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Duisburg
Die Monumentalisierung der Farbe

Duisburg: Die Monumentalisierung der Farbe
Kuratorin Ina Hesselmann und Museumsdirektor Walter Smerling bei der Vorstellung der Ausstellung. FOTO: Andreas probst
Duisburg. Das Museum Küppersmühle zeigt Arbeiten des im März gestorbenen Künstlers Rolf-Gunter Dienst. Von Peter Klucken

Die neue Ausstellung im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst hat etwas Tragisches: Die seit langem geplante Schau, die einen Überblick über das Werk von Rolf-Gunter Dienst geben sollte, ging gerade in die konkrete Vorbereitungsphase; Rolf-Dieter Dienst hatte das Duisburger Museum besucht, war von den räumlichen Möglichkeiten begeistert und hatte sich zusammen mit der Kuratorin Ina Hesselmann und Museumsdirektor Walter Smerling auf die Auswahl der Werke geeinigt, als der Künstler einen schweren Schlaganfall erlitt. Davon erholte er sich nicht und starb, letztlich unerwartet, am 15. März in Baden Baden im Alter von 73 Jahren. Deshalb ist die Ausstellung "Mein Gedicht heißt Farbe", die gestern Abend eröffnet wurde, eine Vermächtnisausstellung, die nicht zuletzt mit Unterstützung von Rolf-Dieter Diensts Witwe, Gunild Ober-Berg, realisiert werden konnte.

Rolf-Dieter Dienst gehörte zu den wenigen Künstlern, die zugleich professionelle Kunstkritiker sind. Jahrelang hat er als Redakteur für die Zeitschrift "Das Kunstwerk" gearbeitet; nebenbei schrieb er Kritiken und Kolumnen für verschiedene Tageszeitungen. Als Buchautor beschäftigte er sich bevorzugt mit der Kunst der Nachkriegszeit.

Der Künstler Rolf-Gunter Dienst starb während der Vorbereitung zur Ausstellung. FOTO: Barbara klemm

Fast nebenbei wurde er prägender Vertreter einer Kunstrichtung, die man vage als konkrete Kunst bezeichnet hat. Dienst malte keine Menschen, keine Landschaften, keine Stillleben oder Architekturstudien; vielmehr setzte er seinen Fokus allein auf die Farbe. Und das auf großartige Weise!

In zum Teil riesigen Formaten, deren Quadratmeterzahl einer normalen Dreizimmerwohnung entspricht, malt er in satten Farben oder auch fast ganz in Weiß oder Schwarz. Es handelt sich aber nicht um reine Farbflächenmalerei, vielmehr erkennt man bei genauem Hinsehen Strukturen oder Chiffren in den Gemälden. Der Künstler selber sprach von "Kürzeln", die zwar keine fassbaren Inhalte transportieren, wohl aber eine eigentümliche Atmosphäre schaffen.

Der Künstler bildet in seinen Werken nichts ab, dennoch schafft er eine Stimmung, die mit dem Eindruck vergleichbar ist, den wir beim Betrachten einer satt-grünen Wiese, eines prächtigen Blumenbeetes, des azurfarbenen Meeres, eines blauen Himmels, von schönem Herbstlaub oder eines geheimnisvollen Nebelstreifs haben können.

Im Museum Küppersmühle beginnt der Ausstellungsrundgang mit einer umfangreichen Auswahl an Papierarbeiten, Gouachen und vergleichsweise kleinen Ölgemälden aus den Anfangsjahren des Künstlers. Dazu gehört auch die Arbeit "Mein Gedicht heißt Farbe" aus dem Jahr 1962, deren Titel für die Ausstellung übernommen wurde. Zum überwältigenden Erlebnis wird die Schau jedoch in den Räumen, die Platz für die Riesenformate des Künstlers bieten. Es sind Farbenmeere zum Sattsehen in ganz unterschiedlichen geometrischen Strukturen, bei denen mal eine einzige Farbtonalität ausgelotet wird, mal eine Farbpalette in Streifen oder Quadratformen erscheint. Walter Smerling schlägt als Beschreibung die Formulierung "Monumentalisierung der Farbe" vor.

Eher sublim wirken in den hinteren Museumsräumen die hellen, fast monochromen Werke, die bisweilen ironische Titel tragen wie "Sieben Leute finden einen Titel" oder auch herrlich kompliziert eine Geschichte andeuten, die nur Eingeweihte kennen: "Der Pfefferkornvogel taucht in die Miriadenfinger der Farne und Veronese legt Dämmerung über den Wald."

Ausstellung bis 18. September. Der Katalog (182 Seiten, 145 Color- und 17 Schwarzweiß-Abbildungen) kostet an der Museumskasse 29 Euro.

Quelle: RP
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