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Duisburg
Die Säule: Das Wunder von Duisburg feiert 20. Geburtstag

Duisburg. Als am ersten Septemberwochenende des Jahres 1995 der Kulturtreff "Die Säule" am Dellplatz das Licht der Theaterwelt erblickte, ahnte wohl niemand, dass die nur 99 Plätze fassende Kleinkunstbühne mal eine Erfolgsgeschichte schreiben könnte. Viele, die am Düsseldorfer Kom(m)ödchen, am Kölner Senftöpfchen, im Bonner Haus der Springmaus, bei den Wühlmäusen in Berlin oder an der Münchner Lach- und Schießgesellschaft gastierten, gaben und geben sich noch heute irgendwann einmal auch in der "Säule" die Klinke in die Hand. Von Olaf Reifegerste

Neben dieser künstlerischen Erfolgsgeschichte gab es aber auch eine bauliche Vorgeschichte. Denn 1995 gab es Restmittel aus der damaligen NRW-Städtebauförderung, die der ehemalige Kulturamtsleiter Helmut Linn zusammen mit der seinerzeitigen Kulturdezernentin Dr. Iris Magdowski kurzerhand für dieses Vorhaben vom Land abrief. "So ist die 'Säule' als eine Art 'Wunder von Duisburg' entstanden", nannte Oberbürgermeister Sören Link diesen einmaligen Coup in seiner Begrüßung. Und er sei stolz in der heutigen Jubiläumsveranstaltung "einer von 99" seien zu dürfen.

Doch die größte Finanzkrise, bei der von Beginn an miserablen Budgetausstattung - denn die "Säule" ist im Duisburger Haushalt mit einem Jahresbudget von unter 20 000 Euro angesetzt -, musste im vergangenen Jahr bewältigt werden, berichtete die Vorsitzende des Fördervereins, Gabriela Grillo. Da stand das Haus auf der "Streichliste" der Stadt. Nur durch eine konzertierte Aktion der "Hilfe zur Selbsthilfe", wie Grillo es nannte, konnte das Bestehen gesichert werden - vorerst und auch nur bis 2016, denn dann würde die Beschäftigungsmaßnahme für die beiden technischen Mitarbeiter auslaufen. Im Stellenplan der Stadt habe die "Säule" nämlich nur ganze 1,5 Stellen: "Das reicht zwar um Programm und etwas Verwaltung zu machen, aber die Bühne bliebe leer und dunkel."

Nichtsdestotrotz erlebte das ansonsten gut gelaunte Festtagspublikum ein künstlerisch reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm aus der "großen Welt der vermeintlich kleinen Künste", wie es Matthias Brodowy als Moderator des Abends treffend formulierte. Und neben ihn formierten sich die freche Chansonette Tina Teubner und ihr Partner Ben Süverkrüp, das bekannte Schauspielerehepaar Christiane Leuchtmann und Hans-Peter Korf, das vielseitige Duo Tina Häussermann und Fabian Schläper, das Duisburger Eigengewächs, der Kabarettist Wolfgang Trepper sowie der Pianist und Kabarettist der ersten "Säulen"-Stunde Frank Golischewski. Und natürlich durfte einer nicht fehlen: Der Schauspieler und Ehemann der erfolgreichen "Säulen"-Prinzipalin Martina Linn-Naumann, Horst Naumann.

Auch wenn es überwiegend heiter bis teils ausgelassen zuging in der dreistündigen Jubiläumsschau, Trepper brachte ein sehr nachdenklich stimmendes Gedicht zum versteckten Faschismus im Zusammenhang mit dem Thema "Flüchtlinge" aus der Feder des kabarettistischen Großmeisters Hanns Dieter Hüsch zu Gehör: "Das Phänomen". Auch wenn damit "die Stimmung des Abends in den Keller fährt" (Trepper), es sei wichtig dieses hier und heute zu sagen, denn auch das dokumentiere die "Vielfalt der Kleinkunst", so Brodowy.

Quelle: RP
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