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Duisburg
Die Sattlerin: Pferde sind ihre Stärke

Duisburg: Die Sattlerin: Pferde sind ihre Stärke
Mehr als 20 Jahr Reitsporterfahrung hat die 26-jährige Christina Ludwig, die als Reitsportsattlerin und geprüfte Ausbilderin auch schon Bundessiegerin in ihrem Metier wurde. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Der Sattel gehört zur Grundausstattung für jedes Pferd. Ein unpassendes Exemplar kann bei Tier und Reiter schnell zu gesundheitlichen Problemen führen. Dass das nicht geschieht, dafür sorgt die Duisburger Sattlerin Christina Ludwig. Von Cornelia Brandt

Das Wohl des Pferdes steht bei einem guten Reitsportsattler an erster Stelle. So auch bei Christina Ludwig in Buchholz. Seit fast zwei Jahren betreibt die 26-Jährige dort ihre eigene Sattlerei. Neben mehr als 20 Jahren Reitsporterfahrung ist die Jungunternehmerin staatlich anerkannte Reitsportsattlerin, geprüfte Ausbilderin und sogar "Bundessiegerin Sattler Fachrichtung Reitsport" (2011).

Wie kommt eine Abiturientin zu einem so ausgefallenen Handwerksberuf? "Ich hatte mich eigentlich für Tiermedizin interessiert, hatte aber nach dem Abi keine Lust auf ein so langes Studium", sagt Ludwig. "Bei der Anpassung von Sätteln geht es ja um den Rücken von Tieren und damit auch um Gesunderhaltung." So habe sie damals eine Idee ihrer Mutter aufgegriffen und sich für die Ausbildung zum Sattler Fachrichtung Reitsport entschieden. Kein Beruf für jemanden, der unbedingt reich werden möchte, wie die junge Frau schmunzelnd berichtet: "260 Euro im ersten Lehrjahr, 325 im zweiten und 450 Euro im dritten", habe die Vergütung betragen.

Nach ihrem Gesellenbrief sammelte sie zunächst anderthalb Jahre Erfahrung in einer Maßsattlerei im Sauerland und arbeitete dann ein Jahr als Sattlerin in einem Reitsportladen, wo sie hauptsächlich Konfektionssättel anpasste. "Dann habe ich mir gedacht ,Jetzt oder nie' und habe meine eigene Sattlerei gegründet", so Ludwig. Als Startkapital standen ihr rund 20 000 Euro zur Verfügung, die sich aus eigenem Erspartem und einem Privatkredit ihrer Familie zusammensetzten. - Eine Summe, die sich zunächst nach viel Geld anhört. Doch allein die spezielle Dürkopp Adler-Nähmaschine verschlang die ersten 9000 Euro. "Damit kann man ohne Probleme Leder bis 1,5 Zentimeter Dicke nähen", erläutert sie. "Die halten 30 bis 40 Jahre. Und nur wenn ein Sattler mal ausscheidet, ist sowas gebraucht zu bekommen. Also ganz selten. Die meisten behalten ihre bis zur Rente."

Polsterstäbe, Kopfleistenverstellmaschine, Sattlermesser, Nähahlen, Bohrmaschine, Heißluftföhn, Schleifmaschine für die Messer, Spindelpresse (um Nieten und Druckknöpfe ins Leder zu bringen) - allein die Liste der zu beschaffenden Werkzeuge war lang. Und das Startkapital somit schnell angelegt. Doch das Geschäft läuft - einen Großteil des Privatkredites konnte die junge Frau bereits an die Investoren zurückzahlen. Denn Arbeit gibt es für die Sattlerin genug. "Im ersten Jahr habe ich rund 35 Stunden pro Woche gearbeitet. Inzwischen hat es sich rumgesprochen, dass es mich gibt. Jetzt liege ich bei 50 Wochenstunden", sagt sie. Hauptsächlich beschäftigt Ludwig sich mit der Anpassung von Konfektionssätteln. Dann macht sie einen Termin vor Ort beim Pferd, misst das Tier erst einmal ordentlich aus, schaut sich Pferd und Reiter genau an und hält alles in einem Beurteilungsbogen fest, um später in ihrer Werkstatt den Sattel optimal anpassen zu können. "Rückenform, Muskulatur, Reitstil, Sattel, Stockmaß und Reitergewicht sind ja von Fall zu Fall unterschiedlich", erklärt sie. Oft wiesen auch Tierärzte oder Osteopathen die Reiter darauf hin, dass der Sattel besser angepasst werden müsse. "Die Gesundheit der Tiere ist heute ein viel sensibleres Thema als noch vor 15 Jahren", erklärt die Sattlerin. Darüber hinaus seien die Pferde durch Zucht auch empfindlicher geworden.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Sattlern liefert Ludwig die angepassten Sättel auch selbst aus und schaut sich vor Ort an, ob denn nun auch wirklich alles passt. "Oft sieht das im Stand zwar schön aus, aber wenn das Pferd und seine Muskulatur sich bewegen und der Reiter oben drauf auch, dann muss das auch alles noch perfekt sein", sagt die Expertin.

Neben der Anpassung fertigt die Reitsportsattlerin auch maßgeschneiderte Sättel an und verziert diese nach individuellem Kundenwunsch. Ihren eigenen Sattel für ihr Pony hat sie sehr gekonnt und ganz extravagant mit Figuren aus ihrem Lieblings-Computerspiel verziert und darüber hinaus mit silbernen Conchos geschmückt, die sie bei einem Silberschmied exklusiv hat anfertigen lassen. Während eine Anpassung mit ein bis drei Stunden Arbeit zu Buche schlägt und in der Regel zwischen 75 und 150 Euro kostet, ist ein schlichter Maßsattel ab 3500 Euro zu haben. Für ein exklusives Exemplar, für das 70 bis 80 Arbeitsstunden zu veranschlagen sind, werden schnell mal 5000 bis 6000 Euro fällig. "Aber Maßsättel werden nicht so oft nachgefragt. Die kann sich halt nicht jeder Pferdebesitzer leisten", sagt sie und lacht.

Auch wenn sich zu Stoßzeiten die Sättel in dem kleinen Ladenlokal in Buchholz stapeln - momentan kommt Christina Ludwig gut mit den 35 Quadratmetern Werkstatt zuzüglich Büro aus. Aber irgendwann möchte sie auch selbst Sattler ausbilden.

Dazu sei aber zum einen der Platz zu eng, zum anderen die Zeit nicht ausreichend. "Wenn ich jemanden ausbilde, dann soll derjenige auch wirklich was bei mir lernen. Schließlich repräsentiert er mit seinen Ausbildungsergebnissen hinterher ja auch mein Unternehmen", sieht die junge Firmeninhaberin es ganz klar.

Die Sattlerei Ludwig befindet sich in Duisburg-Buchholz an der Münchener Straße 124, Telefonnummer 0176 61312299, E-Mail ChristinaLudwig@ok.de. Im Internet ist das Unternehmen zu finden unter der Website www.reitsportsattlerei-ludwig.de und auf Facebook unter https://www.facebook.com/SattlereiChristinaLudwig.

Quelle: RP
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