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Duisburg
Die Sprache ist der Schlüssel

Duisburg: Die Sprache ist der Schlüssel
Ibrahim Soufi (Mitte) wurde an seinem ersten Arbeitstag begrüßt von (von links): Regina Weiß-Fernekes, Ausbildungsleiterin beim Unternehmerverband, Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Ulrich Käser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, sowie Werner Rous, Geschäftsführer des jobcenter Duisburg. FOTO: Unternehmerverband
Duisburg. Der Syrer Ibrahim Soufi ist der erste Flüchtling, der im Haus des Unternehmensverbandes eine Ausbildung beginnt. Als ein positives Beispiel zeigt er auf, welche Rolle eine berufliche Perspektive bei der Integration spielt. Von Jan Luhrenberg

Ibrahim Soufi hat seine Heimat verloren. In Syrien tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg, vor dem er nach Deutschland geflohen ist. Hier möchte sich der Flüchtling ein neues Leben aufbauen, weit weg von Angst, Leid und Tod.

Ein wichtiger Schritt dafür ist seit gestern getan: Der 30-jährige Soufi hat eine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration beim Unternehmerverband in Buchholz begonnen. Der Syrer zeigt sich offenkundig begeistert von der Möglichkeit, beruflich in Deutschland Fuß zu fassen: "Das ist eine große Chance für mich und meine Familie. Ich werde mein Bestes geben und freue mich auf die Zeit beim Unternehmerverband."

Für die Ausbildungsstelle empfehlen konnte sich der studierte Elektro- und Kommunikationstechniker während eines breit gefächerten Praktikums im Haus des Unternehmerverbandes. Dabei durchlief Soufi nahezu alle Bereiche des Verbandes, zum Beispiel den Service oder EDV. "Der Stundenplan während des Praktikums war minuziös aufgegliedert, so dass Herr Soufi alle Abteilungen durchlaufen konnte", erklärt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes.

Die theoretische Basis für seinen späteren Beruf hat der Syrer schon im Studium gelegt. Für einen nötigen Berufseinstieg in Deutschland ist aber die Berufspraxis von besonderer Bedeutung. "Zum Anknüpfen an das Studium ist ein gewisser Praxisanteil unerlässlich", erklärt Regina Weiß-Fernekes. Die Ausbildungsleiterin des Unternehmerverbandes sieht in der Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration ein passendes Puzzlestück zum Universitätsabschluss, das in die gleiche Richtung geht. "Mit dieser Ausbildung wird es ihm leichter fallen, eine geeignete Stelle zu finden", so Weiß-Fernekes.

Die Ausbildung, die Ibrahim Soufi durchläuft, ist überbetrieblich. Neben schulischen Blockeinheiten - davon drei pro Jahr - konnten Praktikumsplätze bei Partnerunternehmen in die Wege geleitet werden. Während Aufenthalten in Unternehmen, die im Bereich EDV oder Forschung tätig sind, werden Lerninhalte abgedeckt, die der Verband selbst nicht bieten kann. "So kann Herr Soufi über den Tellerrand hinaus blicken und die Dinge lernen, die für die Systemintegration unerlässlich sind", sagt Weiß-Fernekes. Schließlich sei die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration die allererste seiner Art unter dem Dach des Verbandes..

Insgesamt dauert die Ausbildung drei Jahre, mit der Option auf Verkürzung. So könnte Ibrahim Soufi schon nach zwei Jahren staatlich geprüfter Fachinformatiker sein. "Dafür muss aber in der Berufsschule alles gut laufen und das Feedback der Unternehmen positiv ausfallen", so die Ausbildungsleiterin.

"Die Ausbildung ist ein Angebot, das in erster Linie helfen soll", sagt Wolfgang Schmitz. Die Verzahnung aus Theorie und Praxis, die Soufi erhält, sei eine beliebte Kombination bei Unternehmen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Doch hinter dem integrativen Engagement des Verbandes steckt mehr: Er möchte vorangehen und als Vorbild für die rund 700 Mitgliedsfirmen dienen. Denn Integration sei auch durch die Arbeitswelt möglich, so Schmitz.

Eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Arbeit für Flüchtlinge spielt der seit Jahresbeginn aktive Integration Point im Gebäude der Agentur für Arbeit. Dieser dient als zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge - auch für Ibrahim Soufi, der dort drei Monate nach seinem Deutschkursus das Praktikum im Unternehmerverband angeboten bekommen hat. "Ibrahim Soufi ist ein gelungenes Beispiel der Arbeit des Integration Point", sagt Ulrich Käser, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit.

Stand jetzt können aber nur anerkannte Flüchtlinge mit hohem Bezug zum Arbeitsmarkt profitieren, so Käser. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift und gewisse Qualifikationen sollte ein Flüchtling mitbringen, um erfolgreich vermittelt zu werden.

"Von 700 Flüchtlingen, die wir momentan betreuen, konnten 60 eine Arbeitsstelle finden", erklärt der Vorsitzende der Arbeitsagentur. Junge Menschen sollen dabei schnellstmöglich Ausbildungsstellen erhalten, auf jeden Fall aber Praktika absolvieren. Ibrahim Soufi ist einer von ihnen.

Quelle: RP
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