 Jahren gebe. "Da hatten wir zu Beginn nicht mit gerechnet", sagt die Institutsleiterin. "Wir sind schon ein bisschen stolz auf die Arbeit, die wir in den vergangenen Jahren geleistet haben."

Quelle: RP
 
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